Abmahnungen: Womit setzt man seinen Job aufs Spiel?

Abmahnungen drohen immer dann, wenn ein Arbeitnehmer gegen die Regelungen im Arbeitsvertrag verstößt. Doch was bedeutet das eigentlich konkret?

Abmahnungen vom Chef werden gern als Warnschuss oder gelbe Karte bezeichnet. Sie bedeuten, dass man sich einen Fehltritt geleistet hat, der vom Arbeitgeber wahrgenommen wurde. Die allgemeine Annahme: Noch so einer und die Kündigung rückt in greifbare Nähe. Doch wofür kann man eigentlich als Arbeitnehmer abgemahnt werden? Mit welchen Faux Pas setzt man seinen Job aufs Spiel? Und muss man wirklich mehrere Male abgemahnt werde, ehe der Rausschmiss droht?

Verstoß gegen den Arbeitsvertrag = Abmahnung

Die Frage „Wofür kann man abgemahnt werden?“ kann eigentlich ziemlich einfach beantwortet werden. Sie müssen hierfür nur einen Blick in Ihren Arbeitsvertrag werfen und herausfiltern,

  • was von Ihnen verlangt wird
  • was Ihnen untersagt ist

Typische Gründe für eine Abmahnung sind demnach unter anderem:

  • mehrmaliges Zuspätkommen
  • privates Telefonieren und versenden privater E-Mails
  • privates Surfen im Internet (zum Beispiel auf Facebook und in Online-Shops)
  • unangemessener Umgang mit dem Vorgesetzten, mit Kollegen und/oder Kunden
  • Missachtung von Verboten (beispielsweise rauchen oder Alkoholkonsum)
  • unentschuldigtes Fehlen
  • Mobbing
  • Wiederholtes Beschädigen von (teuren) Arbeitsgeräten
  • Verweigerung der Arbeit

Halten wir also noch einmal fest: Wenn Sie sich fragen „Kann ich für XY abgemahnt werden?“, dann müssen Sie nur einen Blick in Ihren Arbeitsvertrag werfen und nach einem entsprechenden Paragraphen Ausschau halten. Wenn das Hören von Musik über Kopfhörer beispielsweise nicht ausdrücklich untersagt ist, können Sie hierfür auch keine Abmahnung erhalten.

Gründe für eine Abmahnung sind sehr individuell

Natürlich muss letztlich immer im Einzelfall geprüft werden, für welches Verhalten in einem Unternehmen Abmahnungen drohen. Ein gutes Beispiel hierfür ist das private Surfen im Internet. Während manche Arbeitgeber diesbezüglich sehr strikt sind und sogar gewisse Seiten für die Arbeitnehmer blockieren, sehen es andere bei weitem nicht so eng. Für sie ist es okay, wenn der Angestellt hin und wieder sein Facebook checkt – solang die eigentliche Arbeit darunter nicht leidet.

Ein anderes Beispiel ist Unpünktlichkeit aufgrund von Verkehrsstau oder Glatteis. In den meisten Arbeitsverträgen werden diese Szenarien als „vorhersehbar“ eingestuft. Das bedeutet, der Arbeitgeber kann sich darauf einstellen und muss dementsprechend eher zum Arbeitsplatz aufbrechen. In der Praxis gestaltet es sich jedoch häufig anders. Der Mitarbeiter vom Vorgesetzten wird lediglich dazu ermahnt, beim nächsten Mal eher loszufahren und gebeten, die verlorene Zeit nachzuarbeiten. Eine Abmahnung droht meist erst dann, wenn sich die Situation etliche Male wiederholt und erkennbar wird, dass der Arbeitnehmer einfach nicht bereit ist, früher loszufahren.

Kündigung erst nach drei Abmahnungen?

Ein weit verbreiteter Irrglaube besagt, dass man als Arbeitgeber erst drei Abmahnungen kassieren muss, ehe man gekündigt werden darf. Das ist schlicht und ergreifend falsch. Streng genommen reicht schon eine berechtigte Abmahnung aus, um den Job zu verlieren.

Es ist wichtig, dass Sie sich dies stets vor Augen führen und nicht etwa denken, dass ein einzelner Fehltritt durchaus in Ordnung ist. Wenn Ihr Chef Sie kündigen will, dann genügt oftmals schon ein (triftiger) Grund, um das Vorhaben in die Tat umzusetzen.

Auch mündliche Abmahnungen sind gültig

Und noch ein Mythos: Eine Abmahnung, die der Chef mündlich erteilt, ist nicht gültig und muss daher auch nicht ernst genommen werden.

Falsch! Abmahnungen sind nicht formgebunden. Das bedeutet, mündliche Abmahnungen haben die gleiche Wirkung wie eine schriftliche – vorausgesetzt, sie erfüllen einen wichtigen Punkt.

Sowohl mündliche als auch schriftliche Abmahnungen müssen sich auf ein konkretes Verhalten beziehen. Es reicht also nicht, zu sagen oder zu schreiben „Herr Müller wird abgemahnt, weil er nicht ordentlich arbeitet.“ Der Arbeitgeber ist dazu verpflichtet, einen konkreten Sachbestand aufzunehmen und anhand eines Paragraphen im Arbeitsvertrag zu belegen, dass es sich um einen Verstoß handelt. Erst dann ist eine Abmahnung legitim und offiziell.

Dass die meisten Abmahnungen dennoch schriftlich erteilt werden, liegt vor allem daran, dass die Arbeitgeber gern etwas in der Hand haben wollen. Abmahnungen dienen nämlich nicht nur der Androhung von Sanktionen, sie haben auch eine dokumentierende Funktion. Die Schriftform sorgt dafür, dass Unklarheiten und Missverständnissen (im Hinblick auf den Inhalt) vorgebeugt werden.

Es ist wichtig, den eigenen Arbeitsvertrag nicht nur blindlings zu unterschreiben, sondern sich gewissenhaft damit auseinanderzusetzen. Denn dann bekommen Sie ein gutes Gespür dafür, was Ihnen am Arbeitsplatz gestattet ist und wofür eventuell eine Abmahnung droht. Denken Sie immer daran: Dummheit (beziehungsweise Unwissenheit) schützt vor Strafe nicht.


Bildquelle: YAKOBCHUK VIACHESLAV/Shutterstock