Business-Frauen: Vom Zickenkrieg zur „Sisterhood“

Dass Frauen es beruflich oftmals schwerer haben als ihre männlichen Kollegen, wird an vielen Stellen deutlich. Um das Geschlechterdefizit zu minimieren, entscheiden sich daher immer mehr, gemeinsame Sache zu machen. Zickenkrieg war schließlich gestern.


Woman in Digital, Digital Media Women, Women in Network – diese und unzählige weitere Business-Netzwerke speziell für Frauen zeigen deutlich, wie wichtig es immer mehr berufstätigen Frauen – egal ob selbstständig oder angestellt – ist, sich auszutauschen und gegenseitig zu unterstützen. Vorbei sind die Zeiten, als jede Frau als potentielle Konkurrentin betrachtet und (bestenfalls) missachtet wurde. Statt Stutenbissigkeit regiert inzwischen die Wir-Mentalität unter Frauen – und das ist auch gut so.

Frauen sind fürs Netzwerken geboren

Eine Forsa-Studie aus dem Jahr 2009 kam zu dem Ergebnis, dass Frauen (berufliche) Netzwerke viel häufiger und intensiver nutzen als Männer und auch eher bereit sind, einander zu unterstützen. Das überrascht recht wenig, immerhin bedeutet netzwerken, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten und eine Beziehung (egal ob freundschaftlich oder beruflich) aufzubauen – und genau darin sind Frauen eindeutig besser als Männer. Die Mehrheit der Frauen, die in Netzwerken aktiv sind, nutzt diese auf einer stark emotionalisierten Ebene. Man möchte nicht bloß einen geschäftlichen Kontakt knüpfen, sondern neue Bekanntschaften und vielleicht sogar Freundschaften schließen. Während es in von Männern dominierten Netzwerken meist nur um das harte Geschäft geht, ist es in den Business-Networks der Frauen durchaus legitim, auch mal ein Kompliment für die schicken Schuhe der Gesprächspartnerin zu vergeben.

Frauen-Netzwerke sind qualitativ hochwertig

Doch bedeutet das automatisch, dass Frauennetzwerke eine schlechtere Qualität als ihre maskulinen Pendants haben? Keinesfalls. Ja, es stimmt – Netzwerke für Business-Frauen haben häufig den Charakter eines Kaffeekränzchens, doch heißt das noch lange nicht, dass hier kein nützlicher Austausch stattfindet. Wenn die Phase des ersten Beschnupperns erst einmal vorüber ist, entfalten Frauen-Netzwerke durchaus ein gewinnbringendes Potential für alle, die sich darauf einlassen. Wichtig ist hierbei (wie auch beim Networking im Allgemeinen), nicht nur zu nehmen, sondern immer auch zu geben.

Die Bereitschaft, sich gegenseitig zu unterstützen

Der wohl größte Vorteil von Netzwerken speziell für Frauen ist die Bereitschaft, sich gegenseitig zu unterstützen. Gender Pay Gap, Frauenquoten und andere Aspekte verdeutlichen nur zu gut, dass es Frauen immer noch deutlich schwerer haben, Karriere zu machen als Männer. Anstatt es sich also auch noch untereinander schwer zu machen und in den offenen Zickenkrieg zu ziehen, nutzen immer mehr Frauen ihre Netzwerke, um sich gegenseitig beim Erreichen beruflicher (und manchmal auch privater) Ziele zu unterstützen. Es entsteht ein Gefühl der Zusammengehörigkeit und der sogenannten „Sisterhood“, das auch salopp mit dem Sprichwort „Gemeinsam sind wir stark“ übersetzt werden kann. Business-Frauen, die sich in Netzwerken organisieren, wissen sehr gut, dass sie als Einzelkämpferinnen weit weniger Chancen haben als in der Gemeinschaft.

Der Faktor Neid

Natürlich ist es vermessen und überaus naiv, zu sagen, dass Neid zu keiner Zeit eine Rolle in den Frauennetzwerken spielt. Das Gefühl, das häufig aufkommt, wenn eine andere Person etwas erreicht, was man sich selbst auch als Ziel gesteckt hat, ist vollkommen normal.

Entscheidend ist, wie letztendlich damit umgegangen wird. Gönnt man der anderen den Erfolg und beweist damit Professionalität oder erklärt man sie zur Konkurrenz, die es zu „bekämpfen“ gilt? Durch Neid ausgelöste Stutenbissigkeit unter Frauen kann (ganz allgemein) als große Zeitverschwendung eingestuft werden.

Tipp: Neid kann mit etwas Übung in Anerkennung umgewandelt werden, beispielsweise durch Reaktionen wie „Wow, Glückwunsch zum Erfolg, da wird man ja richtig neidisch.“ oder „Ich wünschte, ich könnte auch schon auf so einen Meilenstein zurückblicken. Auf jeden Fall ein Ansporn, am Ball zu bleiben.“

Unzählige Vorteile für Businessfrauen

Die Entwicklung weg vom Zickenkrieg hin zur Sisterhood bringt allen Beteiligten zahlreiche Vorteile. Die nachfolgende Auflistung soll ein paar davon nennen:

  • Austausch mit Kolleginnen und fachfremden Frauen
  • nützlicher Input zur Erweiterung des Wissensstands
  • Inspiration durch die Erfolgsgeschichten anderer Frauen
  • Rat und Hilfe in Notfall-Situationen
  • Hilfe bei der Jobsuche durch „Vitamin B“
  • Initiierung gemeinsamer Projekte

Und was ist mit den Männern?

Dieser Beitrag soll keinesfalls den Eindruck vermitteln, dass Frauen nur „untereinander“ ihre Karriere voranbringen können. Natürlich ist es ebenso sinnvoll und empfehlenswert, sich Netzwerken für Frauen UND Männer anzuschließen. Wichtig ist die Erkenntnis, dass sich Frauen einfach auf eine andere und überaus gewinnbringende Art austauschen, wenn sie unter sich sind.


Bildquelle: Syda Productions/Shutterstock