Führungskraft trotz Teilzeitstelle? Wie das Modell funktionieren kann

Führung in Teilzeit? Das ist ein Modell, welches sich in deutschen Unternehmen bislang nur schleppend durchsetzt, doch in Zukunft an Bedeutung gewinnen wird. Aber weshalb? Und wie kann der „Teilzeit-Chef“ funktionieren?

Bislang war es in deutschen Betrieben eine ungeschriebene Regel, dass die Umstellung von einem Vollzeit- auf ein Teilzeitarbeitsmodell in der Regel das gleichzeitige Aus für eine Karriere im Sinne eines hierarchischen Aufstiegs bedeutete. Führung in Teilzeit? Das war noch vor wenigen Jahren undenkbar und ist auch bislang nur in sehr wenigen Unternehmen ein gängiges Modell. Doch Experten sind sich sicher, dass ein Wandel kommen und der „Teilzeit-Chef“ irgendwann zur Normalität wird. Wieso? Weil der demografische Wandel in Deutschland einerseits einen Fachkräftemangel hervorruft und somit jeder Mitarbeiter an Bedeutung gewinnt – auch jene in Teilzeit. Andererseits ermöglicht die Digitalisierung eine deutlich verbesserte Kommunikation. So kann die Führungskraft problemlos mit den Mitarbeitern in Kontakt bleiben, obwohl sie vielleicht gerade zuhause die Kinder betreut oder im Supermarkt beim Einkaufen ist. Die persönliche Präsenz am Arbeitsplatz verliert also an Bedeutung und ruft innovative Arbeitsmodelle auf die Agenda, wie eben jenes der Führung in Teilzeit.

Die Generation Y fordert ein, was der Fachkräftemangel möglich macht

Dass Arbeit in Zukunft anders gestaltet sein wird als bisher, hängt zu großen Teilen auch mit der Generation Y zusammen. Gerade in den Beruf eingestiegen oder bereits in ihre erste Führungsposition befördert, bringen die jungen Fachkräfte aktuell einen neuen Spirit in deutsche Unternehmen. Denn sie sind sich ihrer exzellenten Verhandlungsposition bewusst und wissen, dass gut ausgebildete Spezialisten in Zukunft auf dem Arbeitsmarkt heiß umkämpft sein werden. Auf gut Deutsch bedeutet das: Sie wissen, dass sie hohe Ansprüche stellen können und problemlos eine neue Stelle finden, wenn sie im aktuellen Job unzufrieden sind. Das bringt die Arbeitgeber unter Zugzwang, nicht nur hinsichtlich ihrer Mitarbeitergewinnung, sondern auch bei den Strategien zur Mitarbeiterbindung. Und genau diese anspruchsvolle Generation Y stellt eben immaterielle Güter wie Freizeit und eine ausgewogene Work-Life-Balance auf ihrer Prioritätenliste über materielle Dinge wie ein hohes Gehalt oder den Geschäftswagen. Führung in Teilzeit – das klingt in ihren Ohren also nach der optimalen Kombination aus dem Streben nach einer erfolgreichen Karriere und jenem nach einem erfüllten Privatleben. Diese ist die Hauptursache für den Trend zur Führung in Teilzeit.

Teilzeitführung – Wo liegen die Probleme?

Eine Führungsposition bedeutet bislang in den meisten Fällen zahlreiche Überstunden und ein Leben, das quasi nur am Arbeitsplatz beziehungsweise „im Dienst“ verbracht wird – beispielsweise auf Geschäftsreisen, in Meetings oder bei betrieblichen Abendveranstaltungen. Dass Führung auch mit weniger Zeitaufwand möglich ist, ist also schlichtweg noch nicht in den Köpfen der Arbeitgeber angekommen – ebenso bei vielen Arbeitnehmern. Fakt ist aber: Erfolgreiche Führung ist auch ohne ständige Präsenz und Erreichbarkeit möglich. Genau genommen macht sich eine gute Führungskraft sogar selbst „überflüssig“ und kann daher getrost hin und wieder abwesend sein. Zumindest in der Theorie. In der Praxis ist es natürlich notwendig, up-to-date zu bleiben und immer wieder zu überprüfen, ob die Dinge noch in die richtige Richtung laufen. Doch wer die Führungsaufgaben richtig versteht und strukturiert, für den ist Führung in Teilzeit keine Mammutaufgabe. Zu bedenken sind schlichtweg Herausforderungen wie:

  • Wie kann die Kommunikation funktionieren, obwohl die Führungskraft gerade im Homeoffice oder „Feierabend“ ist?
  • Welche Verantwortungsbereiche können und sollten an Mitarbeiter delegiert werden, um die Arbeitszeit der Führungskraft zu reduzieren?
  • Wann laufen Sie Gefahr, als Führungskraft in Teilzeit den Respekt Ihrer Mitarbeiter zu verlieren und wie ließe sich das verhindern?

Prinzipiell handelt es sich eigentlich um dieselben Probleme, welche Führungskräfte auch in Vollzeit häufig haben, wenn sie beispielsweise auf Geschäftsreise oder aus anderen Gründen nicht am Arbeitsplatz präsent sind. Es braucht daher nicht unbedingt neue Lösungen, sondern alte Lösungen für klassische Probleme, die neu gedacht werden.

Wie kann die Führung in Teilzeit funktionieren?

Dennoch ist nicht jede Führungsposition für ein Teilzeitmodell geeignet und bislang scheint es auch eine Grenze der Arbeitszeitreduktion zu geben. So gehen Experten anhand bisheriger Erfahrungen davon aus, dass in den meisten Stellen mit Führungsaufgaben eine Reduktion auf 30 Stunden möglich ist, nicht aber jene auf 25, 20 oder noch weniger Stunden. Ansonsten müssten Modelle wie das Jobsharing die Lücke schließen und das wiederum würde für den Arbeitgeber in Führungspositionen zu hohe Kosten kreieren – zumindest für KMUs. Dennoch handelt es sich um ein Arbeits- und Führungsmodell, welches definitiv eine Diskussion wert ist, und zwar nicht nur für weibliche Führungskräfte, sondern auch für ihre männlichen Kollegen.

Was denken Sie: Wie verbreitet wird die Führung in Teilzeit zukünftig sein? Wo sehen Sie Probleme? Wo Vorteile? Und haben Sie vielleicht selbst schon Erfahrungen mit dem Modell gemacht?


Bildquelle: Roman Samborskyi/Shutterstock