Interview: Tipps für den perfekten Berufseinstieg

Christina Wunder und Jana Zieseniß schreiben auf ihrem Blog Chapter One Mag über den Berufseinstieg und all die Tücken, die damit verbunden sind. Im Interview haben uns die beiden jungen Frauen verraten, worauf es ihrer Meinung nach am meisten ankommt, wenn „der Ernst des Lebens“ beginnt.


Wie würden Sie Ihren Berufseinstieg beschreiben?

Christina: Die perfekte Beschreibung wäre wohl: „Eins führt zum andern, führt zum andern, führt zum andern.“ Es lässt sich nicht voraussehen, welches Praktikum, welcher Kontakt oder welche Netzwerkveranstaltung einem weiter hilft oder gar in konkreten Chancen resultiert. Deshalb finde ich es unglaublich wichtig, stets sein Bestes zu geben und mit Offenheit und Interesse an die Dinge heranzugehen.

Jana: Haha, das kann ich absolut unterschreiben. Wenn mir jemand nach dem Abschluss meines Studiums erzählt hätte, dass ich fünf Jahre später als Reisebloggerin und Social Media-Beraterin selbstständig sein würde, hätte ich das nie im Leben geglaubt. Und doch ist es genau so gekommen.

Im Chapter One Mag finden Leser zahlreiche Tipps zum Berufseinstieg. Was ist Ihr ultimativer Hinweis?

Christina: Die wichtigste Erkenntnis für mich war, dass andere Faktoren entscheidend sind als der perfekte Studiengang oder hervorragende Noten. Mein Tipp für jeden Jobsuchenden ist: Versuchen Sie nicht zu beweisen, dass Sie die besten akademischen Qualifikationen oder die besten Praktika bei namhaften Konzernen vorzuweisen haben. Konzentrieren Sie sich darauf, herauszufinden und zu zeigen, welchen konkreten Mehrwert Sie für Ihren potenziellen Arbeitgeber haben würden.

Jana: Auf jeden Fall: Über den Tellerrand blicken. Und offen sein für Wege, die man vielleicht bisher nicht in Betracht gezogen hat. Es gibt heute nicht mehr „den einen richtigen Weg“. Das Berufsleben ist fassettenreicher geworden.

Warum ist der Berufseinstieg in manchen Branchen so schwer?

Christina: Je wichtiger Softskills in einer bestimmten Branche sind, umso schwieriger wird es meiner Meinung nach, diese an bestimmten Parametern festzumachen und beispielsweise in einer Bewerbung aufs Papier zu bringen. Einfacher wird es erst, wenn man bereits erfolgreiche Projekte oder Empfehlungen vorzuweisen hat. Das erst macht die eigene Kompetenz greifbarer.

Jana: Absolut. Trotzdem sollte man sich davon nicht abschrecken lassen und das studieren, das den eigenen Stärken entspricht. Auch wenn es am Anfang vielleicht schwerer ist, hat man nur so langfristig Erfolg.

Was können Sie in solchen Fällen raten?

Christina: Konzentrieren Sie sich auf Ihre Stärken und konkreten Erfolge. Jede Behauptung in Bezug auf die eigene Qualifikation sollte mit bestimmten Beispielen untersetzt werden.

Ins Berufsleben zu starten bedeutet zwangsläufig, viele Bewerbungen zu schreiben und eventuell auch Absagen zu kassieren. Welche Tipps können Sie unseren Lesern hierzu geben?

Christina: Zunächst einmal würde ich Qualität immer über Quantität stellen. Man sollte sich immer die Zeit nehmen, zu verstehen, was dem potenziellen Arbeitgeber wichtig ist. Dafür muss man bei der Stellenanzeige ein Stück weit zwischen den Zeilen lesen oder Informationen über das Unternehmen recherchieren. Die Bewerbung sollte deutliche Argumente enthalten, die sich nicht bereits aus dem Lebenslauf ablesen lassen. Das ist der schwierigste Teil, aber der erfolgversprechendste. Dennoch gehören Absagen zum Spiel dazu; man darf sie nicht persönlich nehmen. Viele Branchen sind sehr kompetitiv und eine Absage bedeutet nicht, dass man nicht kompetent ist.

