Weniger ist mehr: Wie zeitgemäß ist die 40-Stunden-Woche?

Laut Statistischem Bundesamt arbeiteten Vollzeitbeschäftigte in Deutschland 2014 durchschnittlich 41,5 Stunden pro Woche. Viel zu viel, wenn es nach Experten geht. Denn laut denen ist die 40-Stunden-Woche längst überholt. Ob 6-Stunden-Tag oder der Freitag als Frei-Tag - wir zeigen, warum immer mehr Arbeitgeber auf neue Arbeitsmodelle setzen. 


Im schwedischen Göteborg hat sich bereits der Gedanke durchgesetzt, dass eine Acht-Stunden-Woche nicht mehr zeitgemäß ist. Seit Anfang 2015 hat das Pflegepersonal in einem Heim nach sechs Stunden Feierabend.

Einem Bericht der Washington Post zufolge versucht sich nun auch der amerikanische Online-Versandhändler Amazon an einer 30-Stunden-Woche. In einem Experiment will Amazon komplette Teams inklusive Manager in Teilzeit arbeiten lassen - 30 Stunden pro Woche bei vollem Gehalt. Der Grund: Der Onlienhändler habe realisiert, "dass die traditionelle Vollzeitarbeit kein 'One size fits all'-Modell" sei.

Das Grazer Start-up und XING New Work Award Gewinner Bike Citizens geht sogar soweit und schenkt seinen Mitarbeitern den Freitag als freien Tag.

Alle drei Modelle verfolgen dabei ein Ziel: effizientere, glücklichere Mitarbeiter, weniger Krankheitstage und eine Steigerung der Produktivität. Ein Modell mit Erfolg!

Weniger Arbeit bei gleichem Gehalt - das spricht dafür

1. Effizienter Arbeiten
Wer länger arbeitet, arbeitet nicht automatisch besser. Zu diesem Ergebnis kommt der Ökonom John Pancavel von der Standford University in seiner Studie The Productivity of Working Hours und unterstützt dabei die Hypothese zahlreicher Studien, dass kürzeres, aber fokussierteres Arbeiten zu mehr Effektivität führt. Dies zeigt sich besonders bei der Generation 40+, hier liegt das optimale Arbeitspensum bei 25 Stunden pro Woche. Verzichtet man  während der Arbeitszeit auf Facebook, Twitter und Co. und lässt den Pausen-Tratsch weg, ist gleiche Leistung bei weniger Zeit keine Utopie.

2. Bessere Work-Life-Balance
Wer kennt das nicht: Kaum hat man sich so richtig auf das Wochenende eingestimmt, ist auch schon wieder Montag. Und sowieso, das Wochenende ist immer viel zu kurz. Dieser Ansicht sind auch Experten. Für sie sind zwei Tage schlicht und einfach zu wenig, um sich von einer anstrengenden Woche zu erholen. Wer 9 to 5 arbeitet, schiebt den täglich anfallenden Kleinkram auf das Wochenende, wo dann der geballte Berg an Aufgaben auf einen wartet. Kürzere Arbeitstage oder längere Wochenende würden hier Abhilfe schaffen und ein besseres Gleichgewicht der Work-Life-Blance generieren.

3. Weniger Krankheitstage
Wer mehr Freizeit hat, kann sich folglich auch mehr erholen. Dies wirkt sich positiv auf die Psyche der Arbeitnehmer aus. Weniger Krankheitstage und auf längere Sicht geringere Kosten sind die Folgen.

4. Glückliche Mitarbeiter
Weniger Arbeitszeit wirkt sich positiv auf das Wohlbefinden der Arbeitnehmer aus. Und glückliche Mitarbeiter sind schließlich loyale Mitarbeiter. Dieser Aspekt ist besonders in Zeiten des Fachkräftemangels nicht außer Acht zu lassen. Schließlich geht mit jedem Mitarbeiterwechsel wertvolles Know-how verloren. Produktivitäts-Einbußen inklusive.

5. Geringere Arbeitslosenquote
Tatsächlich wirkt sich eine geringere Arbeitszeit auch positiv auf die Arbeitslosenquote aus. Denn während es durch neue Arbeitszeitmodelle zu einer Umverteilung der Arbeit kommt, bei der kürzere Arbeitszeiten für den Einzelnen entstehen, entsteht auch gleichzeitig mehr Arbeit für alle. Das würde laut Expertenmeinungen für mehr Gerechtigkeit sorgen.

Sind Sie der Meinung, dass die 40-Stunden-Woche in Deutschland längst überholt ist? Diskutieren Sie mit!


Bildquelle: Wayne0216/Shutterstock

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Alina Giannone

Alina Giannone

Nach dem Studium der Germanistik sammelte Alina Erfahrungen im Online-Journalismus in der Berliner Start-Up-Szene. Als Autorin bei Instaffo widmet sie sich nun zahlreichen Bereichen rund um das Thema Karriere – vom Jobwechsel über den Büroalltag bis hin zu aktuellen Trends.