Weihnachtsgeld: Wer bekommt es?

Knapp jeder zweite Beschäftigte in Deutschland bekommt zum Jahresende Weihnachtsgeld ausgezahlt. Was viele nicht wissen: Wer einmal in den Genuss gekommen ist, hat gute Chancen, einen dauerhaften Anspruch zu erhalten. 


Für viele Arbeitnehmer ist es eine verlässliche Einnahmequelle, andere Arbeitnehmer erhalten es nicht - das Weihnachtsgeld. Denn ein Rechtsanspruch besteht grundsätzlich nicht. Doch was ist, wenn man die Finanzspritze passend zu Weihnachten jahrelang erhalten hat. Darf der Chef das Weihnachtsgeld kurzfristig streichen? Wir klären die wichtigsten Fragen.

Weihnachtsgeld - was ist das?

Das Weihnachtsgeld ist eine zusätzliche zum regulären Lohn gewährte Gratifikation des Arbeitgebers an den Arbeitnehmer. Dabei kann es sich entweder um einen Pauschalbetrag handeln oder die Höhe ist prozentual abhängig vom Monatslohn. Die Bezeichnung "Weihnachtsgeld" ergibt sich dabei zum einen aus dem Zeitpunkt der Zahlung, in der Regel wird das Weihnachtsgeld mit dem Novembergehalt ausgezahlt, und zum anderen sollte die Zahlung ursprünglich zum Kauf von Geschenken und einem besseren Gelingen des Festes beitragen. Heutzutage erfüllt die Zahlung oftmals die Funktion einer zusätzlichen Motivation oder einer Zusatzbelohnung der erbrachten Arbeitsleistung in dem jeweiligen Jahr.

Grundsätzlich ist der Arbeitgeber dazu verpflichtet, alle Angestellten eines Unternehmens bei der Zahlung von Weihnachtsgeld in gleichem Maße zu behandeln. Liegen sachgemäße Gründe (z.B. Dauer der Betriebszugehörigkeit, lange Fehlzeiten, Erreichen von Zielvorgaben) vor, können bestimmte Arbeitnehmer allerdings einen abweichenden Betrag erhalten. Auch ein grundsätzlicher Ausschluss von bestimmten Gruppen ist möglich, beispielsweise bei Mitarbeitern im Erziehungsurlaub. Dahingegen stellt die Ungleichbehandlung aufgrund des Geschlechtes, der Art des Beschäftigungsverhältnisses oder aus Willkür eine Diskriminierung dar und gilt als nicht zulässig.

Wer bekommt Weihnachtsgeld?

Eine Online-Umfrage der Hans-Böckler-Stiftung unter rund 8.800 Beschäftigten hat ergeben, dass rund 54 Prozent der Arbeitnehmer Weihnachtsgeld erhalten. Dabei gibt es Unterschiede im Hinblick auf Geschelcht, Region und Tarifbindung:

  • In den alten Bundesländern bekommen 56 Prozent der Beschäftigten Weihnachtsgeld, in den neuen Bundesländern nur 40 Prozent.
  • 56 Prozent der Männer erhalten Weihnachtsgeld, aber nur 50 Prozent der Frauen.
  • 55 Prozent der Beschäftigten mit einem unbefristeten Arbeitsvertrag bekommen zu Weihnachten eine Sonderzahlung, befristet Beschäftigte nur zu 45 Prozent.
  • 72 Prozent der Beschäftigten mit Tarifbindung erhalten das Extra-Gehalt, bei Beschäftigten ohne Tarifbindung sind es lediglich 42 Prozent.
  • Beschäftigte in Leiharbeit erhalten zu 49 Prozent ein Weihnachtsgeld.
  • 66 Prozent der Gewerkschaftsmitglieder erhalten Weihnachtsgeld, Nichtmitglieder dagegen nur zu 51 Prozent.

Die höchsten Sonderzahlungen erhalten Beschäftigte im Bankgewerbe, in der Süßwarenindustrie, in der Chemieindustrie, in der Druckindustrie sowie in der Textilindustrie (Westfalen) - 95 bis 100 Prozent eines Monatseinkommens. Es folgen unter anderem die Bereiche Versicherungen (80 Prozent), Einzelhandel (West: vorwiegend 62,5 Prozent) sowie Metallindustrie (überwiegend 55 Prozent). Im Öffentlichen Dienst (Gemeinden, West) beträgt das Weihnachtsgeld je nach Vergütungsgruppe zwischen 60 und 90 Prozent.

Hat jeder Arbeitnehmer Anspruch auf Weihnachtsgeld?

Grundsätzlich haben deutsche Arbeitnehmer ohne besondere rechtliche Grundlage keinen Anspruch auf die Zahlung eines Weihnachtsgeldes.

Allerding kann sich der Anspruch auf Zahlung eines Weihnachtsgeldes aufgrund der "betrieblichen Übung" ergeben, die zu den Gewohnheitsrechten zählt und gilt, wenn den Arbeitgeber über einen Zeitraum von mindestens drei Jahren seinen Angestellten (oder allen Arbeitnehmern einer bestimmten Gruppe oder Abteilung) Weihnachtsgeld gezahlt hat, ohne die Freiwilligkeit der Leisung ausdrücklich, schriftlich und eindeutig zu äußern. Die Zahlung des Weihnachtsgeldes kann jedoch zurückgenommen werden, indem der Arbeitgeber die Änderung über drei Jahre hinweg schriftlich zusammen mit der Zahlung ankündigt, alleridngs nur, wenn Arbeitnehmer dieser zustimmen. Ebenso können jederzeit zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer individuelle Vereinbarungen üder die Zahlung oder Nichtzahlung des Weihnachtsgeldes getroffen werden.

Zudem kann sich aus dem arbeitsrechtlichen Gleichbehandlungsgesetz ein Anspruch auf Zahlung des Weihnachtsgeldes ergeben: Erhalten alle Arbeitnehmer bzw. alle Arbeitnehmer einer bestimmten Gruppe eine Sonderzahlung zu Weihnachten, darf ein einzelner, mit den begünstigten Arbeitnehmern vergleichbarer Arbeitnehmer nicht ohne sachliche Gründe von der Weihnachtsgeldzahlung ausgenommen werden.


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Alina Giannone

Alina Giannone

Nach dem Studium der Germanistik sammelte Alina Erfahrungen im Online-Journalismus in der Berliner Start-Up-Szene. Als Autorin bei Instaffo widmet sie sich nun zahlreichen Bereichen rund um das Thema Karriere – vom Jobwechsel über den Büroalltag bis hin zu aktuellen Trends.

Schlagwörter: Gehalt, Weihnachtsgeld