High Potentials abwerben: Was erlaubt ist und was nicht

Das Abwerben von High Potentials gehört vor allem in Großunternehmen mittlerweile zum guten Ton. Doch nicht immer verhalten sich dabei alle so, wie sie sollten.

High Potentials, also Mitarbeiter mit besonders großem Erfolgspotential, spielen im War of Talents eine wichtige Rolle. Wer sie für sein Unternehmen gewinnen kann, hat gute Chancen auf Wachstum und Weiterentwicklung. Doch wie kommt man an diese Mitarbeiter, um die sich auch die Konkurrenz reißt? Der direkte Weg heißt: Abwerben. Doch ist das auch wirklich so einfach wie es klingt? Fakt ist: Nicht jede Praktik, die im Zuge einer Abwerbung angewendet wird, ist erlaubt. Erfahren Sie hier, was in Ordnung ist und was Sie in Zukunft lieber nicht mehr machen.

Abwerben ist aufgrund der Wettbewerbsfreiheit erlaubt

Die gute Nachricht zuerst: Das Abwerben von Mitarbeitern einer Konkurrenzfirma ist in Deutschland grundsätzlich erlaubt. Hier gilt nämlich die sogenannte Wettbewerbsfreiheit, die sowohl Arbeitgebern als auch Arbeitnehmern einige Spielräume bietet. Weiterhin kann gesagt werden, dass es keine Einschränkungen im Hinblick auf die Anzahl der abgeworbenen Mitarbeiter und deren Position im Unternehmen gibt.

Für den Arbeitgeber ist auch wichtig, zu wissen, dass er seine Mitarbeiter im gewissen Maße vor Abwerbungen durch Konkurrenzunternehmen schützen kann. Der wohl einfachste Weg ist die Festlegung einer Kündigungsfrist im Arbeitsvertrag. Hieraus resultiert zwar nur eine vorübergehende Einschränkung, doch gerade dann, wenn der High Potential zu einem bestimmten Zeitpunkt gebraucht wird, kann die Abwerbung auf diese Weise verhindert werden.

Ab wann ist Abwerbung wettbewerbswidrig?

Interessant ist nun natürlich die Frage, wo genau die Grenzen der Wettbewerbsfreiheit liegen. Denn auch wenn das Wort vielleicht eine gewisse Unendlichkeit suggeriert, gibt es klare Linien.

Eine Wettbewerbswidrigkeit liegt vor, wenn mit unlauteren Mitteln abgeworben wird, also beispielsweise wenn

  • der High Potential direkt am Arbeitsplatz angerufen und abgeworben wird
  • der High Potential mehrere Emails an seine berufliche Adresse bekommt
  • der High Potential dazu angestiftet wird, einen Vertragsbruch zu begehen
  • Lügen über den bisherigen Arbeitgeber verbreitet werden
  • der High Potential immer wieder kontaktiert wird, obwohl er ausdrücklich gesagt hat, dass er das nicht möchte
  • die Abwerbung nur dem Zweck dient, den Konkurrenten zu schädigen
  • der High Potential noch im Rahmen seines alten Angestelltenverhältnisses Mitarbeiter für den neuen Arbeitgeber abwirbt

Welche Konsequenzen bringt ein Verstoß gegen das Wettbewerbsgesetz mit sich?

Wer glaubt, dass unlauterer Wettbewerb im Grunde genommen dazugehört und eine gesunde Portion Konkurrenzkampf die Wirtschaft ankurbelt, hat vielleicht nicht ganz Unrecht, verharmlost die Problematik jedoch gleichzeitig.

Für Sie ist wichtig, zu wissen, dass falsches Verhalten beim Abwerben von High Potentials durchaus Konsequenzen nach sich ziehen kann. Konkret handelt es sich dabei in erster Linie um Schadensersatzzahlungen und Unterlassungsklagen.

Wenn Sie also keinen unnötigen Stress mit Ihrem Vorgesetzten haben wollen, sollten Sie die Grenzen der Wettbewerbsfreiheit lieber respektieren und nur das tun, was auch wirklich erlaubt ist.

5 Tipps, um High Potentials abzuwerben

Abschließend möchten wir Ihnen noch ein paar Tipps mit auf den Weg geben, die Ihnen dabei behilflich sind,kompetente Fachkräfte abzuwerben und für Ihr Unternehmen zu gewinnen. Diese sind selbstverständlich alle im Rahmen der Wettbewerbsfreiheit angesiedelt und somit erlaubte Kniffe.

Tipp #1: High Potentials identifizieren

Es ist eine große Zeitverschwendung, wenn Sie wahllos Mitarbeiter von Konkurrenzunternehmen kontaktieren und diesen einen neuen Job anbieten. Effektives Abwerben setzt immer eine gewisse Recherche voraus. Das heißt: Nehmen Sie sich die Zeit, um nach vielversprechenden High Potentials zu suchen. Nutzen Sie hierfür zum Beispiel Karriere-Netzwerke, Networking-Events, Jobmessen und Seminare.

Tipp #2: Den richtigen Zeitpunkt abwarten

Es ist immer klug, dann mit dem Abwerben zu beginnen, wenn das Konkurrenzunternehmen gerade in einer (kleinen) Krise steckt. Wenn Entlassungen und Kurzarbeit drohen, sind viele Mitarbeiter verunsichert und überaus empfänglich für Angebote aus anderen Firmen.

Tipp #3: Nicht kleckern, sondern klotzen

Immer mehr High Potentials sind sich ihres Werts auf dem Arbeitsmarkt bewusst. Werden sie von einem Konkurrenzunternehmen abgeworben, bestätigt sie das zusätzlich. Für Sie als Recruiter bedeutet das in erster Linie, dass Sie etwas bieten müssen, wenn Sie einen High Potential überzeugen wollen. Hiermit ist nicht nur ein lukratives Einstiegsgehalt gemeint, sondern beispielsweise auch attraktive Boni und Social Benefits.

Tipp #4: Kontaktaufnahme durch andere Mitarbeiter

Es wird nicht immer der Fall sein, doch wenn Sie herausfinden, dass ein Mitarbeiter in Ihrem Unternehmen bereits private Verbindungen zu einem High Potential hat, kann es durchaus erfolgversprechend sein, diesen als Kontaktperson zu nutzen. Viele Wunsch-Mitarbeiter reagieren offener auf eine Abwerbung, wenn sie den Gesprächspartner bereits kennen.

Tipp #5: High Potentials von Anfang an binden

War die Abwerbung von einem High Potential erfolgreich, heißt das nicht, dass die Arbeit nun erledigt ist. Im Grunde genommen fängt sie jetzt erst richtig an. Fachkräfte sind ausgesprochen gefragt und müssen daher vor erneuten Abwerbungs-Versuchen durch Konkurrenz-Unternehmen geschützt werden. Am besten gelingt dies, wenn der High Potential eine möglichst starke Bindung zum Unternehmen aufbaut.


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