Kollegen-Typen: #1 Der Selbstdarsteller

Büros sind ein Sammelsurium der unterschiedlichsten Menschen. Welche Charaktere es da alles so gibt, wollen wir Ihnen in unserer neuen Artikel-Reihe „Kollegen-Typen“ näherbringen. Vielleicht erkennen Sie ja den einen oder anderen Kollegen wieder.


Er ist von sich überzeugt, ständig präsent und darauf bedacht, sich selbst ins beste Licht zu rücken. Beim Selbstdarsteller ist der Name Programm. Wer ihm die Stirn bieten will, muss auf ein extrem starkes Ego eingestellt sein. Denn eines ist Fakt: Für den Selbstdarsteller gibt es nur eine Nummer 1 – nämlich ihn selbst.

Die Merkmale des Selbstdarstellers

Der Selbstdarsteller versteht es wie kein anderer Büro-Charakter, jede Situation zu seiner Bühne zu machen und sich selbst in den Mittelpunkt der Beachtung zu stellen. Das gelingt ihm auf unterschiedlichen Ebenen, die folgendermaßen grob zusammengefasst werden können:

  • auf optischer Ebene
  • auf akustischer Ebene
  • auf kommunikativer Ebene

Kollegen, die zur Gruppe der Selbstdarsteller gehören, legen meist großen Wert auf ihr Äußeres – schließlich ist es ihr Aushängeschild, durch das sie andere wahrnehmen. Dass der Selbstdarsteller rein optisch auffällt, liegt jedoch nicht nur an seinem Kleidungsstil, seiner Frisur und seinem allgemeinen Aussehen, sondern zu einem großen Teil auch an seinem Selbstbewusstsein. Er besitzt ein großes Ego, das auch Einfluss auf seine Körperhaltung hat. Mit durchgedrückter Wirbelsäule und gewölbter Brust stolziert er durchs Büro, um sicherzugehen, dass er auch wirklich von jedem wahrgenommen wird.

Häufig passiert das jedoch schon lange, bevor er gesichtet wird. Selbstdarsteller sind nämlich auch dafür bekannt, akustisch aus der Menge hervorzustechen. Eine klare, deutliche Aussprache in Kombination mit einer überdurchschnittlichen Lautstärke ist das Markenzeichen dieses Büro-Charakters, das vor allem im Gespräch mit anderen zum Vorschein kommt.

Womit wir auch schon bei der dritten Ebene wären. Der Selbstdarsteller scheut niemals das Gespräch mit seinen Kollegen – grundsätzlich eine überaus gute Eigenschaft, wenn da nicht ein kleines Problem wäre: Menschen, die gern im Mittelpunkt stehen, meiden Dialoge, indem sie das Zepter an sich reißen und Monologe führen. Der Selbstdarsteller kann ohne Punkt und Komma reden und ist dabei stets darauf bedacht, selbst als Heiland dazustehen. Spätestens an dieser Stelle wird klar, dass es durchaus Konfliktpotential zwischen dem Selbstdarsteller und seinen Kollegen gibt. Diese müssen nämlich teilweise ziemlich unter der Ein-Mann- oder Ein-Frau-Show leiden.

Wie gehe ich mit dem Selbstdarsteller um?

Vor allem introvertierte Menschen, die lieber für sich und im Hintergrund arbeiten, haben große Schwierigkeiten, sich gegen den Selbstdarsteller durchzusetzen. Wer mit diesem sehr speziellen Büro-Typ umgehen will, sollte sich vor allem eines vor Augen führen: Nicht alles, was laut herausposaunt wird, hat auch automatisch Hand und Fuß. Am besten weisen Sie den Selbstdarsteller in seine Schranken, indem Sie ihm aufmerksam zuhören und auf eventuelle Fehler hinweisen. Das klingt zwar nicht sonderlich kollegial, zeigt aber schon nach kurzer Zeit seine Wirkung. Natürlich wird der Selbstdarsteller versuchen, sich zu rechtfertigen und die Schuld von sich zu weisen. Es ist dann nur eine Frage der Zeit, bis seine selbstinszenierte Festung ins Wanken gerät und schließlich einstürzt. Wichtig: Immer konstruktiv sein.

Tipp: Sie trauen sich nicht, direkt auf Konfrontationskurs zu gehen? Dann ist es eine gute Lösung, die Ausführungen des Selbstdarstellers gespielt naiv zu hinterfragen. Ein schlichtes „Können Sie das noch einmal genauer erklären, ich glaube, ich habe es noch nicht ganz verstanden.“ sorgt fast von allein dafür, dass die ausschweifenden Monologe des Selbstdarstellers als heiße Luft entlarvt werden.

Wichtig zu wissen ist außerdem, dass es nur wenig bringt, dem Selbstdarsteller mit gespieltem Selbstbewusstsein und einer künstlichen Extrovertiertheit entgegenzutreten. Ein solches Verhalten wird den Büro-Charakter nur noch mehr anstacheln und dafür sorgen, dass die eigentliche Intervention zu einem Wettstreit der Selbstdarsteller wird. Aus diesem Grund sollten Führungskräfte auch immer darum bemüht sein, zwei Menschen dieses Typus möglichst voneinander fern zu halten.

Zu guter Letzt noch ein besonders wichtiger Tipp: Überlegen Sie sich immer gut, was Sie mit diesem Büro-Charakter besprechen. Die meisten Selbstdarsteller im Büro haben keine Skrupel, die (geniale) Idee des Kollegen als eigene zu verkaufen. Ein solcher Gedankenklau ist in vielen Unternehmen leider an der Tagesordnung und sorgt regelmäßig für Konflikte. Die schlechte Nachricht: Hier gilt „Im Zweifel für den Angeklagten“. Wenn Sie also nicht eindeutig nachweisen können, dass Ihnen der Kollege die Idee geklaut hat, werden Sie derjenige sein, der das Nachsehen hat und vielleicht auch mit einem Imageverlust leben muss.

Hinweis: Freue Sie sich im zweiten Teil unserer Artikel-Serie „Kollegen-Typen“ auf den Spaßvogel.


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