„Interkulturelle Kompetenz“ – Was soll das denn bitte sein?

In immer mehr Stellenausschreibungen wird der Soft Skill „interkulturelle Kompetenz“ gefordert. Möchten Sie wissen, was es damit auf sich hat und weshalb sie so wichtig ist?


Interkulturelle Kompetenz gewinnt als Soft Skill zunehmend an Bedeutung. Wer dem Personaler glaubhaft vermitteln kann, über eine exzellente interkulturelle Kompetenz zu verfügen, hat beste Chancen auf eine Einstellung. Und wenn Sie dann auch noch über Fremdsprachenkenntnisse verfügen, die über Englisch hinausgehen, zum Beispiel Chinesisch, Russisch, Japanisch oder Spanisch, werden Sie in vielen Branchen zum absoluten Überflieger – vor allem in der Großindustrie. Wieso? Weil die Märkte immer globaler werden und plötzlich sehen Europa und die USA gegen China, Japan oder Brasilien ganz klein aus. Unternehmen, die es verpassen, die Globalisierung zu ihren Gunsten zu nutzen, werden angesichts dieser starken internationalen Konkurrenz früher oder später auf große wirtschaftliche Probleme stoßen. Es ist daher wichtig, frühzeitig internationale Kooperationen und Kunden zu finden. Und wie funktioniert das am besten? Eben: Wenn Sie deren Sprache sprechen und über eine hohe interkulturelle Kompetenz verfügen! Nur, was genau steckt jetzt eigentlich hinter dem komplizierten Begriff?

Definition: Was bedeutet „interkulturelle Kompetenz“?

Interkulturelle Kompetenz beschreibt die Fähigkeit, sich in fremden Kulturen beruflich sowie privat zu bewegen, ohne dabei anzuecken. Wenn Sie über eine hohe interkulturelle Kompetenz verfügen, können Sie sich also in Vieraugengesprächen, Gruppen sowie in allen alltäglichen Situationen im Ausland zurechtfinden, ohne durch Fehlverhalten negativ aufzufallen. Sie interagieren angemessen, fügen sich problemlos in die Kultur ein und kreieren dadurch einen Umgang, der von allen Beteiligten als angenehm und zufriedenstellend empfunden wird. Sie wissen also, dass Sie Ihre chinesischen Geschäftspartner lieber nicht mit Wangenküsschen begrüßen sollten und dass politische Themen dort als absolutes Tabu beim Abendessen oder einer Geschäftsverhandlung gelten.

Ist interkulturelle Kompetenz erworben oder angeboren?

Eigentlich ist es nichts anderes als eine soziale Kompetenz. Empathie, emotionale Intelligenz und Sensibilität im Umgang mit Menschen sind wichtige Grundvoraussetzungen für die interkulturelle Kompetenz. Ebenso wie diese auch, kann sie daher entweder angeboren oder erworben sein. Das bedeutet: Manche Menschen kommen einfach mit mehr emotionaler Intelligenz und damit auch einer höheren interkulturellen Kompetenz auf die Welt als andere. Ausschlaggebend sind zudem die Erziehung und Erfahrungen in den ersten drei bis fünf Lebensjahren. So weisen Geschwisterkinder häufig bessere soziale Kompetenzen auf als Einzelkinder. Und Menschen, die in ihrer Kindheit viel gereist sind, verfügen demnach eben auch über eine höhere interkulturelle Kompetenz als jene, die ihren Geburtsort noch nie verlassen haben. Doch keine Sorge: Wenn Ihnen die interkulturelle Kompetenz nicht in die Wiege gelegt wurde, können Sie diese dennoch auch im Erwachsenenalter noch erlernen und verbessern.

So trainieren Sie Ihre interkulturelle Kompetenz

Wenn Sie dazu neigen, im Ausland kein Fettnäpfchen auszulassen, oder Sie Ihre interkulturelle Kompetenz als Qualifikation für einen anstehenden Bewerbungsmarathon einfach noch einmal aufbessern möchten, gehen Sie wie folgt vor:

  • Optimieren Sie Ihre emotionale Intelligenz, Empathie und weiteren sozialen Kompetenzen. Diese sind nicht nur gute Soft Skills für Ihre Bewerbung, sondern auch die wichtigste Grundlage für eine hohe interkulturelle Kompetenz. Ob Sie es glauben oder nicht: Dafür gibt es sogar spezielle Schulungen, Seminare und Weiterbildungen. Steht es um Ihre „Social Skills“ also sehr schlecht, können diese Ihnen tatsächlich weiterhelfen.
  • Gehen Sie häufig und gerne auf Reisen und verlassen Sie dann auch das Hotelgelände und die Touristenviertel. Suchen Sie gezielt das Gespräch mit Einheimischen und beobachten Sie aufmerksam das Verhalten der Menschen in verschiedenen Kulturen.
  • Informieren Sie sich vor einer Reise über das fremde Land – egal, ob es sich um eine private oder eine Geschäftsreise handelt.
  • Sollten Sie beruflich häufiger mit ein und derselben Kultur zu tun haben, lernen Sie am besten die entsprechende Fremdsprache.
  • Informieren Sie sich zudem über die Religion, die Essgewohnheiten, Politik, Tischmanieren sowie No-Gos in der jeweiligen Kultur. Letztere können zum Beispiel Unpünktlichkeit sein, Körperkontakt oder in arabischen Ländern die Frage nach dem Wohlbefinden der Frau.
  • Erstellen Sie sich notfalls als kleine Hilfe vor einem Geschäftsessen eine Liste mit möglichen Themen sowie absoluten Tabus.

Interkulturelle Kompetenz wird privat und beruflich erlangt

  • Eignen Sie sich den spezifischen Begrüßungs- und Verabschiedungsknigge der jeweiligen Kultur an.
  • Finden Sie heraus, auf welche Höflichkeitsfloskeln besonders viel Wert gelegt wird.
  • Üben Sie sich in Zurückhaltung. Wenn Sie nicht wissen, wie Sie sich verhalten sollen, lassen Sie die Einheimischen den ersten Schritt machen, beobachten Sie und ahmen Sie nach.

Fortan können Sie in Bewerbungsanschreiben und Vorstellungsgesprächen voller Überzeugung behaupten: „Ja, ich weiß was interkulturelle Kompetenz ist und natürlich verfüge ich über eine solche, weil…“ Führen Sie private oder Geschäftsreisen, Fremdsprachenunterricht oder auch spezielle Schulungen, Weiterbildungen oder Seminare als Beweis an. Interkulturelle Kompetenz bedeutet zudem nicht nur einen großen Fortschritt für Ihre Karriere, sondern auch vor allem für Sie als Persönlichkeit.

Welchen Stellenwert schreiben Sie der interkulturellen Kompetenz in unserer modernen Arbeitswelt zu? Wie kann sie verbessert werden? Und welche „Beweise“ für den Soft Skill sind in einer Bewerbung geeignet? Wir freuen uns auf Ihre Meinungen, Diskussionen, Beiträge und Tipps in den Kommentaren!


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