Eigenlob stinkt nicht! Ein Plädoyer für mehr eigene Anerkennung im Job

Ein bekanntes und beliebtes Sprichwort besagt: Eigenlob stinkt. Soll heißen: Halten Sie sich mit Selbst-Beweihräucherung zurück und üben Sie sich in Bescheidenheit. Doch gilt das wirklich immer und überall?


Menschen, die häufig und gern betonen, wie gut sie auf gewissen Gebieten sind, leiden schnell unter dem Image, arrogant und hochnäsig zu sein. „Der/Die ist ja ganz schön von sich überzeugt.“ ist nur eine von vielen abschätzigen Bemerkungen, die dann häufig aus dem Umfeld kommen. Aber ist es wirklich komplett verboten, sich selbst zu loben und einen persönlichen Erfolg hervorzuheben? Wie sieht es zum Beispiel im beruflichen Kontext aus?

Mangelndes Lob vom Chef frustriert

Fragt man Arbeitgeber nach Gründen für ihre Unzufriedenheit im Job, kommen meist viele verschiedene Antworten. Eine, die sich besonders häufig einschleicht: „Mein Chef lobt mich zu selten. Ich habe das Gefühl, dass meine Arbeit nicht ausreichend wertgeschätzt wird.“ In der Tat handelt es sich hierbei um ein weit verbreitetes Problem. Wenn der Mitarbeiter einen Fehler macht, ist das Anlass für minutenlange Vorträge. Ist seine Arbeit hingegen einwandfrei, wird das stillschweigend als Selbstverständlichkeit hingenommen. Die deutschen Vorgesetzten geizen mit Lob, was das Zeug hält und bemerken dabei oftmals nicht einmal, wie demotivierend und frustrierend sich diese Haltung auf die Angestellten auswirkt.

Ein weiterer Konflikt, der sich aus dieser Thematik heraus ergibt: Mitarbeiter, die für Ihre (sehr) gute Arbeit nie ein Lob und Anerkennung bekommen, stellen sich selbst permanent infrage. Gedanken wie „Habe ich das jetzt wirklich richtig gemacht?“ oder „Ich glaube, der Chef ist mal wieder nicht von meiner Arbeit überzeugt.“ stehen in den meisten Büros an der Tagesordnung und sorgen für unterschwellige, jedoch permanent anwesende Verunsicherung. Oder mit anderen Worten: Wenn das offen ausgesprochene Lob in Unternehmen fehlt, wirkt sich das früher oder später extrem auf das Selbstbewusstsein der Mitarbeiter aus.

Was also tun?

Wenn das Lob von Seiten der Chefetage ausbleibt, gilt es, Eigeninitiative zu ergreifen: Loben Sie sich selbst für Ihre guten Ergebnisse am Arbeitsplatz. Diese Vorgehensweise bringt gleich mehrere Vorteile mit sich.

Auf der einen Seite ist da natürlich der psychologische, aufbauende Effekt, der von den anerkennenden Worten ausgeht. Indem Sie sich selbst auf Ihre Erfolge hinweisen, werden Sie aktiv an Ihrem Selbstbewusstsein arbeiten und dieses permanent erweitern. Ein neues Projekt, das nach einem Leiter sucht? Ein besonders kniffeliger Kunde, für den das Unternehmen einen Betreuer benötigt? Alles kein Problem für Sie – dank regelmäßigem Eigenlob.

Auf der anderen Seite ist es ratsam, in Form von Lob auf eigene Erfolge hinzuweisen, um damit Ihre fachliche Kompetenz zu unterstreichen.Es kann durchaus sein, dass Ihrem Chef die eine oder andere sehr gute Leistung von Ihnen entgeht. Indem Sie gekonnt darauf hinweisen, ist es eine gute Chance, zusätzliche Pluspunkte zu sammeln.

Info: Auch in Bewerbungen ist es durchaus legitim, sich selbst und die bereits erbrachten Leistungen zu loben.

Auf die Dosis kommt es an

Wahrscheinlich ahnen Sie es schon: Sich selbst loben, um das eigene Selbstbewusstsein zu stärken und berufliche Erfolge zu unterstreichen, ist natürlich ein tückisches Unterfangen. Die größte Gefahr, die hierbei lauert, ist: grenzenloses Übertreiben. Werden Sie auf keinen Fall zum Prahlhans, der mit jeder noch so kleinen Erfolgsgeschichte im kompletten Büro hausiert. Wer sich selbst und seine Arbeit permanent glorifiziert und den Bogen dabei rigoros überspannt, läuft Gefahr, doch als arrogant, selbstsüchtig und überheblich abgestempelt zu werden. In diesem Fall kann dann auch gesagt werden, dass Eigenlob stinkt.

Hinweis: Loben Sie sich nur dann öffentlich, wenn es auch wirklich angebracht ist. Achten Sie dabei stets auf ein angebrachtes Maß. Kleinere Erfolge können auch gern einmal im Stillen gefeiert werden. Das bedeutet: Sprechen Sie sich das Lob gedanklich aus oder flüstern Sie es, sodass nur Sie es hören.

Wichtig: Auch mal die Kollegen loben

Kommen wir abschließend noch einmal auf die „Lob-Faulheit“ der Chefs zurück. Wenn auch Sie der Meinung sind, dass von Seiten der Führungsetage ruhig mehr anerkennende Worte kommen dürfen, hilft es nicht nur, sich selbst, sondern auch die Kollegen für gute Leistungen zu loben. Es erscheint fast schon trivial und wird doch so oft außer Acht gelassen. Die gegenseitige Unterstützung unter Arbeitskollegen sorgt nicht nur für gute Stimmung und motivierenden Aufwind, sondern stärkt auch das Zusammengehörigkeitsgefühl im Büro.


Bildquelle: Pressmaster/Shutterstock

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Jessika Fichtel

Jessika Fichtel

Als studierte Journalistin versteht es Jessika genau, Informationen und Hintergrundwissen auf den Punkt zu präsentieren. Die Erfurterin arbeitet als freiberufliche Online-Redakteurin und hat sich auf die Bereiche Job und Karriere spezialisiert. Ihr Steckenpferd ist das Thema „digitales Arbeiten“, denn damit setzt sich die Freelancerin tagtäglich auseinander.