Facebook-Freundschaftsanfrage vom Chef: Wie verhalte ich mich richtig?

Was tun, wenn man eine Facebook-Freundschaftsanfrage vom Chef erhält? Annehmen oder ablehnen? Und auf welche Folgen muss man vorbereitet sein?


Soziale Netzwerke, allen voran natürlich Facebook, sind ein fester Bestandteil unseres Lebens geworden. Sie sind nicht nur Kommunikationsmedien, sondern auch Orte des Austausches, an denen wir Erinnerungen, Ereignisse und Ansichten mit unseren Freunden, Verwandten und Bekannten teilen. Auch Kollegen tummeln sich bisweilen häufig in der eigenen Facebook-Timeline. Doch was ist, wenn auch der Chef plötzlich mit einem befreundet sein will?

Muss die Freundschaftsanfrage vom Chef angenommen werden?

Eine vollkommen normale Situation: Sie loggen sich in Ihrem Facebook-Account ein, um die neuesten Neuigkeiten zu checken. Das erste, was Sie auf der Startseite sehen, ist eine Freundschaftsanfrage. Freude und Neugier vermischen sich. Wer das wohl sein wird? Vielleicht ein alter Schulfreund? Die Bekanntschaft vom Wochenende? Falsch, es ist Ihr Chef.

Freundschaftsanfragen vom Vorgesetzten sind eine äußerst prekäre Lage, der sich Angestellte immer häufiger ausgesetzt sehen. Natürlich handelt es sich hierbei um einen Konflikt, der erst mit den sozialen Netzwerken aufgekommen ist. Noch vor wenigen Jahren hätte niemand auch nur einen Gedanken daran verschwendet.

Das Problem ist folgendes: Nicht nur soziale Medien, sondern auch die allgemeine Entwicklung sozialer Strukturen sorgen dafür, dass die Grenzen zwischen Beruf und Privatleben immer mehr verschwimmen. Was im ersten Moment gar nicht mal so schlecht klingt, ist für viele jedoch eine große Herausforderung. Kollegen, die nach Feierabend noch etwas trinken gehen und Chefs, die plötzlich zum Facebook-Freund werden wollen, sind eben doch nicht jedermanns Sache. Wer hier nicht in eine Situation hineinrutschen will, die er später bereut, muss klare Regeln aufstellen und Grenzen ziehen.

Natürlich ist niemand verpflichtet, die Freundschaftsanfrage vom Chef anzunehmen. Wer diese ignoriert oder gar ablehnt, muss sich jedoch auf (unangenehme) Fragen à la „Warum wollen Sie denn nicht mein Freund sein? Haben Sie Angst, ich bekomme zu viel von Ihrem Privatleben mit?“ einstellen.

Szenario #1: Sie nehmen die Anfrage an

Um jeglichen Problemen und Konflikten aus dem Weg zu gehen, nehmen viele Angestellte die Anfrage an, ohne groß darüber nachzudenken. Das Gefühl, in seiner privaten Facebook-Nutzung radikal eingeschränkt zu werden, stellt sich schon nach kurzer Zeit später ein. Man will nicht, dass der Chef die Partyfotos sieht oder wo man sich in der Zeit der Krankschreibung aufhält. Den Chef hat auch nicht zu interessieren, mit wem Sie in einer Beziehung sind und welche Meinung zu einem Thema Sie vertreten. Mit anderen Worten: Ihr soziales Netzwerk (beziehungsweise Ihre Aktivitäten darin) werden mit einem Mal ziemlich eindimensional. Was also tun?

Auch wenn Facebook nicht gerade gelobt wird, wenn es um Datenschutz geht, gibt es doch eine interessante Funktion, die Ihnen aus Ihrer misslichen Lage hilft. Sie können diverse Listen anlegen und mit entsprechenden Kontakten befüllen. Mögliche Listen sind beispielsweise:

  • Freundeskreis
  • Enger Freundeskreis
  • Familie
  • Kommilitonen
  • Kollegen ( + Chef)

Wenn Sie anschließend einen neuen Status posten, haben Sie die Möglichkeit, eine der Listen auszuwählen. Das bedeutet, dass nur die Personen, die dieser Gruppe zugeordnet sind, auch sehen, was Sie auf Facebook veröffentlicht haben. Der Chef – und auch andere Personen – können auf diese Weise ausgeschlossen werden ohne es mitzukriegen.

Hinweis: Bedenken Sie jedoch, dass Ihr Chef durchaus einsehen kann, was Sie vor der Listen-Erstellung gepostet haben. Es lohnt sich sehr, Ihr Profil einmal kräftig aufzuräumen, ehe Sie die Freundschaftsanfrage annehmen.

Szenario #2: Sie lehnen die Anfrage ab

Wer die Freundschaftsanfrage vom Chef bei Facebook ablehnen will, muss sich hierfür natürlich nicht rechtfertigen. Dennoch tun Sie gut daran, Ihrem Vorgesetzten zu erklären, warum Sie nicht mit Ihm „befreundet“ sein wollen. Ein Verweis auf die Grenzen zwischen Privatleben und Beruf ist hierbei durchaus legitim und eine professionelle Form der Begründung.

Wenn Sie nicht wollen, dass der Büro-Segen zukünftig schief hängt, können Sie Ihrem Chef außerdem eine Alternative zu Facebook vorschlagen. Die Karriere-Netzwerke Xing und LinkedIn sind hier eindeutig die erste und auch beste Wahl. Die Plattformen sind extra dafür gedacht, sich mit beruflichen beziehungsweise geschäftlichen Kontakten zu verknüpfen und auszutauschen. Ihr Chef wird sicherlich einsehen, dass diese Netzwerke viel besser zur Vernetzung geeignet sind als Facebook.

Den Chef selbst als Facebook-Freund hinzufügen

Ganz davon abgesehen, dass die Mehrheit der Arbeitnehmer niemals auf die Idee kommen würde, den Vorgesetzten zum eigenen Facebook-Netzwerk hinzuzufügen, ist diese Vorgehensweise alles andere als empfehlenswert. Auch wenn hierzu nirgendwo Regeln aufgeschrieben wurde, so sollte die Anfrage doch immer von dem verschickt werden, der auf einer höheren Hierarchie-Stufe steht. Man könnte die Situation auch mit dem Duzen und Siezen vergleichen. Sicher würde Ihnen nie einfallen, Ihrem Chef das Du anzubieten. Ganz ähnlich verhält es sich auch bei Facebook.


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