Elternzeit: Wenn der Papa zu Hause bleibt

Können auch Väter Elternzeit nehmen? Kann ihnen während dieser Zeit gekündigt werden und was gibt es bei der Elternzeit für Väter zu beachten? Wir klären die wichtigsten Fragen. 


Elternzeit ermöglicht es Arbeitnehmern, sich eine Auszeit vom Job zu nehmen, um sich um das Kind zu kümmern, ohne dabei den Kontakt zur Arbeitswelt zu verlieren. In den vergangenen Jahren haben sich auch immer mehr Väter für die Elternzeit entscheiden – allein 97.000 im zweiten Quartal 2015. Doch haben Väter die gleichen Rechte wie Mütter und welche beruflichen Nachteile kann eine Elternzeit für Väter mit sich bringen?

Warum gehen Väter in Elternzeit?

Warum Väter in Elternzeit gehen, kann unterschiedliche Gründe haben. Zum einen nutzen viele Eltern die Gelegenheit, besonders in der Anfangszeit eine enge Bindung zu ihrem Kind aufzubauen, indem sie möglichst viel Zeit mit dem neuen Familienmitglied verbringen. Darüber hinaus bietet die Elternzeit auch die Gelegenheit für gemeinsame Unternehmungen oder den Alltag mit Kind kennenzulernen. Eine weitere Motivation liegt in der Unterstützung der Mutter, um diese nach der Geburt zu entlasten oder ihr den späteren beruflichen Wiedereinstieg zu erleichtern.

Ob und wie lange Väter in Elternzeit gehen, hängt häufig von der beruflichen Rollenverteilung ab: Ist der Vater Alleinverdiener, sind beide Eltern berufstätig oder war bisher die Mutter Hauptverdienerin?

Welche beruflichen Nachteile kann die Elternzeit für Väter mit sich bringen?

Keine  sollte eigentlich die Antwort sein. In der Realität sieht dies doch leider anders aus. Zwar sind viele Arbeitgeber der Elternzeit gegenüber positiv eingestellt, aber eben nicht jeder. Denn während der Chef bei Müttern hinnimmt, was aus biologischer Sicht sowieso nicht zu ändern ist, wird die Elternzeit für Väter vielfach als neumodischer Quatsch empfunden. So ist theoretisch möglich, dass Arbeitnehmer direkt nach der Elternzeit nicht mehr an Ihren vorherigen Arbeitsplatz zurückkehren können. Zwar haben Sie nach Ihrer Rückkehr Anspruch auf einen gleichwertigen Arbeitsplatz, es darf also keine finanzielle Benachteiligung entstehen. Jedoch könnten Ihnen zuvor zugestandene Kompetenzen entzogen werden, sofern diese nicht vertraglich vereinbart wurden. Auch eine Kündigung ist nach der Rückkehr aus der Elternzeit möglich.

Elternzeit: Die wichtigsten Fakten

  • Väter haben als Arbeitnehmer ebenso wie Mütter einen gesetzlichen Anspruch auf Elternzeit. Dabei erfolgt eine unbezahlte Freistellung von der Arbeit über einen Zeitraum von bis zu drei Jahren pro Kind. Nach dieser Zeit muss der Arbeitgeber seinen Mitarbeitern ermöglichen, ins Unternehmen zurückzukehren.
  • Während Mütter durch den gesetzlichen Mutterschutz vor einer Kündigung sicher sind, wenn sie direkt für den Zeitraum nach der Geburt Elternzeit anmelden möchten, genießen zwar auch Väter während der Elternzeit Kündigungsschutz, je nach Verhältnis zum Arbeitgeber und dessen Einstellung besteht allerdings das Risiko, noch vor Antritt oder nach Ende der Elternzeit gekündigt zu werden.
  • Damit Ihnen nicht schon vor der Geburt Ihres Kindes gekündigt wird und Sie ohne Angst vor einer Kündigung die Elternzeit beantragen können, sollten Sie sich zwar an die Fristen halten, jedoch nicht schon weit im Voraus Ihre Elternzeit ankündigen. Generell gilt: Sieben Wochen vor Beginn muss der Arbeitgeber über die Elternzeit informiert werden. Der Sonderkündigungsschutz beginnt allerdings schon acht Wochen vor dem Start der Elternzeit. Kurzum: Sie haben exakt eine Woche Spielraum, damit Sie die Antragsfrist zur Elternzeit auf keinen Fall versäumen, Ihnen der Arbeitgeber allerdings auch nicht mehr vor Antritt der Elternzeit kündigen kann.

Elternzeit und Elterngeld

2007 hat der Gesetzgeber den arbeitsrechtlichen Anspruch auf Elternzeit durch das Elterngeld ergänzt. Demnach werden werdende Eltern finanziell unterstützt, wenn sie sich um ihr Kind kümmern und deshalb nicht Vollzeit arbeiten können. Das Elterngeld richtet sich dabei nach dem durchschnittlichen Einkommen der zwölf Monate vor der Geburt des Kindes. Wer für diesen Zeitraum kein Einkommen vorweisen kann (Hausfrauen, Studenten, Arbeitslose), erhält einen monatlichen Betrag von 300 Euro. Ansonsten gilt: Sie bekommen 67 Prozent des durchschnittlichen Netto-Einkommens, maximal aber 1.800 Euro. Zudem muss das Elterngeld nicht versteuert werden. Wer über 250.000 Euro jährlich verdient hat, hat keinen Anspruch auf Elterngeld.

Die Zahlung des Elterngeldes erfolgt für die ersten zwölf bis 14 Lebensmonate des Kindes. Dabei können die Eltern untereinander aufteilen, wer wie lange zu Hause bleiben möchte. Wenn nur ein Elternteil zu Hause bleibt, wird das Elterngeld maximal ein Jahr ausbezahlt.

Während das Elterngeld für maximal 14 Monate bezahlt wird, dürfen Sie allerdings deutlich mehr Elternzeit nehmen. Das Maximum beträgt dabei 36 Monate für die ersten drei Lebensjahre des Kindes. Zudem können zwischen dem 3. und 8. Geburtstag des Kindes weitere 24 Monate verteilt werden, die allerdings von den 36 Monaten abgezogen werden.


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