Ängste abbauen: Gelassener zu beruflichem Erfolg

Jeder Mensch leidet unter Ängsten, welche ihn blockieren. Durch deren gezielten Abbau können Sie aber gelassener und dadurch beruflich erfolgreicher werden.


Selbstzweifel, Versagensängste, Überforderungsängste oder auch die Angst vor dem Jobverlust: Dieses ungute Gefühl im Bauch gehört für jeden von uns zum beruflichen Alltag. Ängste sind so alt wie die Menschheit selbst und dienen der Selbsterhaltung. Wären unsere Vorfahren damals nicht angsterfüllt vor dem Säbelzahntiger geflohen, wäre unsere Spezies vermutlich schon längst ausgestorben. Dennoch leiden viele Menschen heutzutage unter zahlreichen verschiedenen, zumeist unbegründeten Ängsten, welche sie in ihrem Alltag blockieren und so auch zum echten Hindernis beim Aufstieg der Karriereleiter werden können. Angst beziehungsweise ihr Gegenspieler „Gelassenheit“ hängen nämlich unumstößlich mit beruflichem Erfolg zusammen.

Wenn die Angst den Berufsalltag beherrscht

Es müssen nicht gleich die Angststörung, Panikattacken oder eine soziale Phobie sein – bereits in einem viel kleineren Ausmaß können Ängste Ihren Alltag negativ beeinflussen. Leider leben wir in Deutschland geradezu in einer „Angstkultur“, die noch von zwei verheerenden Weltkriegen und dem darauffolgenden großen „Nichts“ herrührt, welchem Ihre Eltern- oder Großelterngeneration ins Auge blicken musste. Dieses Bewusstsein, alles verlieren zu können, prägt bis heute auch die deutsche Geschäftswelt. Ein wahrer Segen für alle Unternehmen und Arbeitgeber, die von den daraus resultierenden, weltberühmten „deutschen Tugenden“ nur profitieren. Doch der einen Segen ist der anderen Fluch. Die Angst vor dem Jobverlust veranlasst die Arbeitnehmer zu dauerhaften Höchstleistungen. Dass es dabei aber häufig zu hoch hinausgeht, zeigen wiederum die stetig zunehmenden Burnout-Fälle in den landesweiten Kliniken. Neben äußeren Faktoren, wie dem steigenden Termindruck bei der Arbeit sowie einem schlechten Arbeitsklima im Unternehmen, gilt emotionaler Stress als eine der größten Belastungen im Arbeitsalltag. Doch was versteckt sich hinter dem Begriff „emotionaler Stress“?
Infografik: Die stärksten Belastungen im Arbeitsalltag | Statista

Emotionaler Stress: Angst als eines der vier „Grundgefühle“

Zahlreiche Experten und Wissenschaftler aus dem psychologischen Bereich gehen davon aus, dass sich jedes menschliche Gefühl aus vier grundlegenden Emotionen zusammensetzt. Diese vier „Grundgefühle“ sind:

  • Freude
  • Wut
  • Trauer
  • Angst

Fühlen Sie sich zum Beispiel vor dem Konzert Ihrer Lieblingsband aufgeregt, so sind hier ein großer Anteil Freude gemischt mit ein bisschen Angst am Werk. Die Angst ist also eine der vier zentralen Emotionen eines jeden Menschen. Auffallend bei diesem Modell ist, dass lediglich die Freude als ein an sich positives Gefühl gewertet werden kann. Ihr gegenüber stehen drei negativ behaftete Emotionen, nämlich Wut, Trauer und eben die Angst. „Emotionaler Stress“ entsteht durch mindestens eines dieser drei negativen Grundgefühle oder deren Kombination.

Von Säbelzahntigern und unfreundlichen E-Mails

Trotz Smartphones, Flugzeugen und Co befindet sich der menschliche Körper genau genommen aber immer noch auf dem Stand unserer vor dem Säbelzahntiger fliehenden Vorfahren. Das bedeutet: Sobald Sie Angst empfinden, setzt in Ihrem Gehirn vollautomatisch ein jahrtausendealter Prozess ein, der Ihr Überleben sichern soll. Selbst dann, wenn Sie eigentlich nur vor dem PC-Bildschirm sitzen und Ihnen die unfreundliche E-Mail eines Kunden einen Schauer über den Rücken jagt. Prompt werden in Ihrem Körper die Hormone Adrenalin, Noradrenalin, Kortisol und Kortison ausgeschüttet und durch den Anstieg Ihres Pulses rasend schnell über die Blutbahnen vom Ohrläppchen bis zum kleinen Zeh verteilt. Bleiben wir bei der Metapher der Flucht vor dem Säbelzahntiger, wären Sie nun zu Höchstleistungen hinsichtlich Schnelligkeit und Ausdauer bereit. In Bezug auf den noch immer vor dem PC sitzenden Mitarbeitenden jedoch, ist dies eigentlich eine völlige Überreaktion des Organismus auf die auslösende Situation.

