Akademiker und arbeitslos: Warum finden manche Uni-Absolventen keinen Job?

Der Besuch einer Universität oder Hochschule gilt noch immer für viele als Garant für den Traumjob. In der Realität sieht es jedoch hin und wieder ganz anders aus. Akademiker und arbeitslos – wie kann das zusammenpassen?


Je höher der Bildungsgrad, desto geringer ist die Gefahr der Arbeitslosigkeit – zu diesem Ergebnis kam der IAB-Kurzbericht, der im November 2015 veröffentlicht wurde. Darin zu lesen:„Bildungsstand und Beschäftigungschancen hängen nach wie vor eng zusammen. Akademiker und beruflich Qualifizierte sind deutlich seltener von Arbeitslosigkeit betroffen als Personen ohne berufliche Qualifikation.“ (Quelle) Trotzdem haben nicht wenige Studierende Angst davor, nach dem Abschluss keinen Job zu finden. Tatsächlichkeit ist Arbeitslosigkeit unter Akademikern längst kein Randthema mehr.

Info: Die Arbeitslosenquote bei Erwerbstätigen mit Hochschulabschluss liegt bei lediglich 2,6 Prozent. Diejenigen, die davon betroffen sind, leiden jedoch teilweise extrem unter der dauerhaften Belastung.

Jobchancen abhängig vom Studienfach

Wie groß die Gefahr der Arbeitslosigkeit ist, hängt nicht nur von den persönlichen Qualifikationen und der Abschlussnote eines Akademikers ab. Auch das Studienfach ist ein wichtiger Indikator für die beruflichen Aussichten. Während beispielsweise Ärzte, Ingenieure und IT-Fachleute kaum Probleme haben dürften, einen Job nach dem Studium zu finden, sieht es bei den Kultur-, Geistes- und Gesellschaftswissenschaftlern leider etwas anders aus. In diesen Branchen gestaltet sich der Berufseinstieg derzeit am schwierigsten. Die Agentur für Arbeit ist sich sicher: „Nach einer gewissen Suchphase gelingt der Einstieg ins Erwerbsleben in der Regel aber auch hier“, ergänzt allerdings auch: „wenngleich die Beschäftigung nicht immer studienadäquat erfolgt.“ (Quelle)

Soll heißen: Nicht jeder Akademiker arbeitet später auch in dem Bereich, auf den er während seines Studiums vorbereitet wurde. Eine gewisse Flexibilität ist also in bestimmten Fachrichtungen Grundvoraussetzung dafür, einen Job nach dem Studium zu finden.

Warum haben es Absolventen so schwer?

Die Aussichten auf einen Job hängen natürlich maßgeblich vom Angebot ab. Während Absolventen der sogenannten MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) gerade überall in Deutschland händeringend gesucht werden, ist der Bedarf an Paläontologen, Journalisten, Soziologen usw. eher überschaubar.

Ein weiteres Problem ist, dass viele Studiengänge extrem theoretisch sind auf keinen konkreten Beruf vorbereiten. Ein hervorragendes Beispiel hierfür ist Germanistik. Auch Absolventen der sogenannten Orchideenfächer haben zwar einen ausgefallenen Studiengang auf dem Zeugnis stehen, deswegen aber nicht automatisch gute Aussichten auf eine Festanstellung. Wie wichtig praktische Lehrinhalte sind, wird deutlich, wenn man sich die sehr guten Jobeinstiegschancen von Hochschul-Absolventen (im Vergleich zu Uni-Absolventen) anschaut. (Quelle)

Die fehlende Berufserfahrung ist ein Punkt, der allen Absolventen (egal was sie studiert haben) den Berufseinstieg erschwert. Zwischen Vorlesungen, Referaten und Prüfungsphasen wird viel zu selten daran gedacht, auch praktische Erfahrungen zu sammeln. Spätestens seit Einführung des Bachelor- und Mastersystems fällt es den Studierenden noch schwerer, sich die Zeit zu nehmen, um schon während des Studiums Berufserfahrungen zu sammeln (Stichwort: Regelstudienzeit). Die Pflichtpraktika sind oft nur ein Tropfen auf den heißen Stein und reichen den potentiellen Arbeitgebern nicht aus. Wer aus der Masse der Berufseinsteiger herausstechen will, muss definitiv mehr zu bieten haben.

Lese-Empfehlung: Sie sind Akademiker und arbeitssuchend? Dann sollten Sie diesen Artikel lesen, in dem wir Ihnen sechs wertvolle Tipps für die Jobsuche zusammengestellt haben.

Der erste Job direkt nach dem Abschluss ist Wunschdenken

Das Deutsche Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) befasst sich intensiv mit der Thematik Berufseinstieg nach dem Studium. Eine Erkenntnis der Einrichtung: Absolventen brauchen im Durchschnitt rund vier bis sechs Monate, ehe sie ihren ersten Job finden. Die Vorstellung, direkt nach der Uni ins Berufsleben einzutauchen, ist also in aller Regel Wunschdenken.

Es ist vollkommen normal, dass die Jobsuche erst einmal Zeit in Anspruch nimmt und zu Beginn erfolglos ist. Trotzdem kann gesagt werden, dass die Jobchancen für Hochschulabsolventen in Deutschland sehr gut sind – immerhin werden sie als Experten in allen Bereichen gebraucht.


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