Emotionale Führung: Wie und wofür das Ganze?

Emotionale Führung ist nach wie vor der seltenste Führungsstil in deutschen Unternehmen. Warum Sie ihn aber nicht unterschätzen sollten sowie dessen Vorteile lesen Sie folgend.

Führungsstile gibt es viele verschiedene. Sie schwanken je nach Unternehmen und intern noch einmal abhängig von der jeweiligen Führungskraft. Eine Studie aus dem Hause Rochus Mummert mit 1.000 befragten Arbeitnehmern in Deutschland kam jedoch zu dem Ergebnis, dass bei all der Vielfalt nach wie vor ein Ansatz überwiegt: Befehl und Gehorsam. Immerhin folgt mit nur einem Prozentpunkt weniger, 23 Prozent, eine „coachende“ Führung, anschließend mit 16 Prozent ein fordernder, mit 15 Prozent ein visionärer und mit 13 Prozent ein demokratischer Führungsstil. Die emotionale Führung bildet hingegen das Schlusslicht und spiegelt für nur zehn Prozent der Befragten aktuell den Arbeitsalltag wider.

Dennoch dürften sich diese Zahlen schon in naher Zukunft verschieben. Befehl und Gehorsam ist schließlich nicht das Prinzip, nach welchem Arbeitnehmer gerne geführt werden. Im Zuge des Fachkräftemangels erlangen sie nun immer mehr Macht. Fühlen sie sich bei einem Arbeitgeber nicht wohl, wechseln sie kurzerhand. Angebote gibt es für begehrte Fachkräfte in beispielsweise der IT- oder Tech-Branche zahlreiche. Für den Arbeitgeber bedeutet das also: Er muss umdenken und seinen Führungsstil mehr an die Wünsche sowie Bedürfnisse der Angestellten anpassen, wenn er zukünftig noch ausreichend Mitarbeiter gewinnen sowie langfristig im Unternehmen halten möchte. In diesem Zuge wird die emotionale Führung mehr Bedeutung erlangen. Aber wieso?

Definition: Welche Besonderheiten bringt die emotionale Führung mit sich?

Der sogenannte „gefühlsorientierte Führungsstil“ gehört zu den sechs Führungsstilen nach Daniel Goleman, einem US-amerikanischen Psychologen sowie Wissenschaftspublizisten. Demnach beschreibt die emotionale Führung den offenen Umgang mit Gefühlen im Team. Sowohl die eigenen Emotionen als auch jene der Mitarbeiter stehen für die Führungskraft im Fokus. Durch eine bestmögliche Befriedigung der emotionalen Bedürfnisse aller Individuen sollen vertrauensvolle, positive sowie auf Respekt basierende Beziehungen entstehen. Ziele sind ein enges Teamgefühl, eine hohe Motivation sowie eine emotionale Zufriedenheit aller Beteiligten. Das Besondere an der emotionalen Führung ist laut Goleman aber deren Verknüpfung mit weiteren Führungsstilen. Sie eignet sich demnach optimal für den Einsatz bei akuten Konflikten oder Verstimmungen im Team. Sie kann zudem präventiv eingesetzt werden, um die Beziehungen zwischen den Mitarbeitern sowie den Vorgesetzten zu stärken und dadurch Konflikte oder ein schlechtes Arbeitsklima von Vornherein zu vermeiden. Dennoch sollte der gefühlsorientierte Führungsstil nicht alleine stehen, sondern beispielsweise mit der demokratischen, coachenden oder visionären Führung kombiniert werden.

Worin liegen die Vorteile des gefühlsorientierten Führungsstils?

Wenn die emotionale Führung nicht selbstständig funktioniert, wofür dann überhaupt das Ganze? Diese Frage mögen sich viele Führungskräfte stellen, welche erstmalig mit dem gefühlsorientierten Ansatz in Berührung kommen. Nach wie vor gelten Emotionen in zahlreichen Unternehmen – vor allem jenen mit dem Mechanismus „Befehl und Gehorsam“ – als Tabuthema. Gefühle gehören ins Privatleben. Im Berufsleben ist Professionalität gefragt. Punkt. Leider ist dieser Denkansatz veraltet. Menschen sind schließlich Menschen, unabhängig davon, ob sie sich gerade im beruflichen oder privaten Kontext bewegen. Alle Denk- und Handlungsweisen sind von Emotionen gesteuert. Da sich diese nicht abschalten lassen, sollten sich Vorgesetzte die Macht der Gefühle bewusst machen: Sie können sowohl großen Schaden anrichten als auch eine hohe intrinsische Motivation auslösen. Werden Emotionen von der Führungskraft (zu lange) ignoriert, werden sie sprichwörtlich zum Fluch. Sie können das Arbeitsklima vergiften, für Konflikte sorgen oder Frustration hervorrufen – um nur einige mögliche negative Konsequenzen zu nennen.

Wer hingegen den Ansatz der emotionalen Führung richtig einzusetzen versteht, kann aus dem Fluch einen wahren Segen machen. Die Vorteile des gefühlsorientierten Führungsstils sind zum Beispiel:

  • präventive Konfliktvermeidung
  • Verbesserung des Arbeitsklimas
  • Bildung einer Vertrauensbasis
  • Stärkung des „Wir-Gefühls“ im Team
  • emotionale Zufriedenheit sowie Ausgeglichenheit
  • gesteigerte Loyalität und Mitarbeiterbindung
  • Förderung von Kreativität und Innovation
  • v. m.

Wie funktioniert die emotionale Führung?

Die Grundlage einer erfolgreichen gefühlsorientierten Führung ist Empathie seitens der Führungskraft. Sie muss sich in die Mitarbeiter hineinversetzen können und ein feines Gespür für Stimmungen oder Konflikte in zwischenmenschlichen Beziehungen besitzen. Gleichzeitig muss sie die Mitarbeiter aber auch ermutigen, offen über ihre Gefühle zu sprechen oder sich bei Konflikten frühzeitig an die Führungskraft zu wenden, bevor diese eskalieren. Der Chef muss also eine Vorbildrolle einnehmen und einen offenen Umgang mit Emotionen pflegen. Gefühle zu zeigen, sollte aber natürlich in einem professionellen Ausmaß stattfinden. Sie können wütend oder traurig sein und das authentisch kommunizieren – jedoch keinen Wutausbruch erleiden oder in Tränen ausbrechen. Es soll also in erster Linie darum gehen, Gefühle wahrzunehmen und auf einer professionellen Ebene zu behandeln. Zudem können positive Emotionen wie Leidenschaft gezielt gefördert und „belohnt“ werden. Dieser Mix aus einem Abbau negativer und einer Förderung positiver Emotionen bringt schlussendlich die gewünschten Ergebnisse.

Welche weiteren Tipps, Meinungen oder Erfahrungen haben Sie zum Thema „gefühlsorientierter Führungsstil“? Hinterlassen Sie gerne einen Kommentar!


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