Job vs. Privatleben: Hat der Partner ein Mitspracherecht?

Den Job und das Liebesleben unter einen Hut zu bringen, das kann zur echten Herausforderung werden. Sollten Sie die beiden also lieber strikt voneinander trennen? Oder wieviel Mitspracherecht gilt es einem Partner bei beruflichen Entscheidungen einzuräumen?


Für viele Menschen steht die Karriere heutzutage an erster Stelle. Sie leben in keiner festen Partnerschaft oder traditionellen Ehe, sondern fristen lieber ein ungebundenes Leben in der Luxuswohnung oder wahlweise auch in der alternativen WG. Single, Mingle, Ghosting – wer sich derzeit auf Beziehungsratgebern im Internet etwas umsieht, trifft auf allerhand moderne Begriffe rund um die „Generation beziehungsunfähig“ und ihre Strategien (k)eine Beziehung zu führen. Einer dieser Trends scheint aktuell zu sein, dem Partner kein Mitspracherecht mehr bei beruflichen Entscheidungen einzuräumen. Die Zeiten, in welchen der Mann nach einem Job sucht und die Frau mit den Kindern ohne Widerworte nachzieht beziehungsweise ihr Leben ganz zugunsten des „Ernährers“ ausrichtet, sind vielerorts vorbei. Und das ist auch gut so. Die Frau von heute strebt selbst eine Karriere an, möchte finanziell auf eigenen Beinen stehen und unabhängig von einem Mann leben.

Das Spannungsfeld zwischen dem Beruf und der Familie

Wenn Sie dauerhaft mit Ihrem Single-Dasein glücklich und zufrieden sind, ohnehin keine Kinder wollen und Ihre Erfüllung stattdessen in Ihrem Beruf sowie Ihrem Freundeskreis und gelegentlichen Liebeleien finden, ist das auch völlig in Ordnung. Doch viele Deutsche – vor allem die jüngeren Vertreter der Generation Y – wünschen sich einerseits berufliche Autonomie, andererseits aber auch eine traditionelle Familie mit Ehepartner/in, Kindern und Eigenheim. Gleichzeitig sehnen sich Väter nach mehr Zeit für ihren Nachwuchs und Frauen nach finanzieller Unabhängigkeit. Die Folge: In vielen Partnerschaften arbeiten heutzutage sowohl der Mann als auch die Frau in Voll- oder Teilzeit. Die Kindererziehung, der Haushalt oder auch die eventuelle Pflege von Angehörigen werden entsprechend anteilig übernommen. Ein Modell, das durchaus funktionieren kann. Zumindest solange, bis eine berufliche Veränderung das Gleichgewicht ins Wanken bringt. Was, wenn zum Beispiel einer von beiden einen besseren Job in einer anderen Stadt angeboten bekommt, der andere aber nicht umziehen möchte oder eben aus beruflichen Gründen nicht kann, weil es in der „neuen“ Stadt keine Unternehmen aus seiner Branche gibt?

Immer mehr Liebesbeziehungen scheitern am Egoismus

An genau dieser Stelle gehen die Meinungen weit auseinander. Die einen vertreten vehement die Meinung: Mein Leben, meine Entscheidungen! Auslandsaufenthalt, Geschäftsreise, Jobwechsel…all das wird ganz nach eigenem Belieben und unabhängig vom Partner entschieden. Der soll quasi froh sein, wenn er überhaupt von den Plänen erfährt. Die anderen sind hier etwas traditioneller ausgerichtet, stellen die Beziehung an erste Stelle und versuchen, gemeinsam einen Kompromiss zu finden, mit welchem beide Partner glücklich sind. Ein „Richtig“ oder „Falsch“ gibt es an diesem Punkt leider nicht. Schlussendlich müssen Sie sich selbst darüber klarwerden, ob Ihnen Ihre Karriere wichtiger ist und Sie für diese Ihre Partnerschaft zu riskieren bereit sind – oder ob Sie stattdessen auch beruflich zurückstecken würden, um Ihre Liebe zu retten. Fakt ist einfach: In Zeiten der Auslandsaufenthalte, Internationalisierung und Emanzipation scheitern immer mehr Beziehungen am Egoismus eines Partners – oder beider.

Kinder verändern alles!

 So weit, so gut. Zumindest, bis Kinder ins Spiel kommen. Denn sobald Sie nicht mehr nur für sich selbst und vielleicht Ihre/n Partner/in Verantwortung übernehmen müssen, sondern auch für den gemeinsamen oder in die Beziehung mitgebrachten Nachwuchs, sollte der Egoismus ein Ende finden. Moderne Lebensmodelle hin oder her: Die „beste“ Familie ist für Kinder immer noch die klassische, da sind sich Soziologen, Erzieher und Psychologen einig. Kinder brauchen Stabilität, feste Bezugspersonen und Sicherheit. Bestenfalls haben Sie eine Mutter und einen Vater, die gemeinsam unter einem Dach wohnen und dem Kind eine harmonische, stabile und liebevolle Familie bieten können. Scheidungen, Patchwork-Familien oder Alleinerziehende mit ständig wechselnden Partnern – das ist heutzutage zwar alles andere als ungewöhnlich, für die kindliche Entwicklung aber leider nicht gerade empfehlenswert. Was das für Sie bedeutet? Ganz einfach: Spätestens, wenn Sie gemeinsame Kinder haben, sollten Sie Ihrem Partner beziehungsweise Ihre Familie ein Mitspracherecht bei beruflichen Entscheidungen einräumen und Schluss machen mit dem „Ego-Trip“. Letztendlich ist die Karriere sogar unwichtiger als Sie vielleicht denken mögen. Eine an der Harvard University durchgeführte Langzeitstudie fand nämlich heraus, dass das Einzige (!), was ein Mensch zum Glücklichsein braucht, nicht mehr und nicht weniger ist als tiefgehende, also qualitativ gute, soziale Beziehungen.

Wie sehen Sie persönlich dieses Thema? Räumen Sie Ihrem/r Lebenspartner/in ein Mitspracherecht bei Ihren beruflichen Entscheidungen ein und wieso (nicht)? Was halten Sie persönlich für wichtiger: Familie oder Karriere? Oder welche neumodischen Modelle haben Sie vielleicht gefunden, um beides optimal miteinander zu vereinen (Fern-Ehe o.ä.)? Wir freuen uns auf Ihren persönlichen Beitrag in den Kommentaren!


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