Die Kunst der freien Rede: Tipps für Ihre Präsentation

Halten Sie ab sofort Präsentationen, die das Publikum fesseln und begeistern, ganz ohne Spickzettel. Wie das gehen soll? Mit unseren 10 Tipps!


Sie kennen das bestimmt aus der Schule, dem Studium oder auch einer Präsentation bei der Arbeit: Es gibt auf der einen Seite diese Redner, die mit monotoner Stimme von ihrem Spickzettel ablesen und dabei höchstens zur perfekten Schlaftablette taugen. Auf der anderen Seite gibt es hingegen diese eloquenten freien Redner, die gar nicht unbedingt durch den Inhalt, sondern ihre Präsenz, Tonlage oder auch Körpersprache absolut fesselnd sind, im Nu sind eineinhalb Stunden vergangen und das Publikum ist immer noch hellwach sowie konzentriert. Müssen auch Sie in Ihrem Job immer wieder Präsentation halten, Seminare leiten oder bei Events als Redner auftreten? Zu welcher der beiden genannten Varianten möchten Sie dann wohl gehören? Mit unseren folgenden zehn Tipps und Tricks werden auch Sie schon bald zu einem freien Redner, der die Zuhörer begeistert.

Tipps für die Präsentation

Tipp 1: Halten Sie sich an einen roten Faden
Es ist durchaus spannend, wenn Sie trockene Inhalte durch Anekdoten oder lustige Geschichten ein wenig auflockern möchten. Achten Sie aber dennoch darauf, dass Ihre gesamte Rede beziehungsweise Präsentation einen roten Faden hat und Sie diesen in keinem Moment aus dem Auge verlieren. Sobald die Zuhörer nämlich Ihren Gedankensprüngen nicht mehr folgen können, werden sie abschalten und wer einmal in den Sphären der Tagträume schwebt, wird nur selten wieder als aktiver Zuhörer zurückgewonnen. Reihen Sie Ihre Argumente also sinnvoll aneinander, sodass sie zu einer logischen Schlussfolgerung führen.

Tipp 2: Apropos Geschichten und Anekdoten
Die erwähnten Geschichten und Anekdoten sollten Sie aber natürlich dennoch an einer sinnvollen Stelle einbauen. Mal ehrlich: Welche Vorträge sind Ihnen in Ihrem Leben am ehesten im Gedächtnis geblieben? Es waren gewiss diejenigen, bei welchen Sie mehrmals herzlich lachen mussten. Besonders positiv sind daher lustige und persönliche Geschichten aus dem eigenen Leben oder dem sozialen Umfeld – aber bitte keine konkreten Namen nennen. Persönliche Anekdoten machen Sie nämlich einerseits für das Publikum nahbarer und greifbarer, andererseits bleibt es durch das Gelächter fit. Zudem ärgern sich abgeschweifte Zuhörer oft, dass sie wohl gerade einen Witz verpasst haben und werden fortan aufmerksamer Ihrer Rede folgen. Schlussendlich macht auch Ihnen die Präsentation in einer lockeren Atmosphäre gewiss mehr Spaß und nimmt ein wenig den Druck sowie die Nervosität von Ihren Schultern. Überlegen Sie sich also einmal: Welche lustigen Geschichten aus Ihrem Leben können Sie an welcher Stelle in Ihrer Rede thematisch passend einbauen?

Tipp 3: Emotionen sind der Schlüssel zu Ihren Zuhörern
Lachen ist aber nicht die einzige Emotion, die Sie mit Ihrer Rede wecken können. Die Regel lautet: Emotionen ja, doch sie sollten natürlich stets zur Rede passen. Halten Sie also zum Beispiel einen Vortrag über die verheerenden Folgen der Klimaerwärmung für eine vom Aussterben bedrohte Tierart, sind lustige Anekdoten vielleicht weniger angebracht. Dennoch müssen Sie nicht zum monotonen, sachlichen und langweiligen Modus greifen. Wecken Sie dennoch Emotionen, zum Beispiel Wut, Betroffenheit, Angst oder auch Hoffnung. Je eher Sie es schaffen, eine oder mehrere dieser Emotionen bei Ihren Zuhörern aufrecht zu erhalten, umso länger werden Sie ihnen im Gedächtnis bleiben und damit auch die eigentliche Botschaft Ihrer Rede.

Tipp 4: Aussagen durch Beispiele untermauern
Die Botschaft Ihrer Rede kommt zudem noch besser bei Ihren Zuhörern an, wenn Sie Ihre Aussagen auch durch Beispiele untermauern. Stellen Sie also nicht einfach Thesen in den Raum oder werfen Sie mit blinden Argumenten um sich, sondern erklären Sie Ihre Aussagen möglichst anschaulich, nachvollziehbar und logisch. Besonders sinnvoll sind hierfür Situationen, die vermutlich jeder Ihrer Zuhörer aus dem eigenen Leben kennt – achten Sie während Ihrer Rede einmal auf ein zustimmendes Nicken oder Schmunzeln Ihrer Zuhörer.

