Digital Natives: Wer sind sie und was macht sie so besonders?

Digital Natives, zu Deutsch: digitale Ureinwohner, sind gerade sehr gefragt auf dem Arbeitsmarkt. Doch wer gehört eigentlich zu dieser Personengruppe und warum sprechen alle über sie?


Sie sind jung, motiviert und sitzen fest im Sattel, wenn es um das Thema World Wide Web geht. Der Begriff der Digital Natives beschreibt jene Generation, die mit dem Internet und all seinen Neuheiten, Besonderheiten und Veränderungen aufgewachsen ist und das Medium daher wie keine andere kennt. Dieser Umstand kommt den digitalen Ureinwohnern insbesondere auf dem Arbeitsmarkt zu gute. Branchen, die stark von der Digitalisierung geprägt sind und sich stetig weiterentwickeln, sind auf der Suche nach Leuten, die das WWW sozusagen mit der Muttermilch aufgesogen haben.

Wer gilt als Digital Native?

Auch wenn die Digital Natives gerade in aller Munde sind, kann kaum einer genau definieren, wer alles dazugehört und wer doch ein digital Immigrant (ein digitaler Einwanderer) ist. Fakt ist, dass die Ansichten der Experten – wie so oft – deutlich auseinandergehen. Das liegt unter anderem daran, dass sich das Internet nicht überall gleich schnell durchgesetzt und etabliert hat. Während die Entwicklung in den USA besonders schnell voranschritt, hat es in Deutschland noch ein paar Jahre mehr gebraucht, ehe dieses neue Medium vollständig bei uns angekommen ist. Besonders anschaulich wird die Ungleichheit, die auch durch die Verfügbarkeit des Internets hervorgerufen wird, wenn man sich folgende Zahlen vor Augen führt:

  • Anteil der Digital Natives in Südkorea: rund 99 Prozent
  • Anteil der Digital Natives in Sierra Leone: rund 1 Prozent

Hinweis: Die Rolle des Internets in Entwicklungsländern wird sich in den kommenden Jahren maßgeblich verändern, sodass davon ausgegangen werden kann, dass auch die Zahl der Digital Natives steigen wird.

Trotz aller Unstimmigkeiten hat sich jedoch eine recht allgemeine Definition der Digital Natives durchgesetzt. Man versteht darunter jene Generation, die vom Kindesalter an mit neuen Technologien und dem Fortschritt der Digitalisierung aufgewachsen ist. Grob zusammengefasst handelt es sich hierbei um alle Menschen, die 1980 und später aufgewachsen sind.

Info: Der Begriff Digital Native wurde übrigens durch den US-Amerikanischen Autor und Lehrer Marc Prensky geprägt. Dieser lenkte 2001 erstmals die Aufmerksamkeit auf die digitalen Ureinwohner, indem er die Artikel Digital Natives, Digital Immigrants und Do They Really Think Differently? veröffentlicht hat.

Was unterscheidet Digital Natives von Digital Immigrants?

Natürlich ist der effektive Umgang mit dem Internet nicht nur Digital Natives vorbehalten. Auch Menschen älterer Jahrgänge haben es durchaus verstanden, das Medium für sich zu entdecken und gewinnbringend zu nutzen. Menschen, die in den 1970er Jahrgängen geboren wurden, werden als Digital Immigrants, sprich: digitale Einwanderer, bezeichnet.

Sie sind nicht mit dem Internet und all seinen Begleiterscheinungen aufgewachsen, sondern haben es im Nachgang kennengelernt. Im Unterschied zu den Digital Natives fehlt ihnen das natürliche Verständnis für bestimmte Abläufe und die Fähigkeit, gewisse Dinge einfach hinzunehmen – ein Fakt, der dazu führt, dass Digital Natives gerade überaus begehrt auf dem Arbeitsmarkt sind.

Ein weiterer Unterschied der Digital Immigrants gegenüber den Digital Natives ist der weiterhin bestehende Bezug zum Analogen. Ein sehr anschauliches Beispiel hierfür ist der Email-Verkehr, der nicht weitergeleitet, sondern ausgedruckt und in Papierform übermittelt wird.

Die neuen Stars auf dem Arbeitsmarkt

Dass die Digital Natives häufig auch der Generation Praktikum angehören, verdeutlicht, in welchem Zwiespalt sich die jungen Menschen befinden, wenn es um die Themen Berufseinstieg und Arbeitsmarkt geht. Einerseits als neue Fachkräfte gefeiert, andererseits als ewige Praktikanten degradiert. Aber was ist es eigentlich, was dafür sorgt, dass die Digital Natives so aus der breiten Masse der Bewerber hervorstechen. Die folgende Übersicht macht deutlich, welche Asse die digitalen Ureinwohner alles im Ärmel haben:

  • Sie nutzen das Internet als ganz natürliches, selbstverständliches Medium, das es schon immer gegeben hat
  • Sie sind es gewohnt, sich auf schnelle Wechsel und Neuheiten einzustellen (in der Kommunikation, in der Datenverarbeitung usw.)
  • Sie sind einen schnellen Informationsaustausch gewohnt und können ihre Arbeitsweise daran anpassen
  • Sie sind hochgradig vernetzt
  • Sie bearbeiten mehrere Prozesse parallel (Stichwort: Multitasking)
  • Sie stellen Querverbindungen her, auch wenn diese sehr abstrakt sind
  • Sie beziehen Informationen nicht nur aus klassischen Quellen, sondern auch aus Blogs, Podcasts, Social Networks, Wikis, usw. und haben dadurch einen sehr weiten Horizont
  • Sie konsumieren aktiv und nicht passiv (als Abgrenzung zur „Generation Fernsehen“)

Es ist damit zu rechnen, dass die Digital Natives den Arbeitsmarkt in den kommenden Jahren prägen und maßgeblich verändern werden. Hierdurch wird die Lücke zwischen gesellschaftlicher Realität und aktueller Unternehmensstruktur geschmälert.


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