Angst lähmt – die berühmte selbsterfüllende Prophezeiung

Eine Überreaktion, die von der Natur eigentlich für Ausnahmesituationen geschaffen wurde. Das Problem ist, dass sich viele Arbeitnehmer tagtäglich in diesem Angstzustand befinden, also nur selten oder sogar niemals in den „Normalzustand“ zurückkehren. Ein in der Regel unbewusster Prozess, der erst wahrgenommen wird, wenn der Körper zu streiken beginnt: Bluthochdruck, Rückenbeschwerden oder auch ein Herzinfarkt können ebenso die Folge der angstbedingten Dauerbelastung sein wie psychische Erkrankungen, zum Beispiel Angststörungen, Depressionen oder eben Burnout. Doch nicht nur die Gesundheit leidet unter der dauerhaften Angst, auch Ihr beruflicher Erfolg bleibt auf der Strecke. Angst kann nämlich geradezu lähmend sein. Sie verfallen in den sogenannten „Tunnelblick“ und steuern dadurch geradlinig genau auf die Situation zu, vor welcher Sie sich eigentlich fürchten. Es ist der Mechanismus der berühmten selbsterfüllenden Prophezeiung.

Gelassenheit ist das Mittel zum Erfolg

Stoppen können Sie diesen Prozess nur durch den gezielten Abbau Ihrer Ängste. Je mehr Sie wieder zur Gelassenheit zurückfinden, umso erfolgreicher werden Sie auch wieder in Ihrem Berufs- sowie Privatleben sein. Nicht Fehlerfreiheit ist nämlich der Schlüssel zur großen Karriere, sondern Selbstbewusstsein. Wenn Sie aus tiefster Überzeugung an sich selbst glauben, erlangen Sie eine viel positivere und selbstsichere Ausstrahlung, welche Ihnen den Weg zum Erfolg ebnet. Auch hier kommt nämlich die selbsterfüllende Prophezeiung zum Einsatz – nur eben in einer positiven statt negativen Spirale. Selbstbewusstsein und Gelassenheit erlauben Ihnen, authentischer zu leben und zu arbeiten und dadurch auf Dauer glücklicher sowie gesünder zu sein. Und wer Spaß an seiner Arbeit hat, zu dem kommt der Erfolg ja bekanntlich von selbst.

Ängste abbauen leichtgemacht: So finden Sie zu mehr Gelassenheit

  • Üben Sie sich in Selbstreflexion: Leiden Sie unter Ängsten und wenn ja, welche sind das? Allein das Bewusstsein um die – häufig sinnlosen – Ängste kann Erleichterung verschaffen.
  • Entwickeln Sie kleine Entspannungsmechanismen, welche Ihnen in Stresssituationen gegen die Ängste helfen. Hören Sie zum Beispiel Ihren Lieblingssong oder machen Sie einen kleinen Spaziergang.
  • Versuchen Sie, einfach einmal ihren Kopf auszuschalten und im Moment zu leben. Das Nachsinnieren über „was wäre, wenn…“ zieht Sie nur immer tiefer in die Gedankenschleifen und raubt Ihnen jegliche Energie.
  • Sollten sich die Gedanken einmal nicht gänzlich verdrängen lassen, so lenken Sie diese stets in eine positive Richtung. Verabschieden sie sich endgültig von einer negativen Erwartungshaltung.
  • Achten Sie zudem auf einen gesunden Lebensstil, eine ausgewogene Ernährung sowie ausreichend Bewegung. Auch ein fester Tagesrhythmus kann beim Abbau von Ängsten hilfreich sein.
  • Haben Sie den Mut sich gegebenenfalls professionelle Hilfe zu holen, zum Beispiel durch einen Psychologen.

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