Generation „erfunden“? Die Wahrheit über die Generation Y

Alle Welt spricht derzeit von der Generation Y. Freiheitsliebend sei sie, selbstbewusst und aus Arbeitgebersicht irgendwie „schwierig“. Aber stimmt das überhaupt und kann eine ganze Generation pauschalisiert werden? Wir sagen: Nein!


Seit mehreren Jahrzehnten gibt es nun den Trend, die Bevölkerung in eine Art Kohorten einzuteilen, sprich verschiedene Generationen, welchen unterschiedliche Eigenschaften zugesprochen werden. Da wären die Veteranen aus dem 2. Weltkrieg, die Bayboomers aus der florierenden Nachkriegszeit, die fleißige Generation X, die selbstsüchtige Generation Y und die digitale Generation Z. Jede Sparte umfasst Jahrgänge von rund 15 bis 20 Jahren, die durch spezielle Ereignisse und das Lebensgefühl ihrer Kindheit und Jugend geprägt wurden. Als Generation Y, um welche es heute gehen soll, werden zum Beispiel gemeinhin die Geburtenjahrgänge zwischen 1980 und 1995 (manchmal per Definition auch bis 1999) bezeichnet – also jene heute Mitte 20- bis Mitte 30-Jährigen, welche jetzt am Ende ihres Bildungsweges stehen und auf den Arbeitsmarkt drängen. Sie sind es, die derzeit einen großen Umschwung in die Geschäftswelt mitbringen und die Arbeitgeber vor das ein oder andere Rätsel stellen. Schwierig, egoistisch und faul soll sie nämlich sein, diese Generation Y – zumindest ist dies der Ruf, welcher ihr vorauseilt.

Die Generation Y hat viele Namen

Das es äußerst schwierig ist, die Charaktereigenschaften einer ganzen Generation zu pauschalisieren, drückt sich bereits durch die vielen unterschiedlichen Namen aus, welche es für die Generation Y gibt: „Generation Why“, „Generation beziehungsunfähig“, „Generation Me“ oder „Generation Maybe“ sind nur einige der Spitznamen für die Jahrgänge 1980 bis 1995. Was aus all diesen Bezeichnungen besonders heraussticht, sind Selbstsucht und eine Art Überforderung mit der Welt. Tatsächlich gilt die Generation Y gemeinhin als

  • egoistisch
  • freiheitsliebend
  • kritisch
  • unschlüssig
  • unflexibel
  • und und und…

Sie strebt in ihrem Beruf nach Sinn anstatt nach materiellen Werten, möchte am liebsten zeit- und ortsunabhängig arbeiten und ein selbstbestimmtes Leben führen. Dass das die Arbeitgeber zu Umbrüchen zwingt, welche sie als „unangenehm“ oder „lästig“ empfinden, und dass diese deshalb häufig und gerne über die „faule“ und „egoistische“ Generation Y wettern, ist nur allzu verständlich. Deutsche Arbeitgeber sind eben noch verwöhnt von den fleißigen Vorgängergenerationen, für die eine steile Karriere das oberste Ziel im Leben war und welche ihr Privatleben für den Beruf jederzeit zurückzustellen bereit waren. Doch ist es wirklich die „verwöhnte Generation Y“, die diese Umbrüche in der Arbeitswelt erzwingt?

Die Generation Y ist nicht der Strom, sie ist der Fisch

Wir behaupten: Nein – zumindest nicht nur. Denn dass sich Arbeitgeber derzeit großen Herausforderungen gegenübergestellt sehen, liegt nicht unbedingt an der Generation Y. Die Digitalisierung, der demografische Wandel und die globalen Probleme der Weltpolitik haben einen viel größeren Einfluss auf den Arbeitsmarkt in Deutschland als ihn ein paar Berufseinsteiger jemals haben könnten. Und wenn es nun einmal einen großen Bedarf an Fachkräften gibt, dieser aber aufgrund der geringen Geburtenrate einen Mangel auf dem Arbeitsmarkt auslöst, wäre die Generation Y dann nicht ziemlich blöd, keine Forderungen zu stellen? Es handelt sich schließlich um das uralte Gesetz von Nachfrage und Angebot – und hier befindet sich die hoch qualifizierte Generation Y derzeit schlichtweg in der besseren Verhandlungsposition. Auch die Babyboomers und die Generation X hätten sich gewiss nach kürzeren Arbeitszeiten, mehr Selbstbestimmung oder einem Sinn in ihrer Arbeit gesehnt. Und das Konzept der „Remote Work“ und des „Homeoffice“ entstand nicht erst durch die Generation Y, sondern schon lange zuvor im Rahmen der fortschreitenden Digitalisierung. Unsere These lautet daher: Die Generation Y ist überhaupt nicht der Strom, der derzeit die Arbeitswelt umwälzt, sondern sie ist nur der Fisch, der mit diesem Strom schwimmt und sich eben in die vorgegebene Richtung treiben lässt. Wieso auch nicht?

Was denken Sie? Alles nur ein Märchen oder ist die „faule“, „schwierige“ und „egoistische“ Generation Y doch der Grund allen Übels auf dem Arbeitsmarkt? Wir freuen uns auf Ihre Einschätzungen, Erfahrungen und sonstigen Beiträge in den Kommentaren!


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