„Frollegen“: Wenn aus Kollegen Freunde werden

Der Durchschnitts-Deutsche verbringt wöchentlich 40 Stunden am Arbeitsplatz (+/-). Der Job ist ein wesentlicher Bestandteil des Lebens und so kommt es auch vor, dass hier freundschaftliche Beziehungen entstehen.


In zahllosen Büros ist es gang und gäbe, sich unter Kollegen zu duzen. Das unkomplizierte Miteinander lockert die Stimmung auf, baut Distanzen ab und fördert somit auch das Teamwork im Unternehmen. Keine Frage: Menschen, die sich gut verstehen und nicht nur gegenseitig als notwendiges Übel betrachten, arbeiten besser zusammen und stellen somit einen großen Mehrwert für ihren Arbeitgeber dar. Doch wie viel kollegiale Freundschaft ist wirklich gut fürs Betriebsklima? Ein Beitrag zum Thema „Frollegen“.

Freunde + Kollegen = Frollegen

„Frollegen? Was soll das denn schon wieder sein?!“ Wenn Sie sich an dieser Stelle fragen, was wir mit dem merkwürdigen Begriff meinen, kommt hier die einfache Erklärung. „Frollegen“ ist ein Phantasiewort, das sich aus den Bestandteilen „Freunde“ und „Kollegen“ zusammensetzt.

Gemeint ist hiermit das Verschmelzen zweier Personengruppen, die mit der Veränderung der Arbeitswelt einhergeht. Kollegen verstehen sich so gut, dass sie nach der Arbeit zusammen ein Bier trinken gehen, gemeinsame Firmenausflüge, Teambuilding und so weiter fördern das Verschmelzen zusätzlich.

Hinzu kommt außerdem, dass es der Mehrheit der arbeitenden Bevölkerung ein Bedürfnis ist, sich am Arbeitsplatz wohlzufühlen. Zank mit den Kollegen ist demzufolge alles andere als erwünscht. Stattdessen geht man nicht nur gemeinsam zu Tisch, sondern freundet sich auch mit der Zeit an.

Die Vorteile der „Frollegen“

  • Ein lockeres und unkompliziertes Miteinander
  • Ein angenehmes Berufsklima
  • Steigerung der Teamfähigkeit
  • Erleichterung der Arbeit
  • Möglichkeit für vertrauliche Gespräche am Arbeitsplatz
  • „Ventil“

Nicht Fisch und nicht Fleisch

Wer diese Redewendung benutzt, meint in etwa so viel wie: Das ist doch nichts Halbes und nichts Ganzes. Ganz ähnlich verhält es sich auch mit den „Frollegen“. Es handelt sich hierbei (wie beim Begriff) um ein künstliches Zusammenführen zweier Komponenten. „Frollegen“ sind nicht Freunde und Kollegen in einem. Im Gegenteil: Sie sind weder das eine, noch das andere zu 100 Prozent.

Welche Nachteile das mit sich bringt, soll die nachfolgende Liste verdeutlichen:

  • Verschmelzen von Grenzen
    Wer sich nach Feierabend mit den Kollegen trifft, lässt zu, dass ein Stück Arbeit ins Privatleben „eindringt“. Wollen Sie das wirklich? Anders herum bedeutet ein freundschaftliches Verhältnis zu Ihren Kollegen, dass Sie diese quasi permanent um sich herumhaben. Das kann mal ganz nett sein, dauerhaft wird es jedoch früher oder später zur Belastung.
  • Gesteigertes Konfliktpotential
    Wer sowohl Kollege als auch Freund ist, wird zu nahezu jeder ihrer Entscheidungen etwas zu sagen haben. Das kann gut sein – aber auch schlecht. Fakt ist, dass das undefinierte Sozialverhältnis zu einem „Frollegen“ mit einem gesteigerten Konfliktpotential einhergeht.
  • Konkurrenzdenken
    Wenn aus Kollegen Freunde werden, klingt das zunächst einmal sehr positiv. Doch was, wenn der Chef ein neues Projekt vorstellt und nur einer von Ihnen die Leitung übernehmen kann? Dann werden plötzlich auch Freunden Konkurrenten.
  • Unklare Verhältnisse
    Gehen wir noch einen Schritt weiter. Angenommen, Ihr „Frollege“ erhält die Leitung des besagten Projektes. Sie gehen jedoch nicht leer aus und dürfen sich bei der Umsetzung ebenfalls beteiligen, müsse sich als Teammitglied jedoch klar unterordnen. Sobald ein hierarchisches Gefälle zwischen „Frollegen“ besteht, wird es zunehmend schwieriger, ein freundschaftliches Verhältnis aufrecht zu erhalten.
  • Karriere-Bremse
    Kommen wir noch einmal zurück zur Ausgangssituation. Ein neues Projekt verlangt nach einem Leiter. Ihr Chef hat Sie bereits für diesen Posten ins Auge gefasst und ermöglicht Ihnen dadurch einen beruflichen Aufstieg. Da Sie jedoch wissen, dass Ihr „Frollege“ unbedingt die Aufgabe übernehmen will, treten Sie der Freundschaft zuliebe zurück und überlassen ihm das Feld. Sie ahnen, was wir Ihnen damit sagen wollen: Kollegen, die zu Freunden werden, können durchaus auch eine Karriere-Bremse darstellen.
  • Missbrauch des Vertrauens
    Es liegt in der Natur des Menschen, gemeinschaftlich über Dritte zu tratschen. Mit „Frollegen“ funktioniert das gleich doppelt so gut. Doch Vorsicht, der vermeintliche Freund kann sich immer auch als falscher Fuffziger herausstellen und Sie beim Chef anschwärzen.

Arbeit und Privates klar trennen

Wahre Freundschaften entstehen nur selten am Arbeitsplatz. Sie sind das Ergebnis jahrelanger Erlebnisse, die nicht im Büro, sondern im privaten Leben stattgefunden haben. Natürlich ist es großartig, zur Arbeit zu gehen und zu wissen, dass einen dort freundliche und liebgewonnene Kollegen erwarten. Auch gegen ein gemeinschaftliches Feierabendbier ist nichts einzuwenden. Dabei sollte es dann aber bleiben. Wer will, dass Beruf und Privatleben weiterhin klar voneinander getrennt werden, sucht echte Freunde nicht am Schreibtisch.


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