Konflikte zwischen Kollegen: So werden Sie zum Streitschlichter

Streiten kann jeder, doch nur die wenigsten beherrschen eine Konfliktbewältigung, die als ideal bezeichnet werden kann.


Da, wo unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Meinungen aufeinandertreffen, wird es früher oder später immer zu Konflikten kommen. Was meist in einer hitzigen Diskussion gipfelt, kann hin und wieder jedoch auch ausarten. Offene Streitereien zwischen Kollegen sind zwar äußerst unangenehm (auch für Unbeteiligte), aber auch nicht immer zu umgehen. Wer seinen Frust stets nur runter schluckt, verhindert vielleicht kleinere Auseinandersetzungen, wird aber irgendwann sprichwörtlich explodieren.

Wenn zwei sich streiten…

...freut sich garantiert nicht der Dritte. Zumindest nicht, wenn der Konflikt im Büro ausgetragen wird. Meinungsverschiedenheiten und offenkundige Antipathie sind selten Angelegenheiten, die nur zwischen zwei Personen stattfinden. Gerade in Großraumbüros ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch Unbeteiligte involviert sind und vom Konflikt der Kollegen beeinflusst werden. Ist dies der Fall, gibt es grundsätzlich zwei mögliche Reaktionen:

  • Sie gehen in Deckung und hoffen, dass die beiden Streithähne den Konflikt unter sich ausmachen
  • Sie nehmen die Rolle des Streitschlichters ein und versuchen, die Situation zu deeskalieren

Variante Nummer 1 ist sicherlich der Weg des geringsten Widerstandes – zumindest für eine gewisse Zeit. Denn wenn sich der Streit zwischen zwei Kollegen immer weiter hochschaukelt und von keiner außenstehenden Person geschlichtet wird, hat das nachhaltige Auswirkungen auf das allgemeine Betriebsklima. Um die kühle Stimmung zu vermeiden, ist es daher besser, die Rolle des Streitschlichters einzunehmen – auch wenn das für Sie bedeutet, vielleicht auch in den Konflikt hineingezogen zu werden.

So schlichten Sie Streit zwischen Kollegen

Schritt #1: Die Konfliktsituation identifizieren

Streit hat viele Gesichter. Nicht immer ist dieses laut und aggressiv. Es kann durchaus auch sein, dass zwei Kollegen einen unterschwelligen Groll gegeneinander hegen und dieser nicht immer gleich erkennbar ist. Besonders feinfühlige und empathische Menschen haben es oft leichter, Konfliktsituationen zu identifizieren. Sie eignen sich deswegen auch besonders gut als Streitschlichter. Empathie und Feingefühl sorgen nämlich dafür, dass man sich besser in die unterschiedlichen Lagen versetzen und zwischen den Parteien vermitteln kann.

Interessanterweise sind Konflikte, die man anhand der ausgesprochenen Worte sofort erkennt, meist leichter aus der Welt zu schaffen. Oftmals handelt es sich hierbei nur um das Hochschaukeln von Emotionen mit dem anschließenden Ablassen von Druck. Hat jeder Beteiligte erst einmal alles gesagt, was ihm auf dem Herzen lag, entspannt sich die Situation meist schnell. Weitaus komplizierter sind unterschwellige Konflikte wie Mobbing, Ausgrenzung und nonverbale Anfeindungen. Hier staut sich meist viel mehr an.

Schritt #2: Einmischen – wenn es notwendig ist

Werden Meinungsverschiedenheiten auf einer sachlichen und professionellen Ebene ausdiskutiert, ist es nicht notwendig, sich einzumischen. Das ändert sich jedoch schnell, wenn einer der Streithähne (oder auch beide) beispielsweise ausfällig wird, verbal angreift und/oder die sachliche Argumentationsebene verlässt. Auch Streitereien, die das komplette Team beeinflussen (vor allem aufgrund der Lautstärke) dürfen nicht einfach sich selbst überlassen werden. Dann ist es besser, wenn sich ein Dritter in das Streitgespräch einmischt und versucht, zu schlichten.

Schritt #3: Auf Fehlverhalten am Arbeitsplatz hinweisen

Dass wir Menschen uns streiten ist normal – aber auch extrem unproduktiv. Streithähne, die nicht nur die Konzentration der anderen Mitarbeiter stören, sondern auch selbst ihre Aufgaben vernachlässigen, sollten auf dieses Fehlverhalten hingewiesen werden. Tun Sie dies in einem ruhigen, jedoch deutlichen Tonfall. Außerdem ist es ein guter Moment, um nochmals darauf hinzuweisen, dass das Miteinander unter Kollegen stets von gegenseitigem Respekt geprägt sein sollte.

Schritt #4: Die Rolle des Moderators einnehmen

Wenn Sie merken, dass sich die am Streit beteiligten Parteien nicht von allein einigen können, ist es Ihre Aufgabe, als eine Art Moderator zu fungieren. Lassen Sie jeden zu Wort kommen und fassen Sie dessen Standpunkte hinterher noch einmal objektiv zusammen. Achten Sie darauf, das keiner dem anderen ins Wort fällt. Verhalten Sie sich stets neutral, auch wenn Sie vielleicht auf der Seite einer Streitpartei stehen. Weiterhin ist es hilfreich, wenn Sie jedem die Möglichkeit geben, zu sagen, was genau ihn gerade stört und verärgert. Diese Punkte sollten unbedingt und zu einem späteren Zeitpunkt – beispielsweise am nächsten Tag – besprochen werden.

Schritt #5: Das Schlicht-Gespräch

Direkt nach einer hitzigen Auseinandersetzung lassen sich die wenigsten Konflikte beseitigen. Indem Sie eine zeitliche Distanz schaffen, kann sich jeder „abkühlen“ und zurück auf die sachliche Ebene finden. Im Schlicht-Gespräch geht es darum, alle Konfliktpunkte noch einmal zu nennen und Schritt für Schritt einen Kompromiss zu finden, mit dem alle Beteiligten leben können. Hierbei ist es am wichtigsten, sich Zeit zu lassen. Konflikte, die sich über Wochen oder gar Monate aufgebaut haben, lassen sich nicht innerhalb weniger Minuten aus der Welt schaffen. Hier ist auch die Akzeptanz der Arbeitgeber gefragt, die ihren Angestellten die nötige Zeit einräumen müssen.


Bildquelle: Nikolay Klimenko/Shutterstock

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Jessika Fichtel

Jessika Fichtel

Als studierte Journalistin versteht es Jessika genau, Informationen und Hintergrundwissen auf den Punkt zu präsentieren. Die Erfurterin arbeitet als freiberufliche Online-Redakteurin und hat sich auf die Bereiche Job und Karriere spezialisiert. Ihr Steckenpferd ist das Thema „digitales Arbeiten“, denn damit setzt sich die Freelancerin tagtäglich auseinander.