Gruppendynamik: Definition und Auswirkungen auf den Büroalltag

Ein schlechtes Betriebsklima ist auf lange Sicht nicht nur extrem nervenaufreibend, sondern kann auch zur Kündigung einzelner Mitarbeiter führen. Arbeitgeber sollten daher darauf achten, dass Kollegen gut im Team arbeiten und die Gruppendynamik gut ist. Doch was genau bedeutet das?


Teamwork gehört zweifelsfrei zu den gefragtesten Soft Skills, die ein Arbeitnehmer mitbringen muss. Es gilt, nicht nur als Einzelkämpfer zu funktionieren, sondern sich auch in einem sozialen Gefüge – dem Team – zu integrieren und dort einen Platz einzunehmen. Doch was, wenn das nicht so recht funktionieren will? Wenn das Team Probleme bereitet und es einfach nicht zusammenpasst. In diesem Fall kann von einem gruppendynamischen Problem gesprochen werden. Was das ist und was Sie dagegen tun können, verraten wir Ihnen in diesem Beitrag.

Definition: Was ist Gruppendynamik?

Wer erklären will, was Gruppendynamik ist, kann auch fragen: Welche Dynamik weist eine Gruppe auf? Wie verhält sie sich? Was macht sie zu dem, was sie ist? Die Gruppendynamik gibt an, wie und vor allem wodurch eine Gruppe funktioniert. Ausgangspunkt der Betrachtungen ist die folgende Annahme:

Jede Gruppe weist eine andere, ganz spezielle Charakteristik auf. Diese hängt wiederum von den verschiedenen Gruppenmitgliedern ab. Wenn die einzelnen „Zutaten“, die jeder mit ins Team bringt, gut zusammenpassen, herrscht eine agile und fruchtbare Gruppendynamik. Kommt hingegen Sand ins Getriebe, ist die Rede von einem gruppendynamischen Problem. Mit anderen Worten: Die Gruppe funktioniert nicht als Team und kommt nicht voran. Stillstand und ein erhöhtes Konfliktpotential sind die Folgen.

Warum ist die Gruppendynamik so wichtig?

Wenn wir einen Menschen kennenlernen und uns bestenfalls mit diesem anfreunden wollen, ist es sinnvoll, möglichst schnell herauszufinden, wie dieser tickt. Wir analysieren Gemeinsamkeiten und Unterschiede, stellen besondere Verhaltensmuster fest und beginnen Schritt für Schritt damit, die Person zu „entschlüsseln“. Das ist wichtig, um später möglichst konfliktfrei mit ihr zu interagieren.

Ganz ähnlich verhält es sich auch mit mehreren Menschen, die sich zu einer Gruppe zusammenschließen. Ähnlich wie die Einzelperson hat auch die Gruppe diverse Eigenschaften, Besonderheiten und eventuell auch Marotten, die von allen Akteuren gekannt werden müssen. Das gilt sowohl für Menschen innerhalb der Gruppe als auch Außenstehende. Wer die Dynamik einer Gruppe missachtet, riskiert, das Gleichgewicht zu stören oder gar zu zerstören.

Homogene Gruppe vs. heterogene Gruppe

Das bisher Gelesene lässt die Vermutung zu, dass eine Gruppe möglichst homogen sein sollte, um eine positive Gruppendynamik zu entwickeln. Ähnliche Charaktere weisen ähnliche Denkweisen auf und verstehen sich schneller. Eine Störung der Gruppendynamik scheint (zumindest theoretisch) unwahrscheinlicher.

Ganz so einfach ist es natürlich nicht. Der Begriff Dynamik steht für Bewegung, Agilität und Fortschrittlichkeit und genau so sollte auch eine Gruppe ausgerichtet sein. Mit anderen Worten: Eine lebhafte Gruppendynamik lebt von unterschiedlichen Menschen, die das Team voranbringen wollen. Heterogenität ist eine wichtige Eigenschaft von erfolgreichen Gruppen, die produktiv arbeiten und qualitativ hochwertige Ergebnisse liefern.

Warum das so ist? Unterschiedliche Charaktere, die unterschiedlicher Meinung sind, geraten öfter aneinander und unter Umständen auch schneller in einen Konflikt. Sie können sich allerdings auch gegenseitig pushen und anspornen. Der wohl wichtigste Aspekt ist die verschiedenen Sichtweisen innerhalb einer heterogenen Gruppe. Während Person A den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht und einfach keine Lösung findet, bringt Person B frischen Wind in die Angelegenheit und hat eventuell auch den erlösenden Einfall. Dieses „Phänomen“ ist übrigens auch einer der Gründe, warum sich CoWorking Spaces so großer Beliebtheit erfreuen und auch in Unternehmen ein immer größeres Thema werden.

Teams, die eine gute Gruppendynamik aufweisen, sind in ständiger Bewegung und entwickeln sich stetig weiter. Sie benötigen keinen externen Motor, sondern entwickeln eine interne Energie (beziehungsweise Dynamik), die sie immer weiter vorantreibt und Ergebnisse zutage fördert.

Die natürlichen Feinde der Gruppendynamik

Halten wir an dieser Stelle noch einmal fest: Eine agile Gruppendynamik, die ein Team vorantreibt, ist ein Segen für jedes Unternehmen. Es gilt also stets, diese Dynamik aufrecht zu erhalten. Dieses Vorhaben verkompliziert sich, wenn Sie es mit den natürlichen Feinden der Gruppendynamik zu tun bekommen und dadurch ein gruppendynamisches Problem entsteht. Folgende Aspekte gilt es zu vermeiden.

  • Ignoranz: Es wurde weiter oben im Text bereits angesprochen – wird die Gruppendynamik missachtet, wird sie torpediert.
  • Homogenität: Wenn alle im Gleichschritt marschieren, verursacht das nicht nur ein monotones Geräusch, sondern auch gedanklichen Einheitsbrei. Besser: Vielfältigkeit, die zwar Konflikte heraufbeschwört, dafür aber auch die Kreativität befeuert.
  • Faulheit: Faulpelze gibt es in jeder Firma. Sind sie Teil eines Teams, ist die Gruppendynamik in großer Gefahr. Fakt ist nämlich, dass Faulheit ansteckend ist.
  • Sturheit: Gedankliche Vielfalt – hervorragend! Sich verhärtende Fronten – furchtbar! Wer stur auf seiner Meinung beharrt und keineswegs kompromissbereit ist, riskiert ebenfalls, die Gruppendynamik zum Stillstand zu zwingen.

Bildquelle: racorn/Gruppendynamik