Existenzangst: Wie Führungskräfte durch mehr Sicherheit die Motivation erhöhen

Viele Menschen leiden unter Existenzangst. Dazu gehört auch die Angst vor dem Jobverlust, welche von einigen Führungskräften bewusst genährt wird. Die Devise sollte stattdessen Sicherheit lauten. Aber wieso und was hat diese mit Motivation zu tun?

Jeder Mensch hat Angst. Dieser Urinstinkt ist nach wie vor unerlässlich für ein erfolgreiches Leben und Überleben. Wer keine Angst hat, geht schließlich unkalkulierte Risiken ein – wie den Sprung aus großer Höhe ohne Sicherheitsvorkehrungen, um ein Extrembeispiel zu nennen. Angst ist daher im wahrsten Sinne des Wortes überlebenswichtig und sollte nicht als Schwäche oder negative Emotion heruntergespielt werden. Dennoch leiden viele Menschen heutzutage unter übertriebenen Ängsten wie der Existenzangst. Genau genommen müsste in Deutschland theoretisch niemand um seine Existenz bangen, allein schon aufgrund des umfangreichen sozialen Auffangnetzes. Dennoch plagen sich viele Deutsche Tag für Tag mit Sorgen rund um einen Jobverlust, den abzubezahlenden Kredit oder ihre Gesundheit.  Das kann so weit gehen, dass die Lebensqualität bis hin zur Depression deutlich sinkt. Dahinter steckt das Grundbedürfnis eines jeden Menschen nach Sicherheit – und genau dieses sollten sich Führungskräfte zunutze machen.

Warum Führung durch Angst nicht das passende Konzept ist

Der Gegenpol zum Urinstinkt der Existenzangst ist also das menschliche Grundbedürfnis nach Sicherheit. Leider machen nach wie vor viele Führungskräfte den Fehler, Mitarbeiter bewusst durch das Schüren von Angst motivieren zu wollen. Das beginnt bereits eine Stufe davor, bei der Vergabe befristeter Arbeitsverträge. So bleibt von Beginn an ein Fragezeichen hinter der neuen Stelle. Und selbst beim Übergang in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis fürchten viele Arbeitnehmer noch – begründet oder unbegründet – um ihren Job. Ein großer Irrtum wäre an dieser Stelle die Annahme, den Mitarbeiter durch die Existenzangst zu Höchstleistungen antreiben zu können, ganz gemäß dem Motto: Wer um seinen Arbeitsplatz fürchtet, der strengt sich doppelt und dreifach an. Das mag auf den ersten Blick durchaus stimmen. Auf den zweiten Blick setzt der Angstmodus den Mitarbeiter aber unter einen enormen Druck. Früher oder später wird sich der Dauerstress negativ auf seine Gesundheit sowie seine Zufriedenheit auswirken. In Zeiten des Fachkräftemangels ist die Konsequenz dann nicht selten die arbeitnehmerseitige Kündigung, um zur „sicheren“ Stelle bei der Konkurrenz zu wechseln. Führung durch Angst ist daher nicht nur ein unmenschliches, sondern auch ein wenig zielführendes Konzept. Aber wie sieht die Alternative aus?

Führungsverantwortung übernehmen bedeutet, Sicherheit zu kreieren

 Existenzangst hat viele Dimensionen: Geld, Gesundheit und sozialer Rückhalt sind nur einige davon. Dementsprechend braucht es mehrere unterschiedliche Maßnahmen, um Mitarbeitern ein Gefühl von Sicherheit zu geben und dadurch ihre Ängste abzubauen. Dazu gehört ein Gehalt, das zum Überleben reicht, ebenso wie ein unbefristeter Arbeitsvertrag – obwohl es „absolute“ Sicherheit natürlich niemals geben wird, hält dieser zumindest die Illusion am Leben. Doch Führung bedeutet auch, eine Atmosphäre der Sicherheit zu kreieren. Sie müssen ein Vertrauensverhältnis zwischen den Mitarbeitern sowie gegenüber den Vorgesetzten aufbauen. Die Betroffenen müssen das Gefühl haben, im Fall der Fälle sozialen Rückhalt zu erleben und aufgefangen zu werden. Nur in einem Arbeitsumfeld, in welchem sie sich möglichst sicher fühlen, können sie auch entspannen und sich auf die wirklich wichtigen Dinge konzentrieren. Die Folgen:

  • sinkender Stresspegel
  • bessere Gesundheit
  • gesteigerte Leistungsfähigkeit
  • mehr Konzentration
  • höhere Produktivität
  • geringere Fehleranfälligkeit
  • verbesserte Arbeitsatmosphäre
  • Konfliktprävention
  • steigende Zufriedenheit und Mitarbeiterloyalität
  • Und, und, und…

Doch wie funktioniert es, diese Atmosphäre aus Sicherheit und Vertrauen herzustellen und beizubehalten?

Vertrauen und Sicherheit entstehen aus Menschlichkeit

Führungskräfte stehen stets im Spannungsverhältnis zwischen wirtschaftlichen Zielvorgaben und ihren Führungsaufgaben. Einerseits möchten sie Mitarbeiter also zu Höchstleistungen antreiben und stehen häufig unter großem Druck. Schwäche, Krankheit oder Ängste gelten daher als Störfaktoren und sollten bestenfalls eliminiert werden. Andererseits sind Führungskräfte selbst „nur“ Menschen und leiden häufig unter mehr oder minder stark ausgeprägten Existenzängsten oder der Angst vor dem Jobverlust, wenn sie besagte Zielvorgaben nicht einhalten können. Es geht also darum, die Menschlichkeit nicht aus den Augen zu verlieren und das Thema Angst bewusst zu adressieren. Brechen Sie das Tabu und holen Sie die Thematik auf die Agenda. Über Ängste zu sprechen, das kann bereits kleine Wunder bei deren Abbau bewirken – mit all den genannten positiven Konsequenzen. Wenn die Mitarbeiter das Gefühl haben, Sie hegen ein offenes Ohr für deren Befürchtungen und haben Verständnis, erwirken Sie eine Vertrauensbasis und dadurch im zweiten Schritt auch ein Gefühl der Sicherheit. Zudem müssen Sie selbst eine Vorbildrolle einnehmen, Ihre eigenen Ängste reflektieren und akzeptieren. Geben Sie solchen Emotionen wie der Existenzangst Raum im Arbeitsalltag und machen Sie deutlich, dass Ängste keine Schwäche bedeuten. Führen Sie also ein positives Angstverständnis im Unternehmen ein – ohne das Thema überzubewerten. Sie sind schließlich kein Psychotherapeut. Auch hierbei geht es also schlussendlich wieder darum, das richtige Maß zu finden.

Was denken Sie: Wie viel Raum soll und darf die Existenzangst im Berufsleben einnehmen? Wie sieht Ihrer Meinung nach der „richtige“ Umgang mit Ängsten aus? Vielen Dank für Ihren Kommentar!


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