Geheim-Codes im Arbeitszeugnis: Ist das eigentlich erlaubt?

Dass Personalmitarbeiter gern kryptische Formulierungen im Arbeitszeugnis verwenden, um so manche Aussage zu verschleiern, ist keine Neuigkeit. Doch haben Sie sich schon mal gefragt, ob diese Praxis überhaupt zulässig ist?

Wenn im Arbeitszeugnis die Rede von „großem Elan“ ist, dann handelt es sich dabei meist um einen Hinweis auf eine überstürzte und chaotische Arbeitsweise. War der Mitarbeiter „bei Kunden sehr beliebt“, dann konnte er nicht sonderlich gut verhandeln. Und wenn einem der alte Arbeitgeber „absolute Pünktlichkeit“ attestiert hat, dann sagt das dem neuen: Er/sie kommt zwar pünktlich ins Büro, verlässt es aber ebenso zuverlässig zur vereinbarten Zeit wieder (ist also nicht bereit, auch mal länger zu arbeiten). Es gibt noch so viele weitere Beispiele für diese Geheimsprache, die nach und nach entschlüsselt werden und deutlich machen: Das Arbeitszeugnis ist längst nicht immer so positiv, wie es auf den ersten Blick wirkt. Aber bis zu welchem Punkt ist diese Verschleierung tatsächlich erlaubt?

Arbeitszeugnisse dürfen grundsätzlich nicht negativ sein

Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum sich Arbeitgeber und HR-Manager die Mühe machen, gewisse Aussagen in Arbeitszeugnissen so nebulös zu umschreiben? Wäre es nicht viel einfacher und vor allem weniger zeitaufwändig, die Karten auf den Tisch zu legen?

Leider nein, denn tatsächlich sind Unternehmen dazu angehalten, wohlwollende Zeugnisse für ehemalige Mitarbeiter und Praktikanten auszustellen. Die Aussagen müssen mindestens der Note „befriedigend“ entsprechen – es sei denn, der Kollege hat sich so sehr daneben benommen, dass ein massives Fehlverhalten nachgewiesen werden kann. Hierunter versteht man beispielsweise Diebstahl oder Betriebsspionage.

Alles andere, also beispielsweise Unpünktlichkeit, eine unordentliche Arbeitsweise oder zu viel Smalltalk mit den Kollegen, wird als Kavaliersdelikt verbucht und darf dem Erwerbstätigen nicht zur Last gelegt werden. Um andere Unternehmen dennoch vor dem Bewerber zu warnen, hat sich in den letzten Jahren eine regelrechte Geheimsprache etabliert. Was deren Codes zu bedeuten haben, ist jedoch nicht nur den HR-Mitarbeitern, sondern auch immer mehr „Betroffenen“ bekannt.

Der Geheim-Code ist streng genommen unzulässig

Dass Arbeitszeugnisse in der Mehrheit der Fälle positiv ausfallen müssen, heißt allerdings noch lange nicht, dass die Geheimsprache, die hierfür eingesetzt wird, erlaubt ist. Tatsächlich ist sie laut Gewerbeordnung sogar untersagt. Im §109 des Gesetzes heißt es nämlich:

Das Zeugnis muss klar und verständlich formuliert sein. Es darf keine Merkmale oder Formulierungen enthalten, die den Zweck haben, eine andere als aus der äußeren Form oder aus dem Wortlaut ersichtliche Aussage über den Arbeitnehmer zu treffen.“ (Quelle: Gewerbeordnung §109 Abs. 2)

Oder vereinfacht ausgedrückt: Die Formulierungen im Arbeitszeugnis dürfen nicht irreführend sein, sondern müssen eindeutige und unmissverständliche Informationen liefern. Die Verwendung von schleierhaften Geheim-Phrasen ist also hinfällig.

Für Sie als Arbeitnehmer und Empfänger von einem solchen Zeugnis bedeutet das: Wenn Sie der Meinung sind, dass die Formulierungen irreführend sind und Sie durch die Blume negativ bewertet wurden, dann können Sie damit vor Gericht ziehen.

Neue Tricks der Personaler

Natürlich ist den meisten HR-Mitarbeitern durchaus klar, dass Sie sich mit der Verwendung irgendwelcher Code-Formulierungen auf eine Gratwanderung begeben. Darum haben viele von ihnen inzwischen neue Tricks auf Lager.

Wenn in Ihrem Arbeitszeugnis vor allem selbstverständliche Tätigkeiten und unwichtige Details hervorgehoben werden, dann ist das mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ein verstecktes Signal für Ihren zukünftigen Arbeitgeber, das ihm sagen soll: Wählen Sie diesen Bewerber nicht aus.

Die gute Nachricht für Sie: Auch dieser Trick ist nicht gestattet. Wenn also in ihrem Arbeitszeugnis davon geschwärmt wird, wie sicher Sie mit dem Microsoft Office-Programm Word umgehen können, dann ist das ein Indiz für eine versteckt (und unzulässige) Message.

Ein anderer Trick ist die Verwendung von Verneinungen wie „Sein Umgang mit Kunden gab uns nie Anlass zur Kritik.“ Aha, na wenn das so ist, dann muss es auch eigentlich nicht im Arbeitszeugnis erwähnt werden. Doch indem auf solche Punkte in Kombination mit einer Verneinung verwiesen wird, suggeriert das dem Leser des Zeugnis: Vielleicht gab es dahingehend doch hin und wieder mal Probleme.

Last but not least mogeln sich HR-Manager gern durch das Arbeitszeugnis, indem sie entscheidende Bewertungen einfach weglassen. Achten Sie daher nicht nur darauf, was über Sie und Ihre Arbeit geschrieben wird, sondern auch darauf, was nicht zur Sprache kommt.


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