Achtung „unzulässig“: Was Personaler einen Bewerber nicht fragen dürfen

Wenn ein Personaler im Bewerbungsgespräch unerlaubte Fragen stellt, kann das rechtliche Konsequenzen haben. Also was ist verboten?

Nicht nur der Bewerber muss sich sorgfältig auf ein anstehendes Vorstellungsgespräch vorbereiten. Auch der Personaler muss im Voraus planen, wie er vorgehen und welche Fragen er stellen möchte. Dabei hat er aber nicht freie Hand. Das deutsche Gesetz, genauer gesagt das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG), regelt streng, welche Fragen erlaubt beziehungsweise verboten sind. Wenn Sie als Personaler im Bewerbungsgespräch die falschen Fragen stellen, kann dies also rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. In der Regel handelt es sich dabei um Vorwürfe der Diskriminierung und einen daraus folgenden Versuch des Bewerbers, sich in das Unternehmen zu klagen. Um solche Streitigkeiten präventiv zu verhindern, sollten Sie verbotene Fragen im Vorstellungsgespräch tunlichst vermeiden. Hierbei gibt es aber zwei Schwierigkeiten:

  1. Manche Personaler nutzen bewusst verbotene Fragen im Bewerbungsgespräch, um die Reaktion des Bewerbers zu testen.
  2. Viele Fragen bewegen sich in einer Grauzone und daher ist eine Abgrenzung zwischen „erlaubt“ und „unzulässig“ nicht immer eindeutig möglich.

Was also sollten und dürfen Sie im Vorstellungsgespräch lieber nicht fragen?

Themenbereich 1: Fragen rund um die Familie

Verboten sind prinzipiell Fragen zu privaten Lebensbereichen, die nichts mit dem Beruf und dadurch mit dem Job an sich zu tun haben. Ob der Bewerber verheiratet oder single ist, ob er sich Kinder wünscht oder ob eine weibliche Bewerberin bereits schwanger ist – all diese Dinge gehen Sie als Personaler nichts an. Gerade das Thema Kinder ist bei Frauen äußerst kritisch, denn schnell geraten Sie unter Verdacht, aus Angst vor Mutterschutz & Co lieber den männlichen Bewerber bevorzugt zu haben. Sie sollten sich in diesem Themenbereich daher äußerst bedeckt halten. Auch der Job des Lebenspartners, wie lange diese bereits ein Paar sind oder was er von der beruflichen Veränderung des Bewerbers hält, sind irrelevante Bereiche aus dem Privatleben, welche Sie nicht hinterfragen dürfen. Selbiges gilt für die sexuelle Orientierung des Bewerbers.

Themenbereich 2: Fragen zur Gesundheit

Ob der Bewerber rundum gesund ist, ob er eine Behinderung hat, in der Vergangenheit erkrankt war oder sonstige gesundheitliche Aspekte des Bewerbers dürfen Sie ebenso wenig erfragen. Allerdings gibt es hier eine Ausnahme: Sollte der Gesundheitszustand des Bewerbers für die ausgeschriebene Stelle relevant sein, zum Beispiel, weil Frauen während der Schwangerschaft nicht in diesem Beruf arbeiten dürfen oder weil bei der Arbeit im Krankenhaus von einer ansteckenden Infektion wie Hepatitis oder HIV eine zu hohe Gefahr ausgehen würde, sind Fragen zur Gesundheit des Bewerbers in Ausnahmefällen erlaubt. Hinterfragen dürfen Sie zudem natürlich alle Informationen aus dem Lebenslauf, wenn hier zum Beispiel eine Lücke auftaucht oder der Bewerber einen Klinikaufenthalt genannt hat. Dennoch sollten Sie bei diesem Themenbereich Vorsicht walten lassen.

Themenbereich 3: Fragen zur Religion

Ein weiteres Tabuthema im Vorstellungsgespräch stellt die Frage nach dem Glauben eines Bewerbers dar. Dieser ist – wenn überhaupt – nur dann relevant, wenn der Bewerber zum Beispiel in einer kirchlichen Institution tätig werden möchte. Die Zugehörigkeit zu einer Glaubensgruppe erfährt der Arbeitgeber ohnehin spätestens mit der Abgabe der Lohnsteuerkarte. Dennoch dürfen die Themen der Gläubigkeit oder des religiösen Engagements aus Diskriminierungsgründen keine Rolle für Ihre Entscheidung im Vorstellungsgespräch spielen.

Themenbereich 4: Fragen zur politischen Einstellung

Ähnlich sieht es mit Fragen nach der politischen Orientierung des Bewerbers aus. Auch diese ist nur in Ausnahmefällen erlaubt, wenn er sich zum Beispiel im Rahmen einer politischen Tätigkeit bewirbt. Ansonsten geht es Sie als Arbeitgeber reichlich wenig an, ob der Kandidat privat die SPD, CDU oder eine andere Partei wählt, ob er selbst politisch aktiv ist oder ob er überhaupt nicht am Diskurs teilnimmt.

Themenbereich 5: Fragen bezüglich der Zugehörigkeit zu einer Gewerkschaft

Ihre Fragen müssen sich also auf jene Bereiche beschränken, die nicht das Privatleben des Bewerbers betreffen, sondern direkte Auswirkungen auf dessen berufliche Situation haben. Dennoch genießen Sie auch hier keine Narrenfreiheit. Verboten ist zum Beispiel die Frage, ob der Bewerber einer Gewerkschaft angehört. Schließlich dürfen Sie ihn nicht diskriminieren, weil er unter Umständen im Zuge seines gewerkschaftlichen Engagements „unangenehm“ werden könnte. Dies würde schließlich den ursprünglichen Zweck der Einrichtung untergraben.

Themenbereich 6: Fragen zu den Finanzen

Auch finanzielle Fragen à la „Wofür geben Sie Ihr Geld aus?“ oder „Wie viel haben Sie in Ihrer vorherigen Anstellung verdient?“ sind im Bewerbungsgespräch kritisch. Sie können zwar durchaus erfragen, welche Verdienstvorstellungen der Bewerber in Zukunft hat und weshalb, doch dürfen Sie nicht allzu genau nachhaken. Aber keine Sorge: Auch hier erfahren Sie spätestens beim Einreichen der Lohnsteuerkarte mehr, denn die Steuerklasse des Mitarbeiters gibt zumindest grob Aufschluss über dessen bisherigen Verdienst.

Als Personaler dürfen Sie im Vorstellungsgespräch also nicht jede beliebige Frage stellen. Dennoch können Sie mittels Social Media, Lohnsteuerkarte und weiteren kleinen Tricks viele Aspekte selbst herausfinden. Für Ihre Entscheidung dürfen solche Kriterien aber ohnehin nicht relevant sein. Hier sollte schlussendlich rein die Qualifikation des Bewerbers zählen. Oder was denken Sie?


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