Gleitzeit: Kommen und gehen, wann ich will?

Gleitzeit ist ein Arbeitsmodell, das eine flexible Zeiteinteilung ermöglicht und als besonders anpassungsfähig gilt. Immer mehr Unternehmen sind von den Vorteilen überzeugt und bieten ihren Angestellten die Möglichkeit, in Gleitzeit zu arbeiten.


Auch wenn die Gleitzeit auf dem Vormarsch ist, stellt sie noch immer eine Minderheit im Vergleich zu anderen Arbeitsmodellen dar. Aus einer Erhebung aus dem Jahr 2010 ging hervor, dass immer noch mehr als die Hälfte der Angestellten nach einer starren Zeiteinteilungsregelung arbeiten. Das Konzept der flexiblen Gleitzeit folgt nach dem Zeitkonto auf Rang drei der Arbeitszeitmodelle. Besonders auffällig: Während die Gleitzeit in einigen Branchen wie beispielsweise Kommunikation, Verwaltung und Finanzwesen mit 11 bis 13 Prozent recht gut vertreten ist, spielt sie in anderen Bereichen wie Gastgewerbe und Gesundheits- und Sozialwesen eine untergeordnete Rolle. Hier erreicht sie nur Werte zwischen 7 und 9 Prozent. Der Grund: Nicht immer ist Gleitzeit in der Praxis realisierbar.

Das Arbeitszeitmodell Gleitzeit

Das Prinzip der Gleitzeit ist einerseits schnell erklärt, birgt andererseits aber auch ein paar Besonderheiten in sich, die hier einmal genauer beleuchtet werden sollen.

Die klassische Gleitzeit sieht vor, dass der Arbeitnehmer selbst bestimmt, wann er mit seiner Arbeit beginnt und wann er sie niederlegt. Das bedeutet allerdings nicht, dass er kommen und gehen kann, wann er will. Diverse Rahmenbedingungen regeln die Gleitzeit und sorgen dafür, dass sie in manchen Fällen gar nicht so flexibel wie angepriesen ist.

  • die Arbeitszeit muss sich in einer gewissen Zeitspanne bewegen (beispielsweise zwischen 7 und 17 Uhr)
  • meistens schreibt der Arbeitgeber eine gewisse Kernzeit vor, in der der Arbeitnehmer im Büro sein muss (beispielsweise zwischen 9 und 15 Uhr)
  • der Arbeitnehmer muss unabhängig vom Arbeitsbeginn seine vertraglich festgelegte Leistung erbringen
  • bei qualifizierter Gleitzeit kann der Arbeitnehmer die Dauer der täglichen Arbeit bestimmen
  • ein Gleitzeitkonto dokumentiert die Arbeitszeit

Generell unterscheidet man zwischen zwei Formen der Gleitzeit:

  • Einfache Gleitzeit: mit Rahmen und Kernarbeitszeit
  • Qualifizierte Gleitzeit: ohne Eingrenzungen und Regeln, wichtig ist nur, dass ein bestimmtes Arbeitskontingent pro Woche/Monat/Jahr abgedeckt wird

Die Sonnenseiten der Gleitzeit

Wenn es um die Vorteile vom Arbeitszeitmodell Gleitzeit geht, liegt ein Punkt klar auf der Hand: Arbeitnehmer genießen Flexibilität und können (bis zu einem gewissen Grad) selbst bestimmen, wann ihr Arbeitstag beginnt und wann er endet. Ein weiterer, daraus resultierender Vorteil ist die Steigerung der Mitarbeiterzufriedenheit. Berufstätige Menschen haben immer gewisse Ansprüche an ihre Arbeit, die im besten Fall dazu beitragen, gern ins Büro zu kommen. Eine flexible Zeiteinteilung in Verbindung mit einer optimalen Vereinbarkeit von Beruf und Familie ergattern bei Umfragen regelmäßig die vorderen Ränge.

Die Schattenseiten der Gleitzeit

Sie kennen das: Wo Licht ist, da gibt es auch immer Schatten. Das Arbeitsmodell Gleitzeit bildet hierbei keine Ausnahme. Auch wenn die flexible Zeiteinteilung auf den ersten Blick nur Vorteile mit sich bringt, gibt es auch negative Punkte, die hier angesprochen werden sollen.

Da wäre zum einen die Sache mit der Motivation, am Morgen das Bett zu verlassen. Wer feste Arbeitszeiten hat und beispielsweise um 9 Uhr im Büro sein muss, der hat keine andere Wahl, als zu einem bestimmten Zeitpunkt das Bett zu verlassen. Wer „Gleitzeit arbeitet“, genießt den zweifelhaften Luxus, nach einem langen Abend oder einer unruhigen Nacht einfach mal etwas länger liegen zu bleiben. Das klingt natürlich großartig, aber jeder, der schon einmal in dieser Situation war, weiß, wie schwer es dann wird, das gemütliche Bett zu verlassen und in den (anstrengenden) Arbeitstag zu starten.

Ähnlich verhält es sich am Ende des Arbeitstages. Getreu dem Motto „Wer später kommt, darf früher gehen.“ verleitet die qualifizierte Gleitzeit auch hier gern dazu, es nicht immer allzu genau mit der Arbeitsmoral zu nehmen. Wer nicht aufpasst, gerät schnell in eine Art Motivationsloch und fällt im schlimmsten Fall dadurch auch negativ beim Chef auf.

Wie schlage ich meinem Chef Gleitzeit vor?

Schattenseiten hin oder her – viele Arbeitnehmer sehen Gleitzeit als etwas Erstrebenswertes an und liebäugeln damit, das Arbeitszeitmodell dem Chef vorzuschlagen. Doch wie stellt man das am besten an? Und wie formuliert man seinen Wunsch, sodass er das gewollte Resultat mit sich bringt?

Wichtig ist, dass Sie sich im Vorfeld zwei Punkte vor Augen führen:

  1. Ist Gleitzeit in Ihrem Beruf überhaupt möglich?
  2. Gleitzeit funktioniert selten im Einzelfall. Sinnvoller ist es, das Arbeitszeitmodell im gesamten Team einzuführen.

Wenn die Gleitzeit generell möglich ist und sich die Mehrheit der Kollegen dafür ausspricht, wird es Zeit, sich auf das anstehende Gespräch mit dem Chef vorzubereiten. Arbeiten Sie hierfür Vorteile aus, die die Gleitzeit für das Unternehmen mit sich bringt, beispielsweise:

  • gesteigerte Motivation durch gesteigerte Zufriedenheit
  • mehr Spaß am Arbeiten
  • Verbesserung der Work-Life-Balance
  • konzentrierteres Arbeiten à gesteigerte Effizienz
  • attraktiverer Arbeitsplatz für qualifizierte Mütter und Väter

Info: Gleitzeit ist ein Thema, das immer auch den Betriebsrat etwas angeht.


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