Industriespionage im digitalen Zeitalter

Spätestens seit der weltweiten Etablierung des Internets, welche etwa im Jahre 1994 erfolgte, ist das sogenannte digitale Zeitalter angebrochen. Wer jedoch glaubt, dass in Zeiten des berühmten papierlosen Büros die Wirtschafts- und Industriespionage ausgedient hat, der irrt sich gründlich! Vernetzung, Digitalisierung und virtuelle Welten bieten nämlich Industriespionen eine vollkommen neue Plattform.


Datendiebstahl betrifft heute jedes zweite Unternehmen

Wer den Datenschutzbericht studiert, der spürt förmlich das Erschrecken des Verfassers, denn der digitale Datenklau betrifft heute in der Praxis jedes zweite Unternehmen. War es früher noch relativ problematisch und langwierig auf Papier archivierte Daten abzuschreiben oder zu fotografieren, um sie dann mühsam aus dem Unternehmen zu schaffen, so brauchen Hacker heute die betreffenden Firmen, welche sie prellen wollen, meist nicht einmal mehr zu betreten. Bequem von zu Hause aus erspähen sie die Schwachstellen im entsprechenden Datenverkehr, um dann genau dort anzusetzen und von den fließenden Datenströmen zu partizipieren, ohne dass es jemand merkt. Viren und Trojaner, die per E-Mail und als harmlose Anhänge getarnt, an die entsprechenden Unternehmungen verschickt werden, tun dabei ein Übriges. Nie war es für Datendiebe so leicht wie heute, in Zeiten der digitalen Wirtschaft, an die gesuchten Daten heranzukommen und diese oftmals unbemerkt zu stehlen.

Missbrauch von Kundendaten

Zwar stehen noch immer, auch heute in der digitalen Wirtschaft, Patente, Produktionsverfahren und Mixturen hoch im Kurs von Datendieben, doch meist haben Letztgenannte ganz andere Objekte im Visier. Gerade in der Dienstleistungsbrache, so bei Sparkassen, Banken, Versicherungen und Finanzdienstleistern, aber auch bei Krankenkassen und Telekommunikationsunternehmen, sind die Daten Tausender und aber Tausender Kunden archiviert. Diese beinhalten meist nicht nur Namen, Adressen, Telefonnummern und E-Mail-Accounts, sondern vor allem auch die jeweiligen Bankverbindungen der betreffenden Personen. Für Datendiebe sind solche Adressbestände wahres Geld wert. Sie ermöglichen es nämlich nicht nur, den betreffenden Kunden Angebote zu unterbreiten, nicht selten werden die Bankdaten auch dazu genutzt, um Abbuchungen von kleineren Summen vorzunehmen. Diese Kleinstbeträge werden von den geprellten Kunden oft nicht bemerkt und daher auch nur selten hinterfragt und reklamiert. Für einen Datendieb aber, der illegale Abbuchungen im großen Umfang praktiziert, lassen sich damit Millionen verdienen. Und sind die gestohlenen Gelder erst einmal ins Ausland transferiert, so ist es für die Geprellten oft unmöglich, Rückbuchungen vornehmen zu lassen. Kein Wunder also, dass diese Kundendaten die begehrtesten Objekte bei Datendieben sind.

Diebstahl von Datenträgern

Als häufigstes Delikt wird im Datenschutzbericht jedoch der Diebstahl von Datenträgern ausgewiesen. Moderne Datenträger, ob nun USB-Sticks oder DVDs, sind heute in der Lage, immense Datenmengen zu speichern und erweisen sich als so unscheinbar, dass sie in praktisch jeder Tasche verschwinden können, ohne dabei Aufsehen zu erregen. Auch lassen sie sich schnell kopieren, ohne dass der Schaden offenkundig wird. Die Unternehmen reagieren entsprechend, indem Sicherheitsrichtlinien erarbeitet werden, welche den Umgang mit betrieblichen Datenträgern regeln und Zugangs- und Zugriffsrechte explizit festlegen und verbindlich definieren. Eine hundertprozentige Sicherheit gewähren jedoch auch solche betrieblichen IT-Sicherheitsrichtlinien noch nicht. Zumal dann nicht, wenn nämlich die eigenen Mitarbeiter eines Unternehmens zu Tätern werden und den entsprechenden Angriff auf die Datenvolumina initiieren. Das Amt des betrieblichen Datenschutzbeauftragten sollte daher keinesfalls als eine Art von Alibifunktion verstanden werden, sondern stattdessen als eine reale Chance, um Wirtschaftsspionage und Datenklau möglichst Einhalt zu gebieten.


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