Gerüchteküche Büro: Kochen Sie besser nicht mit!

Die Mehrheit der Wissenschaftler ist sich einig: Der Mensch kann einfach nicht anders. Er muss Gerüchten lauschen und diese auch verbreiten. Als Grund nennen einige Experten unseren Überlebensinstinkt.


„Hast du schon gehört…?“ Wenn ein Gespräch im Büro mit diesen Worten beginnt, bedeutet das meist: „Das, was ich dir gleich erzähle, ist zwar nicht bestätigt, aber trotzdem interessant. Höre jetzt also ganz genau zu.“ Nahezu jeder Mensch liebt Gerüchte. Dabei spielt es keine Rolle, ob es um die angebliche Liebesbeziehung zwischen zwei Kollegen oder die geplatzte Verlobung der Nachbarn geht. Doch auch wenn es ganz offensichtlich in unserer Natur liegt, zu tratschen, sollten Sie am Arbeitsplatz Vorsicht walten lassen. Wer hier die Gerüchteküche zum Überkochen bringt, muss gegebenenfalls mit Konsequenzen rechnen.

Warum der Mensch so gern Gerüchte verbreitet

Das Weitererzählen von Gerüchten ist eine Form des Informationsaustauschs. Experten gehen davon aus, dass ein solches Verhalten zu Urzeiten überlebenswichtig für den Menschen war. Gerüchte (die damals ganz sicher noch nicht so bezeichnet wurden) halfen dabei, Freund von Feind zu unterscheiden. Wer Informationen dieser Art bereitstellen konnte, genoss hohes Ansehen in der Gemeinschaft. Bis heute hat sich daran nur wenig geändert. Der größte Unterschied zwischen der modernen und der urzeitlichen Gerüchteküche: Während die frühere Leben rettete, kann die heutige Existenzen zerstören (Stichwort: Rufmord).

Heute kocht die Gerüchteküche im Büro vor allem aus einem Grund: Indem wir über die Schwächen der anderen reden, fühlen wir uns selbst stärker. Oder anders formuliert: Gerüchte sind (oftmals) Balsam für die Seele. Hier ein Beziehungsskandal, da eine Standpauke vom Chef – Informationen dieser Art führen uns vor Augen, dass niemand unfehlbar beziehungsweise perfekt ist.

Warum Sie besser einen Bogen um die Gerüchteküche machen sollten

Auch wenn Gerüchte oftmals sehr detailgetreu weitergegeben werden, sind sie eben doch nur Gerüchte und keine Wahrheiten. Solang eine Information nicht eindeutig bestätigt wurde, ist es alles andere als ratsam, diese zu verbreiten. Im schlimmsten Fall fällt die Falschaussage nämlich auf Sie zurück. Der vertrauensvolle Informant wird dann schnell zum unseriösen Lästermaul. Professionalität und Souveränität am Arbeitsplatz sieht anders aus!

Noch schlimmer: Gerüchte, die absichtlich verbreitet werden, um eine andere Person schlecht dastehen zu lassen. Wer hierbei erwischt wird, sinkt nicht nur im Ansehen der Kollegen und Vorgesetzten, sondern muss auch mit einer Anzeige wegen übler Nachrede oder Beleidigung rechnen.

Besser: Halten Sie sich komplett zurück, wenn die Gerüchteküche wieder einmal kocht. Natürlich ist es verlockend, sich an den Flurgesprächen zu beteiligen und dem neuesten Klatsch und Tratsch zu lauschen. Doch fragen Sie sich auch einmal, was Ihnen Informationen dieser Art bringen. Verbessert sich Ihre Arbeit oder Ihre Chance auf einen beruflichen Aufstieg dadurch? Wird Sie der Chef nun, da herausgekommen ist, dass Kollege XY eine Scheidung inklusive Rosenkrieg durchmacht, bevorzugen? Höchstwahrscheinlich nicht. Im Endeffekt ist die Gerüchteküche nichts weiter als Zeitverschwendung.

Wer im Klatsch und Tratsch ein Stressventil sieht, sollte bis zum Feierabend warten und das Gerücht dann allenfalls mit einem privaten Kontakt teilen. Hierbei besteht jedoch wiederum die Gefahr, Berufliches und Privates miteinander zu vermischen. Fragen Sie sich also immer, ob es eine prekäre Story aus dem Büro wert ist, Einzug in Ihr Privatleben zu halten.

Übrigens: Tratschweiber und Klatschtanten müssen nicht immer weiblich sein. Es gibt in jedem Büro auch Männer, die die Gerüchteküche leidenschaftlich gern zum Brodeln bringen.


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