Selbstkritik: Warum Sie sich selbst und Ihre Arbeit immer reflektieren sollten

Selbstkritik ist eine wichtige Eigenschaft, die es uns ermöglicht, unser eigenes Handeln zu reflektieren und – ganz allgemein formuliert – einzuordnen. Einerseits ist sie (gerade in Führungstagen) unverzichtbar, andererseits kann sie ab einem gewissen Grad auch zum Hemmnis werden.


Wenn es darum geht, andere zu kritisieren, sind die meisten schnell und mit viel Leidenschaft dabei – immerhin gilt es, auf Fehler hinzuweisen und Tipps zu geben, wie es beim nächsten Mal besser gemacht wird. Doch was, wenn man selbst einen Fehler gemacht oder nicht 100 Prozent gegeben hat? In diesem Fall ist nicht nur das Urteil der anderen wichtig. Jeder Mensch sollte – sowohl im Beruflichen als auch privat – in der Lage sein, die eigenen Tätigkeiten zu reflektieren. Was viele nicht wissen: Selbstkritik ist ein Drahtseilakt.

Nobody‘s perfect!

Wer Fehler immer nur den anderen in die Schuhe schiebt und sich nicht eingestehen kann, selbst dafür verantwortlich zu sein, macht sich nicht nur unbeliebt im Unternehmen, sondern hat auch auch große Schwierigkeiten, mit sich selbst ins Gericht zu gehen. Fakt ist: Kein Mensch auf dieser Welt ist perfekt und jeder von uns macht hin und wieder etwas falsch. Das ist okay – wenn Sie nicht die Augen davon verschließen und eigene Fehler bewusst wahrnehmen.

Selbstkritik ist die „Kunst“, das eigene Handeln konstruktiv (!) zu bewerten. Ähnlich wie beim Kritisieren anderer kommt es auch hierbei nicht darauf an, nur Negatives aufzuzählen und anzuprangern. Selbstkritik kann durchaus auch positiver Natur sein und auf etwas verweisen, was besonders gut gelaufen ist. Um Selbstkritik auszuüben, müssen Sie in der Lage sein, Ihr eigenes Handeln genau zu reflektieren. Introvertierte Menschen haben hiermit meist weniger Probleme als extrovertierte. Das übergeordnete Ziel der Selbstkritik ist es, sich selbst immer weiter zu verbessern.

5 Tipps zum Thema Selbstkritik

Auch wenn es vielen schwerzufallen scheint, ist Selbstkritik im Grunde genommen gar nicht schwer. Die gute Nachricht: Wer damit bisher noch Probleme hatte, kann es mit etwas Geduld lernen. Diese Tipps helfen Ihnen dabei.

  • Tipp #1 – Bleiben Sie objektiv: (Selbst-)Kritik kann nur funktionieren, wenn Sie objektiv bleiben und Ihr Handeln nicht emotional bewerten. Alles, was letztendlich zählt, ist das Ergebnis und nicht der Weg dorthin.
  • Tipp #2 – Reflektieren Sie punktgenau: Zu sagen, man ist der Aufgabe nicht gewachsen, ist vielleicht einfach, hat aber nichts mit Selbstreflexion oder -kritik zu tun. Hierbei kommt es vielmehr darauf an, ins Detail zu gehen und sich einzelne Aspekte genau anzuschauen. Das bedeutet auch, dass Selbstreflexion immer eine gewisse Zeit in Anspruch nimmt.
  • Tipp #3 – Was ist veränderbar und was nicht?: Viele Menschen halten sich oft ewig an Dingen auf, die sie einfach nicht verändern oder beeinflussen können. Wenn Sie sich selbst wirklich verbessern wollen, sollten Sie solche Verhaltensweisen schnell ablegen. Sein Tun zu reflektieren bedeutet, dort anzusetzen, wo auch wirklich etwas optimiert – sprich: verändert – werden kann.
  • Tipp #4 – Seien Sie immer ehrlich: Es ist leicht, den Fehler auf andere zu schieben oder auch Faktoren wie beispielsweise Lärm oder schlechte Zuarbeiten dafür verantwortlich zu machen. Doch ist es wirklich so? Selbstkritik kann nur funktionieren, wenn man zu 100 Prozent ehrlich zu sich selbst ist und sich auch eingestehen kann, selbst für einen Fehler verantwortlich zu sein. Das erfordert vielleicht etwas Übung, ist aber keinesfalls unmöglich.
  • Tipp #5 – Holen Sie sich Feedback: Selbstkritik und Kritik müssen einander nicht ausschließen. Es kann durchaus hilfreich sein, ins Gespräch mit anderen zu kommen und sich dabei direktes Feedback abzuholen. Diese Infos können Ihnen dabei behilflich sein, sich selbst zu reflektieren und gewisse Punkte zu optimieren.

Selbstkritik oder Selbstzweifel?

So wichtig Selbstkritik auch ist, sie kann auch ein großes Hindernis darstellen – nämlich immer dann, wenn sie nicht konstruktiv ist. Sich selbst zu kritisieren bedeutet nicht, permanent an sich selbst zu zweifeln. Aussagen wie „Ich bin der Aufgabe nicht gewachsen.“, „Ich bin nicht gut genug.“ oder „Jemand anderes sollte das besser übernehmen.“ sind keine reflektierende Selbstkritik, sondern pure Selbstzweifel und damit destruktiv, also

  • allgemein und beliebig
  • unbegründet
  • subjektiv / emotionalisiert
  • übertrieben

Destruktive Selbstkritik hilft Ihnen nicht dabei, besser zu werden, sie hält Sie nur auf. Es ist wichtig, sie von konstruktiver Selbstkritik zu unterscheiden und zu vermeiden.

Selbstkritik: Auch in den Führungsetagen unverzichtbar

Sich selbst und seine Arbeit immer wieder reflektieren, offen für Kritik sein, sich stetig optimieren und weiterentwickeln wollen – diese Eigenschaften und Fähigkeiten spielen natürlich insbesondere in Führungspositionen eine wichtige Rolle. Es bedeutet nämlich, dass man sich selbst immer wieder den Spiegel vor Augen hält und seine eigenen Leistungen ehrlich bewertet. Gerade, wenn die hierarchische Lücke zwischen Ihnen und Ihrem Team immer größer wird, ist Selbstkritik ein unverzichtbares Element eines guten Führungsstils.


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