Führungsebenen: Sind Frauen an ihrer Benachteiligung selbst schuld?

Frauen verdienen weniger als Männer und sind in deutschen Führungsetagen deutlich unterrepräsentiert. Die Frage ist: Sind sie daran vielleicht selbst schuld?


In regelmäßigen Abständen geht ein Aufschrei durch unsere Gesellschaft: Frauen werden benachteiligt. Sie verdienen in vergleichbarer Position und mit derselben Qualifikation weniger als ihre männlichen Kollegen. Stichwort: Gender-Pay-Gap. Zugleich sind sie in den Führungsebenen und Aufsichtsratsgremien namhafter Unternehmen in erschreckendem Ausmaß unterrepräsentiert. Zweites Stichwort: Frauenquote. Schuld seien veraltete Denkmuster bei den Entscheidungsträgern sowie die schlechte Vereinbarkeit der Mutterrolle mit der Karriere, welche die Frauen immer noch vor ein Entweder-oder katapultiert – so die landläufige Meinung. Diese Gründe mögen auch zutreffen. Doch wir möchten heute eine weitere These in den Raum werfen: Was, wenn „Frau“ an ihrer Misere selbst schuld ist?

Studie: Frauen würden sich selbst ebenfalls benachteiligen

Frauen verdienen weniger als Männer. Das ist Fakt. Genau genommen waren es im Jahr 2016 durchschnittlich sage und schreibe 21 Prozent weniger (Quelle: Statista). Eine erschreckende Zahl. Eine Besserung lässt sich zwar beobachten, doch die Gender-Pay-Gap schließt sich nur sehr langsam. Alle Welt rätselt nun, welche die Gründe für die starke finanzielle Benachteiligung der Frauen sein könnten. Die Experten Katrin Auspurg, Thomas Hinz und Carsten Sauer kamen in ihrer Studie „Why Should Women Get Less? Evidence on the Gender Pay Gap from Multifactorial Survey Experiments“ (Quelle: Sagepub.com) zu einer verblüffenden Antwort: Frauen würden sich selbst ebenso benachteiligen. Die Aufgabe, welche sowohl Frauen als auch Männern in verschiedenster hierarchischer Position und mit unterschiedlichen Qualifikationen sowie Berufserfahrungen lösen mussten, war simpel: Bewerten Sie diese Gehälter auf einer Skala von Eins bis Fünf als fair bis unfair beziehungsweise zu hoch bis zu niedrig. Die etwa 1.600 Studienteilnehmer wiesen dabei durchweg Männern ein höheres Gehalt zu als Frauen. Frauen würden sich demnach selbst durchschnittlich sechs bis acht Prozent weniger Geld zahlen als Männern – und das dann auch noch als „fair“ beurteilen.

Sind Frauen an ihrer Misere also selbst schuld?

Der Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen entsteht natürlich auch daraus, dass Frauen vermehrt in schlechter bezahlten Branchen wie dem Sozial- und Gesundheitswesen sowie bei kleineren und dadurch schlechter zahlenden Unternehmen arbeiten. Sie nehmen zudem häufiger eine Auszeit für die Familie oder reduzieren auf eine Teilzeitstelle. Dass diese Faktoren eine Rolle spielen, ist nicht abzustreiten. Dennoch scheinen die Frauen an ihrer Benachteiligung eben auch teilweise selbst schuld zu sein. Nicht nur, dass sie sich selbst ebenfalls schlechter bezahlen würden, auch folgende Karrierefehler sind bei Frauen erschreckend häufig zu beobachten:

  • Sie arbeiten unter ihrer Qualifikation, oft aus mangelndem Selbstbewusstsein.
  • Sie überlassen Führungsaufgaben freiwillig den männlichen Kollegen.
  • Sie scheuen Konflikte und geben deshalb zu schnell „klein bei“ – lassen also aggressiveren Kollegen, meist Männern, freiwillig den Vortritt.
  • Sie fordern zu selten, zu geringe oder überhaupt keine Gehaltserhöhungen ein.
  • Sie nehmen an wichtigen „männlichen“ Netzwerktreffen nicht teil, zum Beispiel dem klassischen Feierabendbier, welche aber für die Karriere in vielen Führungskreisen unerlässlich sind.
  • Sie geben sich betont maskulin und verpassen dabei, ihre femininen Vorzüge wie Empathie oder Intuition optimal zu ihren eigenen Gunsten auszuspielen.
  • Sie legen häufig mehr Wert darauf, dass eine Arbeit Spaß macht, als auf deren finanziellen Aspekt.
  • Sie verhandeln nicht selbstbewusst, mutig und aggressiv genug.
  • Sie entscheiden sich freiwillig gegen eine externe Kinderbetreuung und für die berufliche Auszeit oder Teilzeitstelle.

Objektiv betrachtet machen Frauen also allerhand Karrierefehler und sind an ihrer hierarchischen und finanziellen Benachteiligung deshalb zumindest teilweise selbst schuld. Dennoch wäre es zu einfach, den Sündenbock bei den Frauen zu suchen und den Männern dadurch die Verantwortung abzunehmen. Die Antwort lautet schlussendlich: Es sind weder „nur“ die Männer noch „nur“ die Frauen schuld, sondern es ist unsere Gesellschaft. In der deutschen Kultur sind allem Fortschritt zum Trotz noch veraltete Geschlechterrollen verbreitet. Diese Denkmuster endgültig zu verbannen und durch modernere zu ersetzen, wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Was wir deshalb für mehr Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern brauchen, sind strenge Antidiskriminierungsgesetze, Anreize wie die Frauenquote und vor allem eine Menge Zeit. Das Umdenken fällt nämlich nicht nur den Männern schwer, sondern wie Sie jetzt wissen auch den Frauen selbst. „Schuld“ sind daran schlussendlich unsere Kultur, Traditionen, Gewohnheiten, die (Fehl-) Sozialisierung von Mädchen im Kindesalter und auch biologische Faktoren. Bis die Medizin irgendwann so weit ist, dass vielleicht plötzlich Männer die Kinder austragen, muss das Gesetz für eine möglichst transparente Gleichberechtigung sorgen. Hier und da können sich Frauen in ihrer Karriere aber durchaus ein Scheibchen von den Männern abschneiden, etwas mehr die Ellenbogen ausfahren und endlich ihren eigenen Wert erkennen sowie einfordern. Es wäre zumindest ein Schritt in die richtige Richtung!

Teilen Sie unsere Meinung, dass Frauen an ihrer Benachteiligung zumindest teilweise selbst schuld sind? Oder geht Ihnen bei diesen Worten ein kalter Schauer durch Mark und Bein? Und welche Tipps haben Sie für weibliche Karriereanwärterinnen? Wir freuen uns auf Ihre Diskussion zum Thema in den Kommentaren!


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