Krank in der Probezeit: Alles aus und vorbei?

Eine Krankmeldung im Job ist immer eine unangenehme Sache, doch in der Regel müssen Sie dabei nicht direkt mit einer Kündigung rechnen – aber wie sieht das eigentlich in der Probezeit aus? Ist eine Krankmeldung Grund genug für eine Kündigung? Und wenn ja, wie können Sie diese verhindern?


Viele Menschen gehen lieber krank zur Arbeit als sich krankzumelden. Wieso? Weil es beim Arbeitgeber angeblich einen schlechten Eindruck hinterlässt und das könnte der Karriere schaden. Zudem fühlen sie sich vielleicht unverzichtbar und möchten ihren Arbeitgeber nicht „im Stich lassen“. Das ist prinzipiell eine löbliche Arbeitsmoral. Doch wer krank zur Arbeit erscheint, schadet dem Unternehmen dadurch mehr als durch eine Krankmeldung. Kranke Arbeitnehmer am Arbeitsplatz drohen nämlich nicht nur Kolleginnen und Kollegen anzustecken und dadurch eine für den Arbeitgeber sehr teure Grippewelle auszulösen, sie arbeiten zudem weniger konzentriert und machen dadurch mehr (teure) Fehler. Experten raten deshalb: Wer krank ist, sollte unbedingt zuhause bleiben. Und wenn Sie sich weder außergewöhnlich häufig noch extrem lange krankschreiben lassen, stellt das in der Regel keinen Kündigungsgrund und auch kein Karrierehemmnis dar.

Kündigungsschutz in der Probezeit: Wer krank ist, fliegt?!

In der Probezeit ist das Thema allerdings ein wenig diffiziler. Hier kann eine Krankschreibung nämlich durchaus als Kündigungsgrund ausreichen. Oder genauer gesagt: In einer vertraglich vereinbarten Probezeit von bis zu sechs Monaten können sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer mit einer zweiwöchigen Frist ohne Angabe von Gründen kündigen. Prinzipiell kann der Arbeitgeber Ihr frisches Arbeitsverhältnis also jederzeit auflösen. Allerdings geschieht das natürlich in der Regel nicht ohne ausschlaggebendes Ereignis. Dies können Konflikte im Team sein, interne Umstrukturierungen oder aber die Unzufriedenheit des Arbeitgebers mit Ihrer Leistung. Und vor eben dieser Unzufriedenheit haben viele Arbeitnehmer Angst, wenn sie sich in der Probezeit krankschreiben lassen (müssen). Klar: Freuen wird sich wohl kaum ein Arbeitgeber über eine Krankschreibung. Und wenn diese bereits in der Probezeit auftritt, liegt ja die Vermutung nahe, der Arbeitnehmer könnte auch später öfter oder längerfristig krankgeschrieben sein – und aufgrund des dann strengen Kündigungsschutzes hohe Kosten verursachen. Es gibt daher durchaus Arbeitgeber, die auf „Nummer sicher“ gehen möchten, und im Falle eine Krankschreibung in der Probezeit direkt die Kündigung zücken.

Tipps für Arbeitnehmer: Krank in der Probezeit – Was können Sie tun?

Als Arbeitnehmer sind Sie aber leider nicht davor gefeit, in der Probezeit eventuell krank zu werden. Vor allem in den kalten Wintermonaten fangen Sie sich schließlich schnell einmal eine Grippe oder Erkältung ein. Je nach Arbeitgeber kann das dann zwar die Kündigung bedeuten, muss es aber nicht. Ihr Umgang mit der Krankschreibung kann dabei den kleinen, aber feinen Unterschied machen. Wenn Sie sich „richtig“ verhalten, können Sie das Risiko einer krankheitsbedingten Kündigung in der Probezeit mindern:

  • Melden Sie sich so früh wie möglich telefonisch bei Ihrem Arbeitgeber, sobald eine Krankschreibung Ihrerseits absehbar ist.
  • Suchen Sie unverzüglich einen Arzt auf und lassen Sie sich ein Attest ausstellen – auch, wenn das laut Arbeitsvertrag oder betrieblicher Übung nicht unbedingt notwendig wäre. Dadurch verdeutlichen Sie die „Ernsthaftigkeit“ Ihrer Erkrankung, sprich dass Sie nicht einfach einen Kater vom Wochenende haben.

Schnell Handeln lohnt sich!

  • Stellen Sie diese Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung noch am selben Arbeitstag dem Arbeitgeber zu. Beauftragen Sie dafür zum Beispiel ein Familienmitglied oder werfen Sie die Krankschreibung auf dem Rückweg vom Arzt selbst schnell in den Briefkasten, wenn möglich.
  • Bieten Sie dem Arbeitgeber an, trotz Krankheit erreichbar zu bleiben, falls zum Beispiel Kollegen Rückfragen haben. Dadurch zeigen Sie Engagement.
  • Bleiben Sie zudem stets mit Ihrem Arbeitgeber in Kontakt. Erkundigen Sie sich bestenfalls einmal täglich via E-Mail oder Telefon nach der Lage, zeigen Sie Interesse und informieren Sie den Arbeitgeber über den voraussichtlichen Zeitpunkt Ihrer Rückkehr.
  • Suchen Sie nach Ihrer Genesung erneut das persönliche Gespräch mit dem Arbeitgeber und bieten Sie ihm eine Verlängerung der Probezeit an. Vor allem bei länger andauernden Erkrankungen, die zum Beispiel über mehrere Wochen gehen, ist dies eine durchaus übliche Praxis.

Wenn Sie also Interesse, Engagement und Vertrauenswürdigkeit beweisen und dem Arbeitgeber das Gefühl geben, Sie seien tatsächlich zu krank zum Arbeiten, dennoch aber motiviert und in Zukunft eine verlässliche Arbeitskraft – ohne ständige oder langfristige Erkrankungen – stehen Ihre Chancen gut, eine krankheitsbedingte Kündigung in der Probezeit abzuwenden. Eine Garantie allerdings, gibt es dafür leider nicht.

Wie gehen Sie als Arbeitgeber oder Arbeitnehmer mit Erkrankungen in der Probezeit um? Welche positiven oder auch negativen Erfahrungen haben Sie bereits mit diesem Thema gemacht? Teilen Sie uns gerne Ihre Meinung in den Kommentaren mit.


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