6 Eigenschaften, die eine gute Führungskraft ausmachen

Träumen Sie von einer Führungsposition oder haben Sie eine solche bereits inne, aber möchten wissen, ob Sie eine „gute“ Führungskraft sind? Wir verraten Ihnen, was „gute“ Führung wirklich ausmacht.

Viele Arbeitnehmer in Deutschland streben nach einer Führungsposition. Sie stellt meist den nächsten logischen Schritt auf der Karriereleiter dar und damit den scheinbar einzigen Weg zur mehr Verantwortung und einem höheren Einkommen. Das ist aber in der Realität nicht der Fall: Auch als spezialisierte Fachkraft können Sie zum Beispiel ein überdurchschnittliches Gehalt beziehen und spannende Aufgabenfelder übernehmen, ohne dabei andere Mitarbeiter zu „führen“. Es ist daher an der Zeit, dass wir in Deutschland damit aufhören, in vertikalen Hierarchien zu denken. Die Führungsposition sollte nicht das Allgemeinziel für jeden Arbeitnehmer darstellen, der nach der Sachbearbeiterstelle die Stagnation seiner Karriere befürchtet.

Führung sollte aus Leidenschaft entstehen, nicht aus Karrieregeilheit

Stattdessen gilt es, Unternehmen horizontal auszurichten, den Mitarbeitern Perspektiven ohne Führungsverantwortung zu bieten und dadurch nur jene Angestellte in eine entsprechende Führungsposition zu versetzen, die auch tatsächlich über die notwendigen Skills verfügen. Aktuell gibt es flächendeckend leider nur wenige wirklich „gute“ Fachkräfte. Sie mögen zwar fachlich top sein, doch mangelt es ihnen nicht selten an anderen, für ihre Führungsverantwortung deutlich wichtigeren, Kompetenzen. Was also macht eine „gute“ Führungskraft im Endeffekt aus?

1. Vertrauen statt Mikromanagement: Viele Führungskräfte sind so stolz auf ihre neue „wichtige“ Aufgabe, dass sie alles perfekt machen möchten. Sie fühlen sich für jeden noch so kleinen Vorgang in ihrem Team verantwortlich und verfallen in Mikromanagement. Gute Führung setzt hingegen auf Vertrauen. Sie müssen Ihren Mitarbeitern Freiräume geben und Eigenverantwortung übertragen, um alle Beteiligten zu motivieren sowie langfristig zu entlasten.

2. Anerkennung statt Kritik: Gestresst vom Mikromanagement und dem Druck von oben übertragen viele Führungskräfte eine schlechte Stimmung an ihr Team. Sie verbreiten Hektik und ständige Kritik. Sie hoffen, durch stetiges Mäkeln ihre Mitarbeiter zu Höchstleistungen anspornen zu können. Leider wird das Gegenteil der Fall ein. Natürlich gehört auch Kritik zum Berufsalltag, doch sollten Lob sowie Anerkennung überwiegen. Nur Mitarbeiter, die sich wertgeschätzt fühlen, werden auf Dauer loyal sowie motiviert sein.

3. Ergebnisorientierung statt Prozessorientierung: Eine gute Führungskraft verliert niemals das Ziel aus den Augen. Das bedeutet, dass Sie auch für alternative Lösungswege offen sind. Ohne Flexibilität schränken Sie sich schnell durch zu starre Strukturen ein und ersticken jede Kreativität und Innovation – zum Beispiel durch Ihre Mitarbeiter – im Keim. Geben Sie stattdessen das Ziel vor und gestatten Sie Ihren Teammitgliedern Freiräume bei der Gestaltung des „Weges“ zu diesem Ziel.

4. Förderung statt Überforderung: Eine gute Führungskraft bewegt sich im perfekten Maß aus Überforderung und Unterforderung ihrer Mitarbeiter. Ständige Langeweile und Perspektivlosigkeit führen dazu, dass Ihre besten Angestellten früher oder später kündigen – oder, schlimmer noch, krank werden. Selbiges passiert aber auch bei stetiger Überforderung. Entwickeln Sie daher ein feines Gespür dafür, wie die optimale individuelle Förderung für jeden Ihrer Mitarbeiter aussieht.

5. Natürliche statt erzwungene Autorität: Eine gute Führungskraft verfügt über Charisma, sprich eine Ausstrahlung, die ihre Mitarbeiter in den Bann zieht. Sie hat eine natürliche Autorität und wird vom Team respektiert, weil sie zum Beispiel fachlich ein Experte ist oder besonders empathisch auftritt. Resultiert die Autorität hingegen rein aus der Machtposition und der Angst der Mitarbeiter vor einer Kündigung, wird dieser Zustand nach und nach das Betriebsklima vergiften.

6. Gemeinsam statt einsam: Schlussendlich denk eine Führungskraft im „Wir“ statt im „Ich“. Leider weisen viele Führungspersönlichkeiten narzisstische Züge auf und handeln egoistisch. Nur ihre eigene Karriere im Blick, fahren sie ihre Ellenbogen aus und „opfern“ notfalls auch das Wohl ihrer Mitarbeiter für die eigenen Ziele. Eine Strategie, die zwar kurzfristig funktionieren mag, niemals aber langfristig. Gute Führungskräfte sind hingegen bescheiden, empathisch und haben stets das Wohl der Mitarbeiter sowie des gesamten Unternehmens im Blick.

 Mitarbeiter sollten sich also fragen, ob sie tatsächlich eine Führungsposition übernehmen möchten und über die notwendigen Eigenschaften verfügen – oder ob nicht eine andere Perspektive für ihre Karriere sinnvoller wäre. Und Arbeitgeber müssen endlich aufhören, bei Beförderungen nur auf Selbstdarsteller und Fachidioten zu setzen – um es drastisch auszudrücken – und stattdessen jene Mitarbeiter entlarven, die über wahre Führungskompetenzen verfügen. Das bedeutet nämlich weniger Konflikte im Team, motiviertere, produktivere sowie gesündere Mitarbeiter und alles in allem mehr wirtschaftlichen Erfolg.

Für wie wichtig halten Sie die genannten Eigenschaften bei Führungskräften? Nach welchen Kriterien würden Sie Führungspositionen in Ihrem eigenen Unternehmen vergeben? Wieso?


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