Gleich und gleich gesellt sich gern: So vermeiden Sie homosozialen Kooptation

Nicht wenige Personaler neigen dazu, Bewerber einzustellen, die ihnen „sozial ähnlich“ sind. Im Fachjargon spricht man auch vom assortative mating oder der homosozialen Kooptation.

Es passiert nicht immer bewusst oder aus einer bösen Absicht heraus, doch leider kann häufig ein bestimmtes Phänomen im Personalwesen beobachtet werden: Recruiter entscheiden sich für Kandidaten, die aus fachlicher Sicht vielleicht nicht die beste Wahl waren, aber dafür dem Entscheider sehr ähnlich sind. Die homosoziale Kooptation kann nicht nur zur Benachteiligung vieler Bewerber führen, sondern auch vermieden werden. Erfahren Sie in diesem Beitrag, wie es geht.

Was hat Recruiting mit Sportunterricht zu tun? Ein Definitionsversuch für homosoziale Kooptation

Um plastisch zu erklären, was unter dem Fachbegriff homosoziale Kooptation verstanden werden kann, wird gern der Vergleich zum Sportunterricht in der Schule gezogen. Wenn damals zwei Teams gebildet werden sollten und Schüler ihre eigene Mannschaft zusammenstellen durften, wurde selten nach sportlichen Kriterien ausgewählt. Es ging viel eher darum, die Mitschüler um sich zu scharren, mit denen man sowieso meist „abhing“ und mit denen man viele soziale Gemeinsamkeiten teilte.

Tatsächlich funktioniert die homosoziale Kooptation nach einem ganz ähnlichen Prinzip: Fachliche Qualifikationen rücken in den Hintergrund. Stattdessen wird (oftmals unbewusst!) darauf geachtet, wie groß die soziale Ähnlichkeit zwischen Bewerber und Entscheider ist. Gibt es möglichst viele Parallelen, steigen die Chancen für den Kandidaten, die Stelle zu ergattern, signifikant.

Ist homosoziale Kooptation ein „Frauenproblem“?

Immer wieder wird das Thema homosoziale Kooptation oder auch assortative mating im gleichen Atemzug mit der Frauenquote genannt. Nicht wenige Feministinnen und Feministen sind sich sicher: Die (unbewusste) Bevorzugung sozial ähnlicher Bewerber ist einer der Auslöser für die Unterrepräsentation von Frauen in diversen Positionen.

Die Argumentation: Wenn erfolgreiche weiße Männer bestimmen, wer den Job XY bekommt, dann haben auch nur erfolgreiche weiße Männer Aussichten auf Erfolg. Zumindest in der Theorie unterliegt diese These (leider) einer gewissen Logik.

Übrigens: Das Problem, Menschen zu bevorzugen und zu fördern, die einem selbst sehr ähnlich sind, ist nicht nur im Personalwesen zu finden, sondern beispielsweise auch in der Politik.

Wie kann homosoziale Kooptation vermieden werden?

Egal ob bewusst oder unbewusst – homosoziale Kooptation muss vermieden werden, wenn man ein heterogenes Team zusammenstellen und Vielfalt am Arbeitsplatz fördern will. Die nachfolgenden Tipps helfen Ihnen dabei, assortative mating zu umgehen.

  • Das Problem bewusst vor Augen führen: Eine erste Herangehensweise an die homosoziale Kooptation ist die bewusste Wahrnehmung des Problems. Machen Sie sich einmal klar, wen Sie in den letzten Wochen/Monaten eingestellt haben und welche Gemeinsamkeiten diese Kandidaten aufgewiesen haben. Sind sie Ihnen sehr ähnlich gewesen? Kann man sie fast schon als Ebenbilder Ihrer Person bezeichnen? Dann wissen Sie nun, warum assortative mating so kritisch betrachtet werden muss.
  • Qualifikationen im Fokus: Das Aussehen des Bewerbers, sein Familienstand und Geburtsort sind Ihnen grundsätzlich egal? Dann verlangen Sie erst gar nicht nach diesen Informationen und passen Sie den Bewerbungsprozess stattdessen so an, dass der Fokus auf den Qualifikationen der Kandidaten liegt – beispielsweise durch ein individualisiertes Online-Bewerbungsformular. Letztlich kommt es schließlich genau auf diese an.
  • Stereotype adé: Es ist schwer, aber keinesfalls unmöglich. Wer homosoziale Kooptation vermeiden will, der sollte sich endlich von gängigen Geschlechterstereotypen und Klischees verabschieden. Wenn ein Kandidat als geeignet eingestuft wird, ist sein Geschlecht (und seine Herkunft, Religion, Hautfarbe, Weltanschauung, etc.) egal.
  • Frischer Wind dank Headhunter: Viele Unternehmen entscheiden sich irgendwann für einen externen Headhunter, weil sie feststellen, dass immer wieder der gleiche „Bewerber-Typ“ eingestellt wird. Tatsächlich können die „Kopfgeldjäger“ dank ihrer außenstehenden Perspektive für frischen Wind sorgen.
  • Professionelle Matchings: Sie suchen jemanden, der perfekt zur ausgeschriebenen Stelle passt und nicht Ihr „Mini-Me“ ist? Dann testen Sie doch einmal die Matching-Funktion von Instaffo. Unsere Plattform bringt Bewerber und Unternehmen nicht auf der Grundlage von sozialer Gleichheit zusammen, sondern ausschließlich, wenn fachliche Übereinstimmungen gefunden wurden.

Egal ob kleine oder größere Veränderungen: Homosoziale Kooptation kann und muss auf jeden Fall vermieden werden. Nur so besteht die Möglichkeit, ein möglichst heterogenes und somit auch produktives Team zusammenzustellen.


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