Großraumbüro: Vor- und Nachteile

Großraumbüros sollen die Kommunikation fördern, doch oftmals ist der Schaden größer als der Nutzen. Wir zeigen Ihnen, wie die Zusammenarbeit dennoch gelingen kann. 


Das Bürokonzept „Großraumbüro“ feierte vor einigen Jahren sein Comeback – nicht nur im Call Center. Von laut, über stickig bis hin zur fehlenden Privatsphäre – das Image des Großraumbüros ist jedoch alles andere als gut. Neben Nachteilen bringt die Vielzahl an Büroarbeitsplätzen jedoch auch einige Vorteile mit sich.

Vorteile

  • Förderung der Kommunikation
    Großraumbüros fördern die Kommunikation der Beschäftigten. So lernen sich nicht nur Kollegen untereinander schneller und besser kennen, oft kommt es im Großraumbüro auch zu einem besseren Gedankenaustausch.
  • Steigerung der Kreativität und Motivation
    Das gemeinsame Arbeiten in einem Büro kann die Motivation und Kreativität der Mitarbeiter im Team enorm steigern – Ideen können von allen aufgegriffen und weiterentwickelt werden.
  • Stärkeres Gemeinschaftsgefühl
    Das stetige Arbeiten im Team stärkt das Gemeinschaftsgefühl.
  • Kürzere Kommunikationswege
    Mitarbeiter in einem Großraumbüro, die beispielsweise am gleichen Projekt arbeiten oder einen ähnlichen Aufgabenbereich haben, können einen intensiveren Austausch untereinander pflegen. Anstatt zu telefonieren, chatten oder erst ein Meeting zu planen, kann direkt miteinander kommuniziert werden.
    Zudem profitieren Mitarbeiter auch davon, dass stets jemand greifbar ist, wenn Hilfe benötigt wird. Wieso sich stundenlang im Einzelbüro mit einer komplizierten Exceltabelle herumzuärgern, wenn Sie kurz den Sitznachbarn ansprechen und ihn um Rat bitten können.
  • Flexiblere Nutzungsmöglichkeiten
    Neben einer großen Flexibilität bei der Organisation der Arbeit lässt besonders die wirtschaftliche Flächennutzung das Großraumbüro für viele Arbeitgeber attraktiver erscheinen. Ein positiver Nebeneffekt: Aus Arbeitgebersicht lassen sich Mitarbeiter besser überwachen.
  • Kostenreduzierung
    Durch Großraumbüros können Arbeitgeber die Kosten für die Bürogestaltung senken.

Nachteile

  • Mangelnde Privatsphäre 
    Ob Sie kurz eine WhatsApp-Nachrichten an die Freundin senden, einen privaten Anruf der Tochter entgegennehmen oder sich Konzerttickets beim Vorverkaufsstart sichern: Die Kollegen sehen fast alles. Der fehlende Privatbereich und das Gefühl unablässiger Kontrolle führen Psychologen zufolge sogar zu einer gesteigerten Aggressivität.
  • Weniger produktiv
    Der Tratsch unter Kollegen und Telefongespräche mischen sich mit dem Geklapper der Computertastaturen, dem Surren der Drucker und der Klimaanlage – bei einem kontinuierlich hohen Geräuschpegel ist dauerhafte Konzentration kaum möglich. Und das hat Folgen für die Produktivität.
  • Arbeitszufriedenheit sinkt
    Beschäftigte in Großraumbüros fühlen sich schneller gestresst – nicht zuletzt aufgrund der ständigen Reizüberflutung. Stress über einen längeren Zeitraum hinweg hat in der Regel negative Auswirkungen auf die Gesundheit, Psyche und Motivation der Mitarbeiter. Zudem entsteht durch die belastenden Umstände ein erhöhtes Konfliktpotential, was letztendlich auch wesentlichen Einfluss auf das Arbeitsklima und die Arbeitszufriedeheit haben kann.
  • Künstliche Belichtung und Klimatisierung
    Je nach Gestaltung der Großraumbüros sitzen einige Beschäftigte meist in den inneren Bereichen – weit weg vom Tageslicht – bei Kunstlicht. Neben der Beleuchtung lassen sich auch die Belüftung und Temperatur nicht nach den individuellen Bedürfnissen regulieren. Laut einer Studie der Hochschule Luzern sind „abgestandene/schlechte Luft“ (32 Prozent), „zu hohe Temperaturen“ (24 Prozent) und „wechselnde Temperaturen“ (19 Prozent) mit die häufigsten beeinträchtigenden Faktoren in Großraumbüros. Zudem – so das Ergenbnis der Studie – sei in Büros mit mechanischer Lüftung die Raumtemperatur tendenziell zu niedrig und die Luft abgestanden/schlechter sowie trockener als in Büros mit Fensterlüftung oder einer kombinierten Lüftung.
  • Zunehmender Krankheitsausfall
    Eine australische Metastudie von 2009 analysierte Studien aus aller Welt zur Bürogestaltung und ermittelte, dass 90 Prozent der in Großraumbüros arbeitenden Beschäftigten über negative Einflüsse auf die körperliche und psychische Gesundheit berichten. Dies bestätigt auch die Studie der Hochschule Luzern: Mit zunehmender Bürogröße nimmt die Absenzenhäufigkeit zu. Während in Einzelbüros knapp die Hälfte der Befragten angab, innerhalb eines Jahres nie krankheitsbedingt abwesend gewesen zu sein, erkrankten in Zweiraumbüros nur 38 Prozent nicht. In Büros ab 16 Personen sank die Zahl auf 30 Prozent.
    Eine echte Lobby stellt das Großraumbüro auch für Grippeviren dar.

Kombi-Büros als moderne Arbeitsplatzgestaltung?

Was also tun, wenn man im Großraumbüro keine Privatsphäre hat und Konzentration schwer fällt? Den vorhandenen Großraum komplett umbauen und in kleine Büroräume verwandeln? Das muss nicht immer sein! Oft können auch kleine Maßnahmen dafür sorgen, dass die Zusammenarbeit trotz Großraumbüro funktioniert.

1. Legen Sie ein spezielles Augenmerk auf die Raumakustik. Reduzieren Sie Lärm im Raum durch schallabsorbierende Elemente, verbannen Sie laute Geräte wie den Drucker und den Fotokopierer in einen kleinen Nebenraum.

2. Schaffen Sie Ruhearbeitsplätze, sodass sich Mitarbeiter temporär aus dem Großraumbüro zurückziehen können, um bei Bedarf konzentriert und ohne Ablenkung arbeiten zu können.

3. Schaffen Sie interne Vereinbarungen, indem Sie sich auf einen Verhaltenskodex einigen.

4. Ob früher ins Büro oder länger bleiben als die meisten Kollegen im Großraumbüro – durch Gleitzeit lässt sich aufgrund der geringeren Anwesenheit wesentlich ungestörter arbeiten.

5. Zu guter letzt können auch Ohrenstöpsel hilfreich sein. So kann man für eine Aufgabe, die eine hohe Konzentration erfordert, sich zumindest für einen bestimmten Zeitraum abschotten und die Geräuschkulisse reduzieren.

Generell gilt: Größere Büros sind nicht schlechter als kleine. Wichtig ist, dass die räumlichen Verhältnisse mit den Aufgaben der darin tätigen Personen und den daraus resultierenden Bedürfnissen und Lärmemissionen abgestimmt werden.


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