Der richtige Umgang mit dem „eigenen“ Praktikanten

Das Praktikum ist nicht nur für Schüler und Studenten eine gute Gelegenheit, Praxiserfahrungen zu sammeln, sondern auch für Unternehmen eine wichtige Institution. Doch Vorsicht: Praktikanten dürfen nicht als billige Vollzeitkräfte missbraucht werden.


Wenn einem ein „eigener“ Praktikant zugeteilt wird, ist das für viele Angestellte ein besonderer Moment. Plötzlich hat man jemanden unter sich stehen und ist ein Vorgesetzter. Dieser Aufstieg ist jedoch nicht nur mit zahlreichen Privilegien, sondern auch Pflichten verbunden. Ein Praktikant bedeutet nämlich immer auch eines, nämlich Verantwortung. Lesen Sie hier, wie Sie mit dieser richtig umgehen.

Erwartungen klären und aufeinander abstimmen

Ehe Sie sich gemeinsam mit Ihrem Praktikanten in den Arbeitsalltag stürzen, sollten Sie ein umfassendes Gespräch unter vier Augen führen. Besprechen Sie hierbei unter anderem,

  • was Sie von der Zusammenarbeit erwarten
  • was der Praktikant von der Zusammenarbeit erwartet
  • was Sie tun müssen, damit niemand enttäuscht wird

Wichtig: Praktikanten sind lernwillig und wissbegierig. Sie wollen in der Zeit, die sie in einem Unternehmen verbringen, etwas verinnerlichen, was ihnen bestenfalls auch im späteren Berufsleben weiterhilft. Machen Sie sich deswegen im Vorfeld Gedanken darüber, was Sie gern weitergeben möchten und stimmen Sie Ihre Punkte mit dem Praktikanten ab. Auf diese Weise erhält dieser die Möglichkeit, eventuell Anmerkungen zu machen. Inwieweit Sie diesen nachgeben, müssen Sie genau abwiegen. Ein Praktikum ist schließlich auch kein „Wunsch-Konzert“.

Die Aufgaben-Liste

Im Anschluss an das erste Gespräch ist es sinnvoll, gemeinsam erarbeitete Aufgaben in einer Liste festzuhalten. Diese kann in verschiedene Kategorien – beispielsweise „tägliche Aufgaben“ und „einmalige Aufgaben“ unterteilt werden. Die Liste bringt mehrere Vorteile mit sich:

  • Ihr Praktikant weiß immer, was zu tun ist
  • Sie werden daran erinnert, was Ihr Praktikant erledigen soll – und was nicht!
  • Die Arbeitsweise ist insgesamt zielorientierter und strukturierter
  • Leerläufe werden vermieden

Ein respektvoller Umgang

Ein „eigener“ Praktikant ist kein Sklave! Verabschieden Sie sich daher am besten gleich von diversen Machtspiel-Gedanken und Möglichkeiten, die Situation zu Ihren Gunsten auszunutzen (Stichwort: Unliebsame Aufgaben abwälzen). Die Zusammenarbeit sollte auf gegenseitigem Respekt aufbauen. Das bedeutet, dass der Praktikant Ihre Wertschätzung spürt und sich als wichtigen Teil des Teams versteht. Das steigert nicht nur die Motivation, sondern auch die Zufriedenheit – was sich wiederum positiv auf das Image des Unternehmens auswirkt.

Tipp: Sich gegenseitig zu duzen ist kein Anzeichen für mangelnden Respekt. Im Gegenteil. Das persönliche Annähern kann durchaus zu einer ertragreichen Zusammenarbeit beitragen.

Wichtig: Der Ausbildungscharakter

Die Gefahr, dass Praktikanten als billige Vollzeit-Kräfte ausgebeutet werden, ist permanent vorhanden und groß. Nicht wenige Unternehmen scheinen hier etwas Grundlegendes falsch zu verstehen. Ein Praktikum ist nicht da, um einer (unterbezahlten) Person möglichst viel aufzuhalsen. Es geht hierbei darum, Wissen zu vermitteln. Dementsprechend sind Unternehmen (beziehungsweise einzelne Mitarbeiter) dazu verpflichtet, einen Praktikanten auch intensiv zu betreuen. Der Gesetzgeber ist hier im Übrigen sehr hart: Ein Praktikum ist erst dann ein Praktikum, wenn ein „Ausbildungscharakter“ vorliegt. Ist dieser nicht gegeben, handelt es sich um ein herkömmliches Arbeitsverhältnis – inklusive Sozialversicherungspflicht und Mindestlohn.

So findet die optimale Betreuung eines Praktikanten statt:

  • Stellen Sie nicht zu große Erwartungen
  • Tragen Sie stets die Verantwortung
  • Leiten Sie neue Aufgaben an
  • Übergeben Sie immer nur einzelne Aufgaben und keine kompletten Projekte
  • Stehen Sie als fester Ansprechpartner immer für Fragen zur Verfügung (Tipp: Achten Sie hier auf eine geringe Hemmschwelle)
  • Kontrollieren Sie die Arbeitsschritte aktiv
  • Geben Sie umfassendes Feedback und weisen Sie auch gezielt auf Fehler hin
  • Besprechen Sie Resultate gemeinsam
  • Signalisieren Sie dem Praktikanten, dass er sich melden darf und muss, wenn man ihm zu viel zumutet
  • Sehen Sie in dem Praktikanten stets eine Ergänzung und keine „volle Kraft“

Ein Praktikum sollte immer für beide Seiten gewinnbringend sein. Vergessen Sie das niemals, wenn Ihnen ein „eigener“ Praktikant unterstellt wird.

Weitere umfassende rechtliche Informationen und Tipps zum Thema Praktikum finden Sie in dieser Broschüre vom Deutschen Gewerkschaftsbund.


Bildquelle: bikeriderlondon/Shutterstock