Gemeinsam statt einsam: Karriereweg mit dem Chef besprechen

Berufliche Ziele zu haben ist gut. Noch besser ist es, wenn Sie diese nicht für sich behalten, sondern Ihren Karriereweg mit Ihrem Chef besprechen. Aber wieso und vor allem: wie?


Als Angestellter in einem deutschen Unternehmen werden Sie in regelmäßigen Abständen zum Mitarbeitergespräch gerufen. In der Regel findet dieses jährlich statt, manchmal auch etwas häufiger. Themen sind dann Ihre persönlichen Leistungen, Stärken und Schwächen sowie auch Perspektiven. Nur wenige Angestellte trauen sich aber, ihre beruflichen Ziele und Wünsche zu äußern. Noch mehr Mut braucht es, hierfür sogar außerplanmäßig auf den Vorgesetzten zuzugehen und um ein Gespräch zu bitten. Dass nur so wenige Mitarbeiter diesen Schritt wagen, ist aber eigentlich schade. Denn er ist für eine erfolgreiche Berufslaufbahn unglaublich wichtig, kann Ihnen Rückenwind geben und Ihre Karriere beschleunigen.

Karriereweg besprechen – wofür soll das gut sein?

Viele Menschen neigen dazu, ihre persönlichen wie beruflichen Ziele für sich zu behalten. So müssen sie sich anschließend nicht schämen oder rechtfertigen, wenn sie diese Ziele verfehlt haben oder niemals erreichen. Das ist allerdings genau die falsche Einstellung: Wenn sich Ihre Ziele in einem realistischen Rahmen bewegen und Sie hart daran arbeiten, wieso sollten Sie sich dann im Nachhinein schämen, wenn es nicht geklappt hat? Meistens haben Sie ja alles gegeben und das Schicksal hatte einfach einen anderen Plan für Sie – eventuell sogar einen besseren. Ändern Sie Ihre Einstellung zu Ihren Zielen, denn die beste Methode mit diesen umzugehen, ist sie offen auszusprechen. Im Bekanntenkreis, unter Kollegen sowie gegenüber Ihrem Vorgesetzten.

Wieso? Ganz einfach: Je mehr Menschen von Ihren Plänen wissen, umso eher werden sie Sie dabei unterstützen. Manchmal ergeben sich dadurch ungeahnte Möglichkeiten. Zudem wird der Vorgesetzte Sie bei der nächsten Beförderung nicht berücksichtigen, wenn er nicht weiß, dass Sie gerne eine Projektleiterstelle hätten. Vielleicht geht er ja davon aus, dass Sie mit Ihrer Projektassistenz momentan sehr zufrieden sind. Menschen können keine Gedanken lesen, also sitzen Sie nicht stumm in der Ecke und warten darauf, dass die nächste Karrierechance von selbst kommt. Werden Sie aktiv und machen Sie den Mund auf.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für das Gespräch mit dem Chef?

Prinzipiell können Sie Ihre beruflichen Pläne natürlich jederzeit mit Ihrem Vorgesetzten besprechen. Hierfür bietet das bereits erwähnte jährliche Feedbackgespräch die optimale Gelegenheit. Doch es gibt noch weitere Zeitpunkte, zu welchen ein Gespräch über Ihre Perspektiven im Unternehmen empfehlenswert ist:

  1. Nach der Probezeit: In den meisten Arbeitsverträgen wird eine halbjährige Probezeit vereinbart. Neigt sich diese dem Ende, ist ein Mitarbeitergespräch üblich. So können beide Parteien Feedback geben und darüber entscheiden, ob das Anstellungsverhältnis fortgesetzt werden soll. Fällt das Fazit positiv aus, ist dieses Gespräch zudem die perfekte Gelegenheit für einen ersten Austausch hinsichtlich Ihrer Perspektiven und Ziele im Unternehmen.
  1. Nach einem Führungswechsel: Wenn Ihr Vorgesetzter in Rente geht, befördert wird, das Unternehmen verlässt oder Sie aus anderen Gründen einen neuen Chef bekommen, wird es ebenfalls Zeit für ein erstes Kennenlernen, sodass Sie Ihre Vorstellungen bezüglich Ihrer Zukunft in dem Unternehmen aufeinander abstimmen können. Beweisen Sie hier aber bitte ein wenig Geduld. Direkt nach dem Führungswechsel muss sich der neue Vorgesetzte erst einarbeiten und hat gewiss momentan andere Sorgen. Doch sobald sich die Lage beruhigt hat, können Sie nach etwa drei bis sechs Monaten einmal vorsichtig an die Türe klopfen.
Sie müssen sich der Veränderung bewusst sein!
  1. Beim Wunsch nach einer beruflichen Veränderung: Wenn Sie sich eine berufliche Veränderung wünschen, müssen Sie nicht immer gleich zur Kündigung greifen. Gerade jetzt ist es wichtig, dem Vorgesetzten Ihre Vorstellungen zu unterbreiten, damit er sich nach internen Möglichkeiten für Sie umsehen kann. Eventuell reicht ja die interne Versetzung aus oder es wurde eben doch gerade eine geeignete Projektleiterstelle frei. Suchen Sie daher erst einmal das Vieraugengespräch und besprechen Sie Ihren Karriereweg mit dem Chef, bevor Sie die Kündigung in den Briefkasten werfen.
  1. Nach zu langer Stagnation: Stillstand ist Rückschritt – diese Devise gilt auch im Berufsleben. Experten raten daher zu regelmäßigen beruflichen Veränderungen, bestenfalls sogar dem Wechsel der Arbeitsstelle. Die empfohlene Zeitspanne liegt hierbei zwischen drei und fünf, spätestens aber nach sieben Jahren. Wie gesagt, müssen Sie trotzdem nicht direkt zur Kündigung greifen. Wenn Sie sich stattdessen nach drei, fünf oder auch sieben Jahren immer noch an demselben Schreibtisch mit derselben Verantwortung und dem gleichen Tätigkeitsbereich wiederfinden, wird es unbedingt Zeit für ein ehrliches Gespräch mit dem Chef über Ihre Karriereziele.

Erfahren Sie im zweiten Teil, wie Sie den Karriereweg mit Ihrem Chef besprechen.


Bildquelle: alphaspirit/Shutterstock

Print Friendly, PDF & Email