Arbeiten im Startup-Unternehmen: Wie ist es wirklich?

Vor allem junge Erwerbstätige streben immer häufiger eine Startup-Karriere an. Die Unternehmen mit dem großen Wachstumspotential stehen für eine gewisse Mentalität. Doch was ist dran am „Mythos Startup“?

Jung, spritzig, flexibel, individuell – es gibt unzählige Adjektive, die die (deutsche) Startup-Szene beschreiben. Doch was trifft wirklich auf die Unternehmen zu und was ist bloß Image? Oder anders formuliert: Wie ist es wirklich, in einem Startup zu arbeiten? Wir haben uns mal für Sie umgehört.

Schneller und unkomplizierter Berufseinstieg

Absolventen, Aus- und Quereinsteiger – Sie alle und noch viele andere profitieren von jungen Startups als Arbeitgeber. Denn anders als in etablierten Unternehmen legt man hier nicht so viel Wert auf nachweisbare (und zurückliegende) Erfolge, sondern schaut auf das, was der Bewerber dem Startup in Zukunft bieten kann.

Der Bewerbungsprozess kann ganz allgemein als unkompliziert und schnell beschrieben werden. Die besten Chancen hat der, der menschlich überzeugen kann und beweist, dass er neben dem fachlichen Know-How auch jede Menge Soft Skills mitbringt.

Jahrelange Berufserfahrung wird in den wenigsten Startups verlangt. Hier erhalten auch unerfahrene Berufseinsteiger die Möglichkeit, zu zeigen, was sie drauf haben. Ein weiterer Vorteil sind die guten Aufstiegschancen innerhalb des Unternehmens. Diese wiederum bringen einen enorm großen Lerneffekt mit sich.

Häufig fehlt die Struktur

Die einen nennen es „individuell“, die anderen „hoffnungslos chaotisch“. Gerade dann, wenn selbst in der Führungsriege die Erfahrung fehlt, ist der Arbeitsalltag in Startups häufig schlecht strukturiert und manchmal auch etwas orientierungslos. Als Angestellter muss man dieses wechselhafte Betriebsklima unbedingt mögen. Andernfalls entstehen zu viele Konfliktsituationen, die in regelmäßigen Abständen für Auseinandersetzungen sorgen.

Viel Arbeit, wenig Lohn

In Startups, die sich noch in der Anfangs- und Aufbauphase befinden, sind schier endlose Arbeitstage gelebte Normalität. Jeder, der sich in einem der attraktiven Unternehmen bewerben möchte, sollte sich dessen bewusst sein.

Dem großen Arbeitspensum gegenüber steht leider allzu oft ein eher überschaubarer Lohn. Der Grund hierfür liegt auf der Hand. Selbst wenn die Gründer ihren Mitarbeitern gern mehr zahlen würden, ist dies aus Budgetgründen häufig nicht möglich. Wer in einem Startup arbeiten möchte, sollte daher nicht mit dem spontanen Reichtum rechnen. Erst wenn sich das Unternehmen am Markt etabliert hat (und offiziell nicht mehr als Startup gilt), kann man sich auf ein attraktives Einkommen freuen.

Unsichere Joblage

Nicht jedes Startup, das an den Start geht und den Markt erobern will, erreicht dieses ambitionierte Ziel. Die traurige Wahrheit sieht so aus: Mehr als die Hälfte aller Startups scheitern schon in der Gründungsphase. Ob nun aufgrund von mangelnder Skalierbarkeit, fehlender Erfahrung oder nicht vorhandener Struktur – Scheitern ist ein fester Bestandteil der Startup-Kultur.

Was die Gründer häufig noch als „Lehrstück“ verbuchen können, bedeutet für Sie als Angestellten vor allem eines: Eine permanent unsichere Joblage. Je jünger das Startup ist, in dem Sie arbeiten, desto fraglicher ist, ob sich dieses langfristig und erfolgreich positionieren kann.

Gerade dann, wenn Sie endlich sesshaft werden und einem sicheren Job nachgehen wollen, ist die Entscheidung für ein Startup nicht unbedingt empfehlenswert. In dieser Situation sollten Sie sich eher für ein etabliertes Unternehmen entscheiden.

Lese-Tipp: Männlich, 27, zufrieden: Start-up-Gründer in Deutschland

Die Always-on-Mentalität

Sie wollen gern eine klare Grenze zwischen Arbeit und Privatleben ziehen? Dann arbeiten Sie besser nie in einem Startup! Hier gehört es nämlich fast schon zum guten Ton, permanent für den Chef erreichbar zu sein und sich dessen spontane Einfälle und Pläne anzuhören. Im Fachjargon spricht man mittlerweile schon von der „Always-on-Mentalität“, also dem permanenten online und somit erreichbar sein.

Währens es manch einer begrüßt, Berufs- und Privatleben miteinander verschmelzen zu lassen, sind die meisten noch immer strikt dagegen. Zu Recht: Denn die permanente Erreichbarkeit für den Chef wird seit längerem verdächtigt, ein Auslöser für Burnout zu sein.

Junge Bewerber sind klar im Vorteil

Jung = motiviert. So zumindest lautet die allgemeine Annahme, die in den meisten Startup-Unternehmen vorherrscht. Wer jedoch schon auf ein paar Jahre Erfahrung zurückblicken kann, hat es deutlich schwerer, in der Szene Fuß zu fassen. Wenn Sie also unbedingt wissen wollen, wie es ist, in einem Startup zu arbeiten, dann sollten Sie sich möglichst frühzeitig für diesen Karriereschritt entscheiden.

Die positiven Seiten der Startup-Kultur

Auch wenn Startups in diesem Beitrag eher weniger gut weggekommen sind, soll abschließend noch etwas über die Sonnenseiten dieser Unternehmen gesagt werden. Im Artikel 7 Gründe, warum es clever ist, in einem Startup zu arbeiten, erfahren Sie, welche Aspekte dafür sprechen, sich als Mitarbeiter zu bewerben.


Bildquelle: Jacob Lund/Shutterstock