Tipp 5: Schluss mit dem Wasserfall! Langsam und verständlich reden
Sie kennen das gewiss: In der Nervosität möchten Sie die Rede schnell hinter sich bringen und beginnen (unbewusst) wie ein Wasserfall zu sprechen. Dadurch verhaspeln Sie sich aber nicht nur schnell, Sie schlagen auch Ihre Zuhörer in die Flucht – zumindest gedanklich. Atmen Sie deshalb vor Ihrer Präsentation tief ein, machen Sie ausreichend Pausen zwischen den Sätzen, achten Sie auf Ihr Sprechtempo und bleiben Sie auch bei Versprechern immer locker und ein wenig selbstironisch. Irren ist nun einmal menschlich, das wissen auch Ihre Zuhörer.

Tipp 6: „Schau mir in die Augen, Kleines“
Blickkontakt ist natürlich auch bei einer Rede die Regel Nummer eins. Wie wirkt es auf Sie, wenn jemand im Vieraugengespräch stets auf den Boden, die Uhr oder sonst wohin blickt, nur nicht in Ihre Augen? Das ist nicht nur unhöflich, Sie werden auch in Kürze das Interesse an dem Gespräch verlieren. Bei Ihrer freien Rede sollten Sie daher auch zu Ihren Zuschauern den Blickkontakt suchen oder diese hin und wieder sogar direkt ansprechen und in die Präsentation einbeziehen. So halten Sie das Interesse hoch, die Zuhörer wach und Ihre Rede abwechslungsreich sowie spannend.

Tipp 7: „Freie“ Rede bedeutet auch „freie“ Körperhaltung
Um Ihre Präsenz noch zu verstärken, sollten Sie zudem auf Ihre Körpersprache achten. Ganz gemäß dem Motto „freie Rede“ soll demnach auch Ihre Körperhaltung frei und locker wirken. Stellen Sie sich einfach vor, ein riesiger Scheinwerfer sei auf Ihren gesamten Körper gerichtet. Ihre Blickrichtung sowie Ihr Oberkörper sollten frontal zum Publikum stehen, Ihre Arme werden niemals vor dem Körper verkreuzt und damit auch die Beine nicht zu steif werden, laufen Sie doch gerne während der Rede auf und ab.

Tipp 8: Der erhobene Zeigefinger und die geballte Faust
Nicht nur Ihre gesamte Körperhaltung, sondern auch die Gestik kann Ihre Argumente entweder untermauern oder entschärfen. Die geballte Faust, der erhobene Zeigefinger oder auch die „Waagschale“ mit den Händen sind Beispiele für solche Gesten, die wohl jeder Ihrer Zuhörer richtig zu deuten weiß. Für eine besondere Akzentuierung können Sie zudem Zeigefinger und Daumen aufeinanderlegen oder Sie wenden Ihre offenen Handflächen zum Publikum als Geste der Ehrlichkeit beziehungsweise „reinen Weste“.

Tipp 9: Die Kunst der freien Rede ist die Kunst des guten Gedächtnisses
Natürlich ist es schwierig eine Rede von mehreren Minuten oder gar einer Stunde völlig frei ohne Spickzettel zu halten. Sie können daher durchaus Stichworte notieren, am besten auf kleinen Karteikarten, sodass Sie immer wieder spicken können. Noch besser ist es aber natürlich, tatsächlich komplett frei zu reden. Hierfür können Sie Ihrem Gedächtnis aktiv auf die Sprünge helfen. Wie? Der Trick ist eigentlich ganz einfach: Stellen Sie sich Ihre Rede in Bildern oder als Video vor, gerne auch abstrakt im Sinne einer Eselsbrücke. Spielen Sie diesen Film nun während der Präsentation in Ihrem Kopf ab und nehmen Sie ihn als Orientierung für Ihre freie Rede.

Tipp 10: Wechseln Sie die Perspektiven
Schlussendlich muss die Rede vor allem Ihren Zuschauern gefallen. Deshalb sollten Sie in der Lage sein, sich auch einmal in ihre Perspektive hinein zu versetzen, ihre Bedürfnisse und Wünsche wahrzunehmen und die Rede entsprechend dieser Merkmale objektiv zu bewerten. Prinzipiell hat der Zuhörer nämlich nur einen Wunsch: Er möchte Informationen beziehungsweise Lösungen für ein Problem auf möglichst unterhaltsame Weise vermittelt bekommen. Stellen Sie sich also nach der Vorbereitung Ihrer Rede die Frage „Welchen Mehrwert haben meine Zuhörer, nachdem sie meiner Rede gelauscht haben?“. Sobald Sie hierauf eine klare Antwort geben können, steht Ihrer erfolgreichen freien Rede nichts mehr im Wege.


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