Boreout: Was tun gegen die gefährliche Langeweile im Job?

Zwar mögen die Ursachen denkbar unterschiedlich sein, doch ein „Boreout“ aufgrund von Langeweile im Job äußert sich erschreckend ähnlich wie das bekanntere Burnout-Syndrom.

Stress, Hektik, Zeit- und Leistungsdruck – in vielen Berufen gehört das mittlerweile zum ganz normalen Arbeitsalltag. Was zu Beginn noch ein wahres Hochgefühl hervorrufen kann, beginnt nach einigen Monaten oder Jahren, an den Kräften zu zehren. Früher oder später fühlen sich die Betroffenen zunehmend ausgebrannt und leiden unter verschiedenen psychischen sowie physischen Beschwerden. Diagnose: Burnout-Syndrom. Tatsächlich sind die Zahlen erschreckend: Zwischen den Jahren 1996 und 2011 sind sie um über 80 Prozent gestiegen. Das bedeutet 59,2 Millionen Arbeitsunfähigkeitstage in Deutschland aufgrund psychischer Erkrankungen, und zwar pro Jahr. Rund 13 Millionen Arbeitnehmer sollen demnach vom Burnout betroffen sein. Dabei handelt es sich eigentlich nicht um ein eigenes Krankheitsbild, sondern um eine Depression, hervorgerufen durch zu viel Stress bei der Arbeit, psychischen Druck und einen Mangel an Entspannungszeiträumen. Das Traurige an der Sache ist: Viele Menschen tragen ihre Burnout-Diagnose wie eine Medaille mit sich herum, die für Fleiß, Disziplin und Leistung steht. Anders beim sogenannten Boreout-Syndrom.

Boreout – Eine Diagnose zum Schämen?

Erst einmal sei gesagt, dass Burnout genau genommen nichts mit der Arbeitsleistung einer Person zu tun hat, sondern mit dem psychischen Druck im Beruf. Dennoch: Während das Burnout-Syndrom gesellschaftlich mittlerweile mehr oder weniger akzeptiert ist, schämen sich Betroffenen hingegen für die Diagnose namens Boreout – dabei ähneln sich die beiden Krankheitsbilder auf verblüffende Art und Weise. Das Boreout-Syndrom wird auf Deutsch auch als „Ausgelangweilt-Sein“ bezeichnet. Es resultiert aus ständiger Langeweile und Unterforderung am Arbeitsplatz, meist einhergehend mit mangelnder Wertschätzung und vielleicht sogar Mobbing. Aus medizinischer Sicht handelt es sich bei dem Boreout und dem Burnout genau genommen um dieselbe Diagnose und noch genauer genommen um eine klassische Depression. Die Symptome können in beiden Fällen wie folgt aussehen:

  • Schlafprobleme
  • Antriebslosigkeit
  • Niedergeschlagenheit
  • Mutlosigkeit
  • Infektionsanfälligkeit
  • Migräne
  • Tinnitus
  • Rücken- und Gelenkschmerzen
  • Magen-Darm-Probleme
  • Schwindel
  • v. m.

Jeder individuelle Fall äußert sich demnach unterschiedlich und kann verschiedene Symptome sowie deren Kombination aufweisen. Was jedoch immer gleich bleibt, sind Ursache und Wirkung: Die fehlende Wertschätzung und Beschäftigung im Job sowie das Gefühl, seine wertvolle Lebenszeit in Langeweile abzusitzen, führen früher oder später zur inneren Kündigung. Eine äußere Kündigung ist aufgrund des typischen Persönlichkeitsprofils der Betroffenen eher selten, denn diese

  • hegen meist hohe Ansprüche an sich selbst.
  • möchten nicht aufgeben, was sie mit einem Versagen gleichstellen würden.
  • fühlen sich ihren Kollegen, ihrer Familie oder anderen Menschen verpflichtet.
  • glauben oft (noch) daran, durch eine mutige sowie offene Ansprache der Problematik die Situation ändern zu können.
  • haben ein hohes Arbeitsethos und möchten niemanden enttäuschen, sei es der Arbeitgeber, die Familie oder sich selbst.
  • sind meist stark leistungsorientiert und leiden deshalb besonders unter der Langeweile.
  • haben oft Angst vor Veränderung und verharren deshalb lieber in der ermüdenden Position.

Dadurch entsteht ein wahrer Teufelskreis, denn je länger die Langeweile am Arbeitsplatz anhält, umso mehr schwindet die Kraft, um sich gegen die Situation zu wehren oder eine Veränderung herbeizuführen, beispielsweise durch eine Kündigung. Die Betroffenen verharren also in einer Art Ohnmacht, bis sie in der Erschöpfungsdepression, sprich dem Boreout- beziehungsweise Burnout-Syndrom, landen – und damit am Arbeitsplatz ausfallen, selbst kündigen oder gekündigt werden. Dass die ständige Langeweile einen solch mächtigen Effekt auf die Psyche hat, liegt vor allem in Angstgefühlen und einem sinkenden Selbstwert begründet, während das ursächliche Problem ein (zu) hohes Verantwortungsgefühl ist. Eigentlich sind all das ebenso „löbliche“ Eigenschaften wie Disziplin, Leistung & Co, welche als Gründe für das Burnout-Syndrom angesehen werden. Das Boreout ist damit ebenso wenig wie ein Burnout ein Grund zum Schämen – allerdings auch keine Diagnose, auf die Sie stolz sein sollten.

Wege aus dem Boreout: Prävention ist besser als Reaktion

Stattdessen sollten Sie die Alarmsignale rechtzeitig wahrnehmen und eine solche Erkrankung präventiv verhindern. Denn einmal im Boreout angekommen, lassen sich Fehlzeiten für die Erholung und Therapie sowie eventuell eine Kündigung meist nicht mehr vermeiden. Stattdessen sollten Sie wie folgt vorgehen:

  • Reflektieren Sie sich in regelmäßigen Abständen selbst und hinterfragen Sie Ihre aktuelle Situation: Sind Sie glücklich? Fühlen Sie sich ausgebrannt? Gelangweilt? Krank?
  • Sollten Sie tatsächlich auf Probleme stoßen, erforschen Sie die Ursachen für Ihr Empfinden.
  • Entwickeln Sie nun Lösungsstrategien: Mit wem können Sie über das Problem sprechen? Käme eine Fort- oder Weiterbildung infrage? Eine interne Versetzung? Oder eine Kündigung?
  • Suchen Sie nun das Vieraugengespräch mit Ihrem Vorgesetzten und bitten Sie um mehr Arbeit oder eine andere Lösung gegen die Langeweile. Eventuell können Sie auch den Betriebsrat konsultieren.
  • Sollte sich weder in der Gegenwart noch in der Zukunft eine Verbesserung der Situation abzeichnen, werden Sie hingegen selbst aktiv, bewerben Sie sich intern, kündigen Sie, machen Sie sich selbstständig oder finden Sie einen anderen Ausweg, bevor es zu spät ist. Ihre Gesundheit wird es Ihnen danken!

Sollten Sie allerdings bereits ins Boreout gerutscht sein, müssen Sie die Situation akzeptieren lernen und Maßnahmen zur Genesung ergreifen. Dazu gehört in der Regel eine längere Auszeit vom Beruf in Kombination mit einer Psychotherapie ebenso wie der individuellen Behandlung eventueller körperlicher Beschwerden.

Sind auch Sie schon einmal mit dem Boreout-Syndrom in Berührung gekommen? Teilen Sie gerne Ihre Erfahrungen in den Kommentaren mit uns!


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