Industrie 4.0: Der Facharbeiter als Dirigent

Im Zeitalter der vierten industriellen Revolution, also der Verzahnung der industriellen Produktion mit modernster Informations- und Kommunikationstechnik, wird der Facharbeiter zunehmend zum Dirigent von Maschinen. Doch wie funktioniert die vernetzte Fabrik eigentlich? Und welche Rolle spielt der Mensch?


Die vierte industrielle Revolution, die Transformation zum Internet der Dinge in den Fabriken, findet derzeit zu einem großen Teil in der Intralogistik statt. Jedes Teil, jedes Regal und jedes Transportvehikel werden zu einem Cyberphysikalischen System (CPS). Wo früher von Hand kommissioniert und palettiert werden musste, erledigen dies nun Roboter. Die Kommunikation der CPS wird automatisiert abgewickelt. Es geht um eine radikale Neugestaltung der Intralogistik und des Managements, in der der Facharbeiter eine neue Rolle einnimmt und das Management dezentral agiert.

Intralogistik

Die Intralogistik, also die innerbetriebliche Logistik, wird mehr und mehr digitalisiert und automatisiert. Es gibt intelligente Förder-, Lager- und Automatisierungslösungen auf dem Weg zur Smart Factory. Dabei kommen zum Beispiel Highspeed Pick and Place-Roboter zum Einsatz, eine Prüfstation für Europaletten sowie ein Modulkettensystem.

Smarte Intralogistiklösungen unterstützen moderne Wertschöpfungsprozesse. Intralogistische Prozesse entlang der Supply Chains können automatisiert gelöst werden. Resultate sind die Erhöhung von Durchsätzen, die Optimierung von Wertströmen etc. Die dabei eingesetzten Systeme sind modular und flexibel. Es gibt Komponenten zum Etikettieren, Fördern und Palettieren. Ein Lift, ein Gurtförderer, Palettenfördertechnik und angetriebene Rollenförderer arbeiten im Zusammenspiel. Die Roboter sind in der Lage, Gegenstände aufzugreifen, zu sortieren und sie nach Aufforderung einer Laserbeschriftungseinheit zuzuführen. Die Palettenprüfstation kann für Europaletten eine Deckbretterkennung, Konturenkontrolle, Klotzerkennung, Deckbrettdruckprüfung sowie Maßhaltigkeits- und Bodendruckprüfung und mehr durchführen. Ein Modulkettensystem kann große Stückgüter mit hohem Stückgewicht transportieren und eignet sich für Horizontal-, Schräg- und Vertikalbetrieb. Dadurch können breitere, längere und äußerst flexible Förderstrecken mit nur einem Antrieb realisiert werden.

Der Mensch

Welche Rolle spielt bei dieser (R)evolution der Mensch? Diese Entwicklungen führen dazu, dass der Facharbeiter heutzutage, von körperlicher Arbeit entlastet, zum „Dirigenten“ von Cyberphysikalischen Systemen aufsteigt. Es werden zur Steuerung, Überwachung, Kontrolle und Datenanalyse gut ausgebildete bzw. fortgebildete Facharbeiter gebraucht. So schafft der industrielle Wandel neue Berufsbilder auch in der Logistik und Produktion. Der Facharbeiter, der in einem Leitstand vor Monitoren sitzt, wird von schwerer körperlicher Arbeit befreit, muss sich aber in Sachen IT und betriebliche Logistik- bzw. Produktions-Anwendungen weiterbilden (lassen). Diese Weiterbildung wiederum führt zu einem Bedarf an Trainern, Lehrern und Dozenten, die die erforderlichen Schulungen durchführen.

Dezentrales taktisches und operatives Management

In der smarten Fabrik wandelt sich auch das Management. Wandlungsbedarf in logistischen Prozessen muss schnell erkannt, geplant und umgesetzt werden. Dezentrale Steuerungssysteme können hier die Komplexität reduzieren. Das Management gibt die Leitlinien und Entscheidungskorridore für die dezentrale Steuerung vor. Man spricht von einer Entwicklung von der Selbststeuerung hin zur Selbstgestaltung.

Ein hoher Entwicklungsstand in diesem Bereich ist ein großer Wettbewerbsvorteil. Ganz wesentlich ist hier das benötigte Know-how und damit die Skills der Mitarbeiter. Mit der Dezentralisierung von Supply Chains entstehen autonome „Wertschöpfungsinseln“. Im Zuge davon müssen zentrale Prozesse, Strukturen und Ressourcen der Planung aufgebrochen werden, um dezentral und agil Entscheidungen treffen zu können. Es braucht dezentrale Managementansätze für Selbststeuerung und Selbstorganisation von Produktion und Logistik sowohl für Großunternehmen als auch für kleine und mittlere Unternehmen. Das Management muss vom herkömmlichen „Ressort-Denken“ zur Prozessorientierung umgebaut werden. Entscheidungen verlagern sich vom Top-Management hin zum taktischen und operativen Management.

Abschließend lässt sich sagen: Die Entwicklung hin zur Smart Factory, die vierte industrielle Revolution, steht erst an ihrem Anfang. Ihr Ziel lässt sich schon absehen: Sich selbst steuernde Cyberphysikalische Systeme, die von einem dezentralen taktischen und operativen Management gestaltet und von speziell aus- oder weitergebildetem Fachpersonal überwacht werden.


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