Bewerbung 2.0: Abschlussnoten sind irrelevant - aber was zählt wirklich?

In Zeiten des Fachkräftemangels verlieren Noten immer mehr an Wichtigkeit. Was in Ihrer Bewerbung stattdessen zählt, möchten wir Ihnen heute verraten.


Mit schlechten Noten in Schul-, Universitätsabschluss oder Promotion haben Sie quasi keine Chance auf einen guten Job. Diese Regel wurde den meisten von Ihnen gewiss noch von Eltern und Lehrern eingebläut. Bis vor wenigen Jahren hatte sie durchaus einen wahren Kern und in sehr konservativen Unternehmen mag das auch heute noch der Fall sein. Doch mehr und mehr mutiert dieser Grundsatz zu einem Mythos der modernen Arbeitswelt. Das liegt einerseits im Fachkräftemangel begründet, wodurch Arbeitgeber schlichtweg nicht mehr so wählerisch sein können. Andererseits scheinen aber auch die Personaler mittlerweile zu verstehen, dass Noten über einen Menschen reichlich wenig aussagen.

Sind Noten mittlerweile egal geworden?

Nach dem Motto „Vier gewinnt“ sollten Sie dennoch nicht die Schulbank drücken. Zwar verlieren Noten derzeit an Wichtigkeit, ganz außer Acht werden sie bei Einstellungsprozessen aber nicht gelassen. Der Blick vieler Personaler wandert immer noch zur Abschlussnote – wenn auch nicht mehr zuerst. Sie wird nach wie vor als wichtiger Indikator für Fleiß, Disziplin und Durchhaltevermögen eines Menschen herangezogen. Dies sind schließlich die Soft Skills, welche durch unser Bildungssystem in Deutschland am meisten gefördert werden. Eine besonders gute Note in Mathematik kann zudem auf logisches Denken oder ein grundlegendes Verständnis für komplexe Zusammenhänge hinweisen. Doch genau das ist das Stichwort: Noten sind schlussendlich nicht mehr als ein grober Hinweis. Unsere moderne Geschäftswelt stellt mittlerweile aber auch andere Anforderungen an die Mitarbeiter. Personaler suchen deshalb längst nicht mehr nur nach Bewerbern mit Fleiß, Disziplin und Durchhaltevermögen, sondern legen vermehrt Wert auf andere Soft Skills und Kenntnisse. Aber welche?

Arbeitszeugnisse sind die wichtigeren „Noten“

Mit Berufserfahrung kann ein Bewerber punkten. Viele Personaler achten deshalb darauf, wo Sie bereits gearbeitet haben, wie lange, ob es Lücken in Ihrem Lebenslauf gibt, welche Aufgaben Sie in Ihrer vorherigen Anstellung hatten oder was die Arbeitszeugnisse über Sie aussagen. Auch, wenn hier keine konkrete Zahl steht, so kann ein geübtes Auge nämlich auch hieraus eine „Note“ ablesen. Haben Sie „zur vollen Zufriedenheit“, „zur vollsten Zufriedenheit“ oder „stets zur vollsten Zufriedenheit“ gearbeitet? Das sind die kleinen Unterschiede, welche bei Ihrer Bewerbung über Erfolg oder Misserfolg entscheiden können.

Abschlussnoten sind nur für Berufseinsteiger wichtig – wenn überhaupt

Auf Abschlussnoten aus Ihrer Schulzeit, Ausbildung oder aus dem Studium wird also prinzipiell nur geachtet, wenn diese noch in jüngster Vergangenheit liegen, Sie über keine oder kaum Berufserfahrung verfügen oder keine aussagekräftigen Arbeitszeugnisse vorliegen. Als Grundregel gilt meist: Je „älter“ die Note, umso unwichtiger ist sie!

Fremdsprachen sind Trumpf

Im Zuge der Globalisierung sind Unternehmen immer internationaler aufgestellt. Ohne Englischkenntnisse geht da quasi nichts mehr. Wirklich heraus stechen hingegen Bewerber, die über zusätzliche Fremdsprachenkenntnisse verfügen. Besonders beliebt sind beispielsweise Chinesisch, Japanisch, Russisch oder Spanisch. Wenn Ihre Schulnoten also nicht ganz so gut sind, belegen Sie doch einen Sprachkurs oder besser noch: machen Sie einen Auslandsaufenthalt, lernen Sie die Sprache und Kultur des Landes kennen und sammeln Sie vielleicht direkt vor Ort Berufserfahrung. Das wird die Personaler wirklich begeistern!

Auf die emotionale Intelligenz kommt es an

Ja, auch Intelligenz spielt nach wie vor eine wichtige Rolle, wenn Sie eine steile Karriere anstreben. Doch dabei kommt es nicht unbedingt auf den wenig aussagekräftigen IQ eines Menschen an, sondern auf dessen emotionale Intelligenz. Abschlussnoten sind hierfür ein denkbar schlechter Indikator, da soziale Kompetenzen in unserem aktuellen Bildungssystem deutlich zu kurz kommen. Wenn Sie also glaubhaft darlegen können, dass Sie über emotionale Intelligenz verfügen und wieso, drückt der Personaler gewiss ein Auge zu, wenn Ihre Noten eher weniger beeindruckend sind. Führen Sie an, dass Sie der Kapitän Ihrer Fußballmannschaft sind, dass Sie eine Weiterbildung als Mediator haben oder dass Ihre Fähigkeiten als Teamleiter in Ihrem vorherigen Job mehrfach gelobt wurden. Wenn sich diese Behauptungen nun auch noch durch Weiterbildungsnachweise oder eine Erwähnung im Arbeitszeugnis belegen lassen, haben Sie dennoch beste Chancen auf den Job – garantiert!

Schlussendlich kommt es natürlich darauf an, um welche Tätigkeit, Position und Branche es sich handelt. Die berühmtesten Hacker, welche Staat und Geheimdienste unterstützen, haben häufig nicht einmal einen Schulabschluss. Es ist das „Können“, das zählt – und darüber sagen Abschlussnoten eben sehr wenig aus. Diese Erkenntnis wird auch bei den konservativsten Unternehmen irgendwann ankommen. Oder was denken Sie? Wie wichtig sind Ihrer Erfahrung nach die Noten bei einer Bewerbung wirklich?


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