Telefon-Phobie: Die Angst vorm Telefonieren

Telefonieren gehört zum Berufsalltag der meisten Menschen. Was für die einen etwas völlig Normales ist, stellt für andere eine große Hürde dar – denn sie haben Angst davor, mit anderen per Telefon zu kommunizieren. Die sogenannte Telefon-Phobie ist weiter verbreitet, als viele denken.


Nur nochmal schnell anrufen und einen Termin bestätigen lassen, eine Information einholen oder ein kurzes „Okay“ an den Kunden weitergeben – für die Mehrheit der Menschen stellt der Umgang mit dem Telefon keinerlei Probleme dar. Telefonieren gehört für Sie genauso zum Büro-Alltag wie Meetings und E-Mails. Daneben gibt es allerdings auch zahlreiche Menschen, denen das Kommunizieren per Telefon große Schwierigkeiten bereitet. Diese Problematik geht in Einzelfällen soweit, dass sogar von einer Phobie gesprochen wird.

Keine klinische Diagnose für Telefon-Phobie

Bisher gilt die Telefon-Phobie noch nicht als klinisch bewiesene Angststörung. Es kann also davon ausgegangen werden, dass der Begriff eher umgangssprachlich verwendet wird. Das bedeutet jedoch nicht, dass die panische Angst mancher Menschen vor dem Telefonieren bloß Einbildung ist. Es handelt sich hierbei um eine Form der Sozialphobie, bei der Menschen Angst vor dem Kontakt zu anderen Menschen haben. Wie sich diese Angst äußert, ist bei jedem Betroffenen anders. Während die einen große Menschenmengen meiden, haben andere ein Problem mit ungezwungenem Smalltalk. Und wieder andere haben Hemmungen, wenn es darum geht, eine andere Person anzurufen. Im Beruf kann das in einigen Fällen ein großes Problem darstellen.

Kein generelles Kommunikationsproblem

Auffällig und interessant ist, dass Menschen, die unter einer Telefon-Angst leiden, nicht generell Probleme mit Kommunikation haben. In der Regel stellt es für sie keine Hürde dar, sich face to face oder via E-Mail mit einer anderen Person auszutauschen. Ganz im Gegenteil: Diese Formen der Kommunikation werden ganz bewusst gewählt, um dem Telefonhörer aus dem Weg gehen zu können. Wieso es ausgerechnet beim Telefonieren zu teils großen Schwierigkeiten kommt, kann nicht verallgemeinert erklärt werden.

Manche Betroffene haben einfach Angst davor, nicht die wesentliche Information aus dem Gespräch herausziehen zu können. Andere befürchten, sich zu verhaspeln oder zu stottern, sodass sie am anderen Ende der Leitung nicht verstanden werden. Einige geben außerdem an, dass Telefonieren für sie immer etwas mit Privatsphäre und Intimität zu tun hat. Ein Telefonat suggeriert Nähe – die im Beruf jedoch nur selten wirklich vorhanden ist.

Vermeidungsstrategien festigen die Phobie nur zusätzlich

Die meisten Menschen, die unter einer Telefon-Phobie leiden, weichen dem Kommunikationsmittel einfach bewusst aus. Sie schreiben lieber E-Mails oder klären die Angelegenheiten persönlich. Was auf dem ersten Blick nach einem effektiven Kompromiss aussieht, ändert nichts an der Angst vorm Telefonieren. Im Gegenteil: Indem man nur via Mail oder direkt kommuniziert, schürt man die Panik vor dem Telefonhörer nur noch mehr und festigt sie dadurch. Wer etwas gegen seine Telefon-Phobie unternehmen will, sollte sich seiner Angst stellen – mit der richtigen Vorbereitung, versteht sich.

Was hilft gegen die Angst vorm Telefonieren?

Egal ob Spinne, enge Räume oder der Telefon-Hörer – Ängste sind da, um gegen sie vorzugehen. Im Falle der Telefon-Phobie ist es das A und O, wenn man sich vor telefonischen Gesprächen gut vorbereitet und sich auf mögliche unangenehme Situationen einstellt. Im Folgenden können Sie erfahren, wie man am besten mit dieser Angst umgeht.

  • Das Worst-Case-Szenario
    Wenn jemand Angst vor etwas hat, sollte es immer der erste Schritt sein, sich zu fragen, worauf genau sich die Angst bezieht. „Na, auf das Telefonieren!“ ist an dieser Stelle eindeutig zu allgemein. Fragen Sie sich, was schlimmstenfalls passieren kann. Welche Situation ist der absolute „Super-GAU“ oder „Worst Case“ für Sie? Oftmals zeigen die Antworten, dass es kaum etwas gibt, wovor man sich wirklich fürchten muss.
  • Der Einstiegs-Satz
    Routine schafft Sicherheit – auch beim Telefonieren. Es ist unglaublich hilfreich, sich vorab einen Satz zu überlegen, mit dem man alle Standard-Gespräche eröffnen kann. Der Satz kann ruhig auf einen Klebezettel geschrieben und am PC angebracht werden, sodass er immer präsent ist und „geprobt“ werden kann.
  • Das Anliegen
    Was wollen Sie mit Ihrem Telefonat erreichen? Welche Information benötigen Sie? Was soll am Ende des Gesprächs feststehen? Ein klarer „Fahrplan“ hilft Ihnen dabei, Ihre Ziele nicht aus den Augen zu verlieren. Wichtig ist außerdem, gleich zum Beginn des Gespräches zu fragen, ob der Gesprächspartner auch die richtige Ansprechperson ist.
  • Der Notizzettel
    Wer Angst davor hat, dass einem bei eingehenden Anrufen wichtige Informationen verloren gehen, kann sich ebenfalls gut vorbereiten. Ein einfacher Notizzettel oder ein fertiger Vordruck mit allen wichtigen Fragen und Angaben hilft dabei, das Telefonat fokussiert zu führen.

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