Jana: Als Selbstständige muss ich heute noch viel mehr mit Absagen umgehen können als vorher. Bewerbungssituationen, die bei Angestellten nur alle paar Jahre vorkommen, gehören heute zu meinem Alltag. Bei Absagen versuche ich immer die positiven Seiten zu sehen, daraus zu lernen und/oder mir gegebenenfalls zu überlegen, warum es vielleicht auch für mich gut war, dass es nicht geklappt hat. Das ist in der klassischen Bewerbungssituation ganz genauso.

Sie gehören zur „Generation Praktikum“. Können Sie dazu etwas sagen?

Christina: Nach jedem Praktikum sollte man in der Lage sein, in wenigen Sätzen aufzuzeigen, was man geleistet hat. Es ist wichtig, aufzeigen zu können, für welche konkreten Aufgaben man verantwortlich war, was man eigenständig geschafft hat und welchen Mehrwert der Arbeitgeber dadurch hatte.

Jana: Wichtig finde ich, dass man sich seiner eigenen Qualifikation und seinem Wert bewusst ist und das auch dem Arbeitgeber gegenüber begründen und durchsetzen kann.

Wie viele Jobwechsel verträgt der Berufseinstieg?

Christina: Das lässt sich so pauschal nicht sagen. Sicherlich ist es hilfreich, eine bestimmte Zeit in einem jeweiligen Job gewesen zu sein, um zu zeigen, dass man am Ball bleibt und Engagement sowie Ausdauer mitbringt. Aber wenn man sich auch nach längerer Zeit nicht wohlfühlt oder die persönlichen Umstände einen Jobwechsel notwendig machen, sollte man das tun.

Jana: Auf das richtige Verhältnis kommt es an. Dennoch würde ich niemandem empfehlen, seinen Job zu verlassen, der ihm Spaß macht. Genauso wenig würde ich jemandem zum Bleiben raten, der unglücklich ist mit seinen Aufgaben, dem Team und der derzeitigen Situation – nur weil es vielleicht besser ist für den Lebenslauf.

Wann ist der Berufseinstieg Ihrer Meinung nach zu Ende beziehungsweise geschafft?

Christina: „Geschafft“ ist ein großes Wort. Der Zeitpunkt, in dem man sich mehr oder weniger im Berufsleben angekommen fühlt, ist wohl relativ schnell erreicht, vielleicht schon nach etwa ein bis zwei Jahren. Dennoch bringt der Arbeitsalltag immer wieder spannende Momente mit sich, die neu, ungewohnt und herausfordernd sind.

Jana: Dazu passend fällt mir ein Zitat des zurzeit wohl am meisten gehypten YouTubers Casey Neistat zu seinen kürzlich erreichten 4 Millionen YouTube-Abonnenten ein: „Jedes Ziel ist kein Ende, sondern sollte in einem neuen Ziel resultieren“. So ähnlich ist es auch mit dem Berufseinstieg. Es „geschafft“ zu haben, sollte nicht das „Endergebnis“ sein.

Vielen Dank für das Gespräch.


Christina Wunder ist 27 Jahre alt und arbeitet mittlerweile als Pressereferentin für die EU-Kommission in Brüssel. Bereits während ihres Studiums entdeckte sie ihre Leidenschaft für die Kommunikation. Ihr Talent liegt darin, komplizierte Inhalte spannend und verständlich zu verpacken.

 Jana Zieseniß ist nicht nur Reise-Bloggerin, sondern auch selbstständige Social Media-Beraterin. Sowohl in ihrer Freizeit als auch im Beruf lebt sie ihre Abenteuerlust aus. Hierfür hat sie sogar ihren sicheren Agenturjob gekündigt.


Foto: © Chapter One Mag