Big Five: Diese 5 Merkmale bestimmen, wie Sie sind

Die „Big Five“ sind nicht nur fünf große Tiere in Afrika, die Sie auf einer Safari entdecken können, sondern auch ein Modell aus der Persönlichkeitspsychologie. Es dient der umfassenden Beschreibung der menschlichen Persönlichkeit.


Am Arbeitsplatz treffen tagtäglich die unterschiedlichsten Charaktere aufeinander. Während der eine Kollege besonders harmoniebedürftig ist, kann der andere fast schon als cholerisch bezeichnet werden. Introvertierte treffen auf Extrovertierte und neben dem Spaßvogel gibt es auch in jedem Team die „Mama“, die sich um alle(s) kümmert. Die Persönlichkeit des Menschen besitzt unendlich viele Facetten. Um sie dennoch möglichst genau beschreiben zu können, wurde ab den 1930er Jahren das Modell der Big Five entwickelt.

Die fünf Hauptdimensionen der Persönlichkeit

An dieser Stelle wollen wir darauf verzichten, Ihnen die komplexe Entstehungsgeschichte des Big Five-Modells bis ins kleinste Detail zu erzählen. Stattdessen gehen wir lieber gleich zum Kern der Thematik über – nämlich den fünf Hauptdimensionen der menschlichen Persönlichkeit, die mithilfe des Modells skaliert werden können.

  • Offenheit: Gemeint ist nicht die Offenheit gegenüber anderen Menschen, sondern gegenüber neuen Erfahrungen, neuem Wissen usw. Zu dieser Dimension gehören Aspekte wie Neugier, Wissbegierde und Interessen.
  • Gewissenhaftigkeit: In dieser Dimension dreht sich alles darum, wie genau, diszipliniert und leistungsbereit Sie sind. Auch Zuverlässigkeit ist eine Eigenschaft, die diesem Bereich zugeordnet wird. Im beruflichen Kontext spielt die Dimension der Gewissenhaftigkeit eine besonders wichtige Rolle.
  • Extraversion: Die Extraversion hält fest, wie stark eine Person zu Geselligkeit und Optimismus neigt. Als Gegenteil hierzu gilt die Intraversion.
  • Verträglichkeit: In diesem Bereich geht es vorrangig um die Interaktion mit anderen Menschen. Die Verträglichkeit gibt unter anderem Aufschluss über Empathie, Kooperationsbereitschaft und Rücksichtnahme anderen gegenüber.
  • Neurotizismus: Diese Dimension befasst sich mit Persönlichkeitsschwächen wie Ängsten, emotionaler Labilität und Verletzlichkeit.

Bei jedem Menschen sind diese fünf Hauptdimensionen unterschiedlich stark ausgeprägt. Eine genaue Analyse aller Ausprägungen liefert wertvolle Erkenntnisse über die Persönlichkeit eines Menschen und kann auch im beruflichen Umfeld von Bedeutung sein.

Das Big Five-Modell im Personalwesen

Jedes Unternehmen ist darum bemüht, den perfekten Bewerber für eine Stelle auszuwählen. Neben den Hard Skills, also Abschlüssen, Qualifikationen und Fähigkeiten spielen hierbei auch die Soft Skills, sprich: bestimmte Eigenschaften und Wesenszüge eine entscheidende Rolle. Häufig wird bei der Auswahl auch das Big Five-Modell oder eine seiner Abwandlungen genutzt.

Damit kann nicht nur herausgefunden werden, ob der Bewerber zum Team passt, sondern ob er auch beispielsweise Führungsqualitäten besitzt und in der Lage ist, in schwierigen Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren. Zu den praktischen Anwendungsformen der Big Five gehören unter anderem folgende Persönlichkeitstests:

  • Der Connector Big Five Personality gibt Aufschluss über berufsbezogene Aspekte der Persönlichkeit, aber auch über andere Kompetenzen.
  • Der Reflector Big Five Personality gibt Aufschluss über die Entwicklung verschiedener Kompetenzen der Mitarbeiter. Er ist besonders geeignet, um (potentielle) Führungskräfte ausfindig zu machen.
  • Der Reflector Big Five Leadership gilt aus Ergänzung zum Reflector Big Five Pesonality und gibt noch detailliertere Informationen zum Führungspotential einer Person.

Persönliche Entwicklungsmöglichkeiten durch die Big Five

Spannend ist das Modell der Big Five jedoch nicht nur im Bewerbungsprozess oder bei der Auswahl von Führungskräften. Auch im Hinblick auf die Persönlichkeitsentwicklung einzelner Mitarbeiter können die fünf Hauptdimensionen der Persönlichkeit behilflich sein und beispielsweise bei der Gegenüberstellung von Selbst- und Fremd-Einschätzung behilflich sein.

Ein Beispiel hierfür ist das sogenannte 360 Grad-Feedback-Verfahren, bei dem es darum geht, das Verhalten eines Mitarbeiters am Arbeitsplatz ganz genau unter die Lupe zu nehmen und entsprechend der fünf Dimensionen Offenheit, Gewissenhaftigkeit, Extraversion, Verträglichkeit und Neurotizismus zu skalieren. Im Zuge des Feedback-Verfahrens kann beispielsweise herausgefunden werden, ob der Mitarbeiter teamfähig ist und mit wie viel Genauigkeit er seine Aufgaben erledigt.

Wurden eventuelle Defizite festgestellt, ist das kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. Vielmehr sollten die Erkenntnisse eines Persönlichkeitstests immer als Chance zur Verbesserung betrachtet werden. Die Big Five haben Ihnen verraten, dass Sie zu ängstlich an neue Herausforderungen herangehen oder Ihren Kollegen zu wenig Empathie entgegenbringen? Dann arbeiten Sie an diesen Schwächen! Persönlichkeiten können sich stets weiterentwickeln und „optimiert“ werden.

Die Persönlichkeitspsychologie ist ein hochkomplexes, aber auch für Laien spannendes Feld. Mithilfe der Big Five können Sie Ihre eigene Persönlichkeit mit relativ einfachen Mitteln selbst einschätzen und an gewissen Schwachstellen arbeiten.


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