Gelassenheit und Führung: Eine erfolgversprechende Kombination

„Wie ein Fels in der Brandung“ sollte eine gute Führungskraft aus der Sicht ihrer Mitarbeiter sein. Das ist nur durch Gelassenheit möglich. Wie also geht gelassene Führung?

Auf den ersten Blick widersprechen sich für viele Menschen die Begriffe Gelassenheit und Führung. Die Führungskraft sollte schließlich ein Zugpferd sein, welches die Mitarbeiter inspiriert sowie motiviert, anstatt sich entspannt zurückzulehnen und den Dingen ihren Lauf zu lassen. Dabei handelt es sich zwar um ein weit verbreitetes, leider aber falsches Verständnis von Gelassenheit. Diese ist nicht mit Faulheit gleichzusetzen, sondern mit Zuversicht.

Definition: Was ist im Führungskontext unter Gelassenheit zu verstehen?

Als Führungskraft tragen Sie viel Verantwortung. Sie befinden sich beinahe 24/7 im Multitasking und schon kleinste Abweichungen vom Plan können eine kleinere bis größere Katastrophe bedeuten. Vielleicht gefährdet eine Verzögerung durch den Zulieferer das Projekt oder ein Mitarbeiter erkrankt inmitten der kritischen Phase. Arbeitsbereiche wie das Projektmanagement, die Führung von Mitarbeitern oder weitere Aufgaben eines Vorgesetzten sind leider nur bis zu einem gewissen Maß kontrollierbar. Es besteht daher stets das Risiko unvorhergesehener Hindernisse – und genau hier kommt die Gelassenheit ins Spiel. Gelassenheit bedeutet nämlich nicht, am Morgen 20 Minuten zu spät zu kommen, im Team eine „Laissez-faire“-Mentalität zu implementieren und anschließend die Füße auf den Tisch zu legen. Stattdessen steht sie für die Zuversicht, jede Herausforderung zu meistern. Eine Führungskraft sollte also stets ruhig und gefasst bleiben, auch angesichts einer „brennenden Hütte“.

Gelassene Führungskräfte nehmen eine Vorbildfunktion ein

Immer wieder kommt es vor, dass in der Belegschaft die Emotionen hochkochen. Konflikte, Zeitdruck oder unvorhergesehene Ereignisse führen dazu, dass die Nerven blank liegen. Kurzschlussreaktionen oder übereilte Entscheidungen können in einem solchen Fall schlimme Konsequenzen nach sich ziehen. Umso wichtiger ist es, dass die Führungskraft dann gelassen bleibt, sprich einen kühlen Kopf bewahrt und beruhigend auf die Mitarbeiter einwirkt. Strahlt der Chef Zuversicht und Ruhe aus, so überträgt sich dieses Verhalten auch auf das Team. Er nimmt somit eine Vorbildfunktion ein und hält das Schiff trotz hohem Wellengang auf Kurs. Gelassenheit ist daher mit einer erfolgreichen Führung und der natürlichen Autorität eines Vorgesetzten eng verknüpft. Die Führungsperson sollte sozusagen die Ordnung im Chaos sein, die Hoffnung in der Verzweiflung und der rettende Anker im Sturm. Doch genug der Metaphern und Theorie: Wie genau funktioniert „gelassene“ Führung im Unternehmensalltag?

Gelassenheit können Sie lernen – aber wie?

Gelassenheit als Führungsprinzip dient also Ihrer natürlichen Autorität und macht Sie zum „Leader“ für Ihre Mitarbeiter. Doch nicht bei jedem Menschen ist ein hoher Grad an Gelassenheit angeboren. Zudem lastet auf Führungskräften eine Menge Druck im Sinne von Zielvorgaben oder Erwartungen. Wie also können Sie Gelassenheit erlernen oder trainieren?

  • Entscheiden Sie sich für die Gelassenheit. Die Einsicht, nicht alles und jeden kontrollieren zu können, ist bereits ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Denn Gelassenheit ist eine innere Einstellung und findet im Kopf statt.
  • Gelassenheit bedeutet auch Toleranz. Lernen Sie also, die Dinge sowie auch Menschen so zu akzeptieren, wie sie sind. Gehen Sie in die Beobachterrolle und verbieten Sie sich, alles direkt zu be- oder verurteilen. Mit der Zeit werden Sie eine neue Sicht- und Denkweise entwickeln, welche von Toleranz geprägt ist, anstelle von Kontrollstreben.
  • Arbeiten Sie an Ihrem Selbstvertrauen. Sie müssen das Selbstbewusstsein ausstrahlen – und natürlich auch empfinden – sämtliche Herausforderungen meistern zu können. Das Selbstvertrauen ist daher eine wichtige Grundlage für Ihre Zuversicht und damit auch Gelassenheit.
  • Überprüfen Sie Ihre Glaubenssätze. Jeder Mensch trägt tiefsitzende innere Überzeugungen resultierend aus früheren Erfahrungen, der Erziehung und der Kindheit mit sich herum. Stellen Sie diese auf den Prüfstand: Sind Sie wirklich (!) davon überzeugt, dass am Ende alles gut wird? Oder glauben Sie stets an die Katastrophe und steuern dadurch im Sinne der selbsterfüllenden Prophezeiung direkt darauf zu?
  • Fokussieren Sie sich auf Ihre Erfolge. Analysieren Sie bisherige Situationen und was genau zum Erfolg geführt hat. Schöpfen Sie daraus auf der einen Seite Selbstbewusstsein und auf der anderen Seite wichtige Lehren für die Zukunft. Gehen Sie also mit Bedacht, innerer Ruhe sowie Logik an ein Problem heran, anstatt emotional zu reagieren.
  • Atmen Sie, bevor Sie handeln. Beruhigen Sie die aufgebrachte Belegschaft. Nehmen Sie sich Zeit zum Nachdenken, bevor Sie sprechen, oder um einen Plan zu entwickeln, bevor Sie übereilt handeln. Unterbrechen Sie Mitarbeiter, wenn diese in Panik verfallen oder sich gegenseitig auf einer emotionalen Ebene anstacheln. Bringen Sie also stets Ruhe in eine aufgebrachte Situation und planen Sie erst anschließend die nächsten Schritte.

Welche weiteren Tipps oder Erfahrungen haben Sie zum Thema Gelassenheit in der Führung? Vielen Dank für Ihre Kommentare!


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