Wenn der Job krank macht: Warnzeichen für Arbeitnehmer – Teil 2

Dass Arbeit krank machen kann, ist keine neue Information. Doch woran erkennt man, dass es höchste Zeit ist, den Job der Gesundheit zuliebe an den Nagel zu hängen? Achten Sie auf diese Warnzeichen! 


Bereits in unserem ersten Teil haben wir Ihnen aufgezeigt, auf welche Warnsignale Sie achten sollten, damit Sie nicht Ihre Gesundheit oder sogar Ihr Leben aufs Spiel setzen. Da wir damit nicht den Rahmen eines Blogbeitrages sprengen wollten, kommt nun der 2. Teil des Artikels.

Warnzeichen: Hängen Sie Ihren Job der Gesundheit zuliebe an den Nagel, wenn…

…Sie bereits innerlich gekündigt haben:

Jeder Arbeitnehmer, der eine Anstellung gekündigt hat, wird Ihnen dieselbe Story erzählen. Lange vor der tatsächlichen Kündigung fand bei ihm bereits eine sogenannte „innere Kündigung“ statt. In der Regel wissen Sie dann bereits, dass dieser Job Sie nicht nur unglücklich, sondern vielleicht sogar krank macht, und Sie hier auf Dauer nicht mehr bleiben können und wollen. Dann folgt aber erst einmal die Phase der Verdrängung, sei es aus Angst vor der ungewissen Zukunft oder um einer als persönliches Scheitern erlebten Situation zu entgehen. Fakt ist aber: Wer einmal innerlich gekündigt hat, wird in dem entsprechenden Unternehmen nicht mehr glücklich. Also laugen Sie sich nicht weiter aus und setzen unnötig lange Ihre Gesundheit aufs Spiel. Lassen Sie auf die innere direkt auch die schriftliche Kündigung folgen.

…Sie und das Unternehmen einfach nicht (mehr) zusammenpassen:

Eine solche innere Kündigung muss gar nicht immer Folge drastischer Gründe sein, wie Mobbing oder das drohende Burnout. Manchmal können Sie sich einfach nicht (mehr) mit Ihrem Arbeitgeber identifizieren. Die hier gelebte Kultur widerspricht Ihren persönlichen Werten, Ihre Moralvorstellungen schlagen Alarm oder bei den Gesprächen Ihrer Kolleginnen und Kollegen beim Mittagessen kommen Sie sich vor wie ein Alien und verstehen nur Bahnhof. Nur, weil Sie einmal in der Kantine nicht mitreden können, müssen Sie natürlich noch lange nicht gehen. Sobald die Situation Sie aber zu belasten beginnt oder Ihre Tätigkeit jeder Faser Ihres Wesens widerstrebt, begeben Sie sich lieber auf die Suche nach einer Arbeitssituation, die besser zu Ihrer Persönlichkeit passt.

…Sie sich im Job nur noch langweilen:

Wir haben das sogenannte „Boreout“ bereits in unserem ersten Teil angesprochen. Vielen deutschen Arbeitnehmern ist nicht bewusst, wie sehr Langeweile am Arbeitsplatz ihre Gesundheit ruinieren kann. Andauernde Langeweile und Unterforderung im Job führt nämlich zum Boreout, welches erschreckend ähnliche Symptome aufweist wie das bekanntere Burnout-Syndrom. Bewusst herbeigeführte Langeweile am Arbeitsplatz, zum Beispiel durch die Kollegen oder Vorgesetzten, ist mittlerweile sogar offiziell als eine Form von Mobbing anerkannt und nennt sich „Straining“. Also: Wenn Sie nicht nur mal ein oder zwei langweilige Arbeitstage haben, die Sie mit Online-Shopping oder einer Schreibtisch-Reinigungs-Aktion verplempern, sondern die Langeweile zum neuen „Normal“ wird, ist es für Sie Ihrer Gesundheit zuliebe an der Zeit für eine berufliche Veränderung – unbefristeter Arbeitsvertrag und gute Bezahlung hin oder her.

…Wertschätzung, Anerkennung und Erfolgserlebnisse ausbleiben:

Ebenso belastend kann es sein, wenn Sie schuften wie verrückt, Höchstleistungen vollbringen und Eigeninitiative zeigen – und das völlig unbemerkt bleibt. In vielen deutschen Unternehmen scheint das Motto zu herrschen „Nicht geschimpft ist gelobt genug“. Wenn auf Dauer die Wertschätzung, Beförderung oder auch Gehaltserhöhung ausbleiben und Sie sich in der Stagnation gefangen fühlen, sollten Sie sich anderweitig neue Perspektiven suchen. Ansonsten macht sich früher oder später Frustration breit. Für Ihre Gesundheit gibt es kaum ein stärkeres Gift.

…Ihre Work-Life-Balance zur Work-Work-Balance wird:

Doch nicht nur die ausbleibende Anerkennung kann zur gesundheitlichen Belastung werden, wenn Sie Überstunden nach Überstunden schieben. Auch zu viel Arbeit an sich kann Sie auf Dauer krank machen. Das Problem muss dabei nicht immer unbedingt in der Arbeit liegen, sondern in der mangelnden Freizeit. Wer nämlich 50, 60 oder gar 70 Stunden pro Woche im Job verbringt, hat kaum mehr Zeit für Hobbys, eine Familie oder einfach ein wenig Entspannung. Und wo der Ausgleich fehlt, kommt die Balance ins Wanken.

Merken Sie sich: Nur durch eine ausgewogene Work-Life-Balance können Sie auf Dauer gesund und leistungsfähig bleiben und so auch erfolgreich werden. Manchmal ist weniger eben doch mehr. Wenn Ihre Work-Life-Balance nämlich zur Work-Work-Balance wird, begeben Sie sich in einen fiesen Teufelskreis: Durch die fehlenden Ruhezeiten können Sie Ihre Energie nicht ausreichend auftanken, Sie brauchen mehr Zeit für dieselbe Tätigkeit und werden fehleranfälliger, dadurch verbringen Sie noch mehr Stunden bei der Arbeit (ohne dabei mehr zu leisten) und haben noch weniger Zeit zur Erholung. Verstehen Sie nun, wie so ein Burnout entsteht?

…Ihre Arbeitsleistung nachlässt:

Wenn Sie in diesem Teufelskreis nicht früh genug die Notbremse ziehen, merken Sie spätestens an einer nachlassenden Arbeitsleistung, dass Ihre Gesundheit bereits zu leiden beginnt. Sobald eine „schlechte Phase“ zum Dauerzustand wird und Ihre Energie zu schwinden beginnt, lassen Burnout & Co nicht mehr lange auf sich warten. Werfen Sie daher immer wieder einen realistischen Blick auf ihre Arbeitsleistung und versuchen Sie, die Gründe für eine nachlassende Performance frühzeitig zu identifizieren und zu eliminieren – notfalls eben auch durch die Kündigung. Je nachdem, wie schlimm Ihr Zustand bereits ist, sollten Sie zudem Ihren Hausarzt und/oder einen Psychologen aufsuchen. So weit sollten Sie es aber im besten Fall gar nicht erst kommen lassen.

Welche Erfahrungen haben Sie mit dem Thema gemacht? Kennen Sie weitere wichtige Warnzeichen? Wann ist es Ihrer Meinung nach an der Zeit, die Gesundheit über den Job zu stellen und die Reißleine zu ziehen? Wir freuen uns auf Ihre Erfahrungen und Tipps in den Kommentaren.


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