Talent oder Fleiß? Lässt sich Erfolg wirklich trainieren?

Die 10.000-Stunden-Regel hat sich wie ein Lauffeuer verbreitet. Die Behauptung lautet: Fleiß ist wichtiger für Erfolg als Talent. Aber stimmt das wirklich?


Es ist eine nicht enden wollenden Diskussion: Die einen behaupten, ohne Talent könne ein Mensch in diesem Bereich – beispielsweise einer Sportart – keine Spitzenleistungen erbringen. Die anderen sind sich sicher, dass durch Fleiß alles möglich ist, Talent hin oder her. Und dann gibt es da noch die Dritten, die in den Raum werfen, dass weder Fleiß noch Talent alleinig für den Erfolg eines Menschen verantwortlich seien. Schließlich wären da auch noch die äußeren Umstände und schlichtweg etwas Glück, die uns erfolgreich werden lassen – oder eben nicht. Wir versuchen deshalb heute herauszufinden, was nun wirklich stimmt und was nicht.

Talent: Die Kraft der Genetik

Jeder Mensch hat Talente. Das ist Fakt. Nur sind sie eben bei jedem in anderen Bereichen angesiedelt und unterschiedlich stark ausgeprägt. Es gibt nicht viele Kinder auf der Welt, die bereits mit vier Jahren virtuos Piano spielen können oder singen wie ein Engel, bevor sie überhaupt sprechen gelernt haben. Das sind Ausnahmetalente, wie wir sie immer wieder im Fernsehen vorgezeigt bekommen. Doch auch, wenn Sie nicht zu diesen gehören, haben Sie dennoch mindestens ein Talent – garantiert. Vielleicht sind Sie besonders sportlich, musikalisch, empathisch oder kreativ. Eventuell lösen Sie mathematische Probleme im Handumdrehen oder sind im wahrsten Sinne des Wortes ein echtes Organisationstalent. Als Talent wird laut Wissenschaftlern also eine Fähigkeit beschrieben, die Sie von Geburt an besser können als der Durchschnitt. Schuld daran ist Ihre Genetik. Doch so mächtig diese auch sein mag, so umstritten ist ihre alleinige Verantwortung für die beschriebenen Ausnahmetalente. Selbst Mozart nahm nämlich nicht die Geige zur Hand und spielte einfach los. Er übte. Stunde um Stunde. Jahr um Jahr. Wieso? Weil er von seinem ehrgeizigen Vater dazu ermutigt – oder besser gesagt gezwungen – wurde.

Ist Übung also wichtiger als Talent?

War Mozart also wirklich so begabt oder war es nicht eher die Übung von frühestens Kindheitstagen an, die ihn zu einem solch außergewöhnlichen Komponisten werden ließ? Im Jahr 1994 machte die sogenannte 10.000-Stunden-Regel erstmals Schlagzeilen. Der US-amerikanische Psychologe Anders Ericsson behauptete, jeder Mensch müsse „nur“ 10.000 Stunden üben, um in einer Sache Höchstleistungen zu erbringen. Seine These lautet demnach: Wenn Sie 10.000 Stunden üben, sind Sie ebenso „talentiert“ wie Mozart. Sie können wahlweise aber auch Spitzensportler werden oder Informatik-Spezialist – wonach auch immer Ihnen der Sinn steht und völlig unabhängig davon, ob Sie in diesem Bereich talentiert sind oder nicht. Das erinnert irgendwie an die „vom Tellerwäscher zum Millionär“-Mentalität, die in den USA so weit verbreitet ist. Wer nur hart genug arbeitet, kann alles erreichen. Richtig?

Was hat Glück mit der ganzen Sache zu tun?

Falsch! Leider kann das nicht in dieser Form pauschalisiert werden. Sonst gäbe es in den USA wohl weniger Armut, keine Obdachlosen und eine geringere Kriminalitätsrate. Denn jene Menschen ohne Geld und vor allem ohne Perspektive sind gewiss nicht einfach alle faul. Die äußeren Umstände, die richtigen Kontakte, Ihre Ausgangssituation sowie ein Funken Glück gehören zum Erfolg eben auch stets hinzu. Glück ist auch in Ihrer Karriere ein wichtiger Erfolgsfaktor, der leider häufig ausgeblendet wird. Klar, der Gedanke daran, dass Ihr Erfolg von Glück oder Pech abhängt, ist auch irgendwie unangenehm, oder?

Was ist nun also wichtiger: Fleiß oder Talent?

Doch lassen Sie uns diese Faktoren einmal ausblenden und uns mit der Frage beschäftigen, was denn nun wirklich wichtiger für Ihren Erfolg ist: Talent oder Fleiß? Wichtige Hinweise auf die Antwort geben Zwillingsstudien. Sowohl Nancy Pederson (Stockholm) als auch Zach Hambrick (Michigan) fanden in ihren voneinander unabhängigen Zwillingsstudien heraus:

  • Musikalität ist ein angeborenes Talent.
  • Der „untalentierte“ Zwilling kann dies nicht durch Übung wettmachen.
  • Der Trainingseffekt macht bei Musik nur etwa 21 Prozent aus.
  • Beim Schach sind es 26 Prozent und beim Sport nur 18 Prozent.
  • Zudem ist die Disziplin, welche es für 10.000 Stunden Training braucht, ebenfalls angeboren – quasi ein „Talent“.

So gerne wir also daran glauben würden, dass durch harte Arbeit alles möglich ist und jeder von uns Musiker, Ballerina, Spitzensportler oder eben auch Top-Manager werden kann, müssen wir Sie an dieser Stelle leider enttäuschen. Zwar können Sie durch Übung gut werden und durch 10.000 Stunden Übung überdurchschnittlich gut, doch ein Mensch mit Talent wird stets besser sein oder mit weniger Aufwand dieselben Ergebnisse erzielen. Die Antwort auf die Frage lautet daher: Talent ist wichtiger, denn Fleiß selbst ist sein Talent.

Oder widersprechen Sie uns an dieser Stelle? Welcher ist Ihrer Erfahrung nach der wichtigere Erfolgsfaktor? Kennen Sie vielleicht weitere Studien zum Thema? Diskutieren Sie gerne in den Kommentaren mit uns!


Bildquelle: GaudiLab/Shutterstock

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Schlagwörter: Job, Erfolg, Fleiß, Talent