Probearbeit: Eine echte Chance auf den Job?

Probearbeiten ist mittlerweile in fast allen Branchen üblich und bringt Arbeitnehmern und -gebern wertvolle Erkenntnisse. Doch was versteht man eigentlich unter Probearbeit und welche rechtlichen Grundlagen gelten? Und ist die Probearbeit eine echte Chance oder werden Arbeitnehmer lediglich ausgenutzt?


Probearbeit: Was ist das?

Probearbeit ist nicht mit der Probezeit zu verwechseln. Erstere geht der Probezeit voraus. Bei der Probearbeit handelt es sich vielmehr um einen, manchmal auch zwei bis fünf "Schnuppertage",  während denen sich beide Seiten — Arbeitnehmer und Arbeitgeber — gegenseitig besser kennenlernen können. Dabei unterstehen Sie nicht dem Direktionsrecht des Arbeitgebers und müssen auch keine Arbeitsleitungen erbringen oder sich an konkrete Arbeitszeiten halten. Vielmehr dient die Probearbeit dazu, Sie durch den Betrieb zu führen, die ersten möglichen Kollegen kennenzulernen oder Mitarbeitern über die Schulter zu schauen. Dadurch erhalten Sie wichtige Einblicke in Ihr eventuell zukünftiges Arbeitsumfeld und die betrieblichen Abläufe und können für sich selbst herausfinden, ob sich das Unternehmen tatsächlich als Arbeitgeber für Sie eignet. Auf der anderen Seite hat auch der Arbeitgeber die Möglichkeit zu beurteilen, wie es um Ihre Arbeitsmoral gestellt ist und ob Sie das Team ergänzen.

Bezahlung während der Probearbeit?

Grundsätzlich muss Ihre Arbeitsleistung entlohnt werden. Allerdings werden Probetage im Unternehmen, die lediglich als Einführungsverhältnis zu verstehen sind und somit keine Arbeitsleistung voraussetzen, in der Regel nicht vergütet. Es sei denn, beide Seiten haben im Vorfeld eine andere Vereinbarung getroffen.

Besondere Vorsicht ist jedoch geboten, wenn sich die Probearbeit über mehrere Tage oder sogar Wochen erstreckt. Probearbeiter als Urlaubsvertretungen, günstige Aushilfen oder Arbeitnehmer für niedere Arbeiten — in der Vergangenheit haben leider immer wieder Unternehmen Probearbeiter als Kosten-Kraft ausgenutzt. Wenn Ihnen ein Angebot zur Arbeit auf Probe gemacht wird, stellen Sie sich unbedingt die Frage: Ist die Probearbeit eine echte Chance für mich oder werde ich lediglich ausgenutzt?

Folgende Kennzeichnen signalisieren Ihnen zudem, ob das Angebot zur Probearbeit vermutlich unseriös ist:

  • die Einladung zur Probearbeit findet bereits vor dem eigentlichen Bewerbungsprozess statt, also noch bevor Sie beispielsweise sich bei einem Bewerbungsgespräch vorgestellt haben
  • Sie haben keinen speziellen Probearbeitsvertrag erhalten
  • der Arbeitgeber bereitet die Probearbeit mit Ihnen weder vor noch nach
  • die Probearbeit soll mehr als drei bis fünf Tage dauern
  • Sie sollen von Beginn an wertschöpfend mitarbeiten

Soll die Probearbeit dennoch mehrere Wochen oder gar Monate andauern und Sie sollen in dieser Zeit aktiv im Unternehmen mitarbeiten, empfiehlt es sich, ein befristetes Probearbeitsverhältnis mit entsprechender Vergütung zu vereinbaren.

Arbeit auf Probe trotz Job?

Sie stehen noch in einem Beschäftigungsverhältnis und wurden zur Probearbeit eingeladen? Dann ist besondere Vorsicht geboten! "Während eines bestehenden Arbeitsverhältnisses darf der Arbeitnehmer seinem Arbeitgeber keine Konkurrenz machen oder bei einem Wettbewerber tätig sein", stellt Stefan Kramer, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht in Hannover, klar. "Das ist ein Grund zur fristlosen Kündigung.Auch Urlaubstage für die Probearbeit bei einem neuen Unternehmen zu nutzen, ist alles andere als ratsam, denn Ihr aktueller Arbeitgeber zahlt schließlich für Ihre Entlohnung.

Probearbeitstag: Überzeugen Sie auf ganzer Linie!

Durch die aufmerksame Beobachtung Ihrer künftigen Kollegen und deren Arbeitsweise werden Sie sich ein eigenes Bild von den Arbeitsbedingungen im Unternehmen im Laufe des Tages vermutlich weitgehend problemlos machen können. Um auf ganzer Linie zu überzeigen und sich den Arbeitsplatz zu sichern, müssen Sie jedoch eine Gratwanderung zwischen selbstbewusstem Auftreten, Lernbereitschaft und Kollegialität meistern.

Diese Tipps helfen Ihnen, den Probearbeitstag erfolgreich zu bestehen:

  1. Erscheinen Sie pünktlich, ausgeschlafen und fit zum Probearbeiten.
  2. Achten Sie auf Ihr äußeres Erscheinungsbild.
  3. Machen Sie einen höflichen und freundlichen Eindruck.
  4. Zeigen Sie Interesse und Engagement.
  5. Hören Sie genau zu, wenn Ihnen etwas erklärt wird und fragen Sie nach, wenn etwas unklar ist.
  6. Treten Sie selbstbewusst auf und machen Sie gleichzeitig deutlich, dass Sie lernbereit sind.
  7. Zeigen Sie Ihre Stärken und Kompetenzen, ohne dabei zu arrogant oder überheblich zu wirken.

Bildquelle: Pressmaster/Shutterstock

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Alina Giannone

Alina Giannone

Nach dem Studium der Germanistik sammelte Alina Erfahrungen im Online-Journalismus in der Berliner Start-Up-Szene. Als Autorin bei Instaffo widmet sie sich nun zahlreichen Bereichen rund um das Thema Karriere – vom Jobwechsel über den Büroalltag bis hin zu aktuellen Trends.

Schlagwörter: Beruf, Berufsleben, Job, Probearbeit