Auszeit dank Sabbatical – Wie funktioniert es?

Das Sabbatical ist eine im Vorfeld vertraglich festgehaltene Auszeit vom Job, die meist drei bis zwölf Monate dauert. Die meisten nutzen diese Zeit zum Reisen, aber auch um sich andere Träume zu erfüllen.


Einfach mal dem Alltag den Rücken zukehren, den Job auf Eis legen und die Welt bereisen: Für viele Menschen klingt dieser Gedanke sehr reizvoll – und doch trauen es sich nur wenige, den Traum Wirklichkeit werden lassen. Dabei ist es durchaus möglich, sich eine längere Auszeit vom Beruf zu nehmen, ohne gleich kündigen zu müssen. Das „Zauberwort“ lautet Sabbatical.

Wer hat Anspruch auf Sabbatical?

In Deutschland gibt es keine gesetzlichen Regelungen, die festlegen, dass jeder Arbeitnehmer ein Sabbatical machen darf. In zahlreichen Unternehmen – insbesondere im öffentlichen Dienst – ist die berufliche Auszeit allerdings tariflich geregelt. Wenn eine entsprechende Vereinbarung vorliegt, ist es oftmals sehr leicht, sich das Sabbatical genehmigen zu lassen.

Generell hat jeder Angestellte die Möglichkeit, seinen Arbeitgeber auf das Thema Auszeit anzusprechen. Immer mehr Vorgesetzte stehen dem Thema sehr offen gegenüber und zeigen schnell Bereitschaft, das Sabbatical zu genehmigen. Die Auszeit für den Mitarbeiter kann nämlich auch für die „Chefetagen“ von großem Interesse sein, beispielsweise wenn es um die folgenden Aspekte geht:

Welche Formen vom Sabbatical gibt es?

Interessanterweise hat das Sabbatical viele verschiedene Gesichter. Hier einmal genauer hinzuschauen, zu vergleichen und mit dem Chef über verschiedene Möglichkeiten zu sprechen, lohnt sich.

  • Das Langzeitkonto
    Im Vorfeld der Auszeit werden Überstunden und Urlaubstage gesammelt, die dann für das Sabbatical genutzt werden.
  • Das Teilzeitmodell
    Der Arbeitnehmer arbeitet eine gewisse Zeit 40 Stunden pro Woche, lässt sich allerdings nur 30 auszahlen. Das restliche Gehalt wandert auf ein „Sabbatical-Konto“ und wird während der Auszeit wie gewohnt monatlich überwiesen. Hierbei handelt es sich um das wohl attraktivste und beliebteste Modell.
  • Unbezahlter Urlaub
    Die Inanspruchnahme von unbezahlten Urlaubstagen ist in Deutschland eher unüblich. Sie wird meist zur Kinderbetreuung oder für einen Bildungsurlaub genutzt. Auch ein Sabbatical kann auf diese Weise realisiert werden.
  • Kündigung
    Für viele Arbeitnehmer ist das Sabbatical der perfekte Zeitpunkt für einen Neueinstieg. Sie kündigen ihren Job komplett und fangen danach eventuell in einem neuen Unternehmen an.

Tipp: Die beiden Möglichkeiten Langzeitkonto und Teilzeitmodell erlangen zusätzliche Attraktivität, wenn man sich vor Augen führt, dass der Arbeitgeber in diesen Fällen weiterhin verpflichtet ist, Sozialversicherungsbeiträge zu zahlen.

Den Chef von der Auszeit überzeugen

Viele Menschen assoziieren das Sabbatical mit „auf der faulen Haut liegen“. Chefs und Vorgesetzte reagieren dementsprechend häufig eher skeptisch, wenn Angestellte mit ihrem Anliegen an sie herantreten. Ähnlich wie beim Thema Home Office gilt es auch in dieser Situation, mit den richtigen Argumenten zu überzeugen und aufzuzeigen, dass eine Auszeit viele Vorteile mit sich bringt. Hierzu gehören beispielsweise:

  • Weiterbildungsmöglichkeiten
  • Steigerung von Motivation und Zufriedenheit
  • Schutz vor Burnout und Depressionen

Wer sich nicht nur auf Vorteile verlassen will, legt seinem Arbeitgeber auch gleich einen Vertretungsvorschlag vor. Machen Sie sich ruhig konkrete Gedanken, wer Ihre Aufgaben in der Zeit des Sabbaticals übernehmen kann und sprechen Sie die Kollegen schon einmal an. Je detaillierter und lückenloser Ihr Plan ist, desto schwerer wird es Ihrem Chef fallen, die Anfrage abzulehnen.

Wichtig ist außerdem, einen langen Atem zu beweisen. In vielen Firmen sind Sabbaticals eine Neuheit und nicht selten wissen die Chefs gar nichts damit anzufangen. Wer seinen Traum von einer Auszeit erfüllen will, muss sich darauf einstellen, mehrere Male nachzufragen. Hartnäckigkeit kann also auch ein Schlüssel zum Erfolg sein.

Übrigens: Wussten Sie, dass das Wort Sabbatical seinen Ursprung in der Bibel hat? Der Sabbat beziehungsweise die Sabbatruhe ist eine Zeit, in der die Menschen die Arbeit niedergelegt haben, um Gott zu huldigen.

Wozu kann ich mein Sabbatjahr nutzen?

Die Mehrheit der Leute, die sich eine Auszeit gönnen, nutzen diese, um eine längere Reise zu machen. Das Sabbatical bietet allerdings noch weitaus mehr Möglichkeiten. Nutzen Sie die mehrmonatige Pause vom Job beispielsweise, um:

  • ein Haus zu bauen
  • sich weiterzubilden
  • ein Buch zu schreiben
  • eine Fremdsprache zu erlernen
  • ein Fernstudium zu absolvieren
  • Ihre Elternzeit zu verlängern
  • einen Angehörigen zu pflegen
  • sich vor einem Burnout zu bewahren
  • sich ehrenamtlich zu engagieren
  • sich einen persönlichen Traum zu erfüllen

Es gibt viele gute Gründe, die dafür sprechen, sich eine Auszeit vom Job zu nehmen. Der wohl schwierigste Schritt dorthin ist es, sich zu überwinden, seinen Vorgesetzten um ein Sabbatical zu beten.


Bildquelle: Ai825/Shutterstock

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Jessika Fichtel

Jessika Fichtel

Als studierte Journalistin versteht es Jessika genau, Informationen und Hintergrundwissen auf den Punkt zu präsentieren. Die Erfurterin arbeitet als freiberufliche Online-Redakteurin und hat sich auf die Bereiche Job und Karriere spezialisiert. Ihr Steckenpferd ist das Thema „digitales Arbeiten“, denn damit setzt sich die Freelancerin tagtäglich auseinander.