Jobsharing – ja oder nein: Wie funktioniert das Modell?

Jobsharing – die Arbeitsplatzteilung – ist eigentlich kein neues Konzept, erfährt durch die Digitalisierung aktuell aber einen Aufschwung. Wie funktioniert es? Und lohnt es sich?

Die Arbeitsplatzteilung, auch als „Jobsharing“ oder „Job Sharing“ bezeichnet, beschreibt ein Teilzeitarbeitsmodell, bei welchem sich zwei oder mehr Mitarbeiter denselben Arbeitsplatz teilen. Gemeinsam bilden sie also eine Vollzeitstelle. Denkbar ist zum Beispiel, dass zwei Mitarbeiter zu je 50 Prozent tätig sind, ebenso können aber auch drei Angestellte ihren Job zu zehn, 30 und 60 Prozent aufteilen – oder so ähnlich. Weiterhin gibt es Modelle, bei welchen sich eine Gemeinschaft nicht nur einen, sondern gleich mehrere Arbeitsplätze teilt. So kann das Jobsharing auf Wunsch auch mit der Job Rotation kombiniert werden, um für mehr Abwechslung und dadurch auch Motivation in der Belegschaft zu sorgen. Sie sehen: Das Jobsharing als Arbeitsmodell hat viele Gesichter und bringt dementsprechend unterschiedliche Vor- und Nachteile mit sich.

Vorteile der Arbeitsplatzteilung

Das Jobsharing bedeutet für die Betroffenen in erster Linie ein großes Plus an Flexibilität. Es ermöglicht ihnen, ihre Arbeitszeit sowie -dauer gemäß der eigenen Bedürfnisse anzupassen und dadurch zum Beispiel die Vereinbarkeit von Beruf und Familie deutlich zu erhöhen. Gerade in Unternehmen, wo die klassische Teilzeitarbeit nicht möglich ist – zum Beispiel aufgrund fehlender personeller Ressourcen in KMUs – kann das Jobsharing eine echte Alternative darstellen. Und auch der Arbeitgeber geht bei diesem Modell nicht leer aus: Durch den regelmäßigen Austausch zwischen den Kollegen sowie das Vieraugenprinzip steigt in der Regel die Qualität der Arbeit. Fehler werden vermieden oder früher erkannt und die Mitarbeiter fördern sowie fordern sich ständig gegenseitig. Beim Ausscheiden eines „Jobsharers“ bleiben das Knowhow sowie Wissen im Unternehmen erhalten und bei hohem Arbeitsaufkommen kann das Unternehmen besser reagieren, indem es schneller die Kapazitäten hochfahren oder ausgefallene Arbeitnehmer vertreten kann – zum Beispiel durch eine zeitlich begrenzte Erhöhung der Arbeitszeit beider „Jobsharer“. Voraussetzung für all diese Vorteile des Jobsharing-Modells ist aber eine gute Kommunikation sowie ein Mindestmaß an Sympathie zwischen den Betroffenen.

Nachteile: Wo liegen die Risiken beim Jobsharing?

Genau hier, an der Schnittstelle zwischen den beiden oder mehreren Mitarbeitern, liegt also auch das Risiko bei der Arbeitsplatzteilung. Der Kommunikations- und Informationsaufwand zwischen den Beteiligten ist hoch und diese müssen über ein gutes Organisationstalent verfügen. Ansonsten kann es schnell zu Missverständnissen und dadurch einer höheren Fehleranfälligkeit sowie einer Verringerung der Effizienz kommen. Scheidet ein Mitarbeiter aus, ist die Neubesetzung aufgrund der vorgegebenen und vor allem ungewöhnlichen Arbeitszeit häufig schwierig. In vielen Fällen bedeutet das dann auch für den oder die anderen Betroffenen das Ende ihres flexiblen Arbeitsmodells.

Was hat Jobsharing mit der Digitalisierung zu tun?

Gerade das Stichwort der Kommunikation führt aktuell dazu, dass das Jobsharing als Arbeitsmodell wieder in den Fokus der Aufmerksamkeit rückt. Ursprünglich wurde es nämlich bereits in den 1980er Jahren in den USA geboren und in Deutschland mehr schlecht als recht aufgenommen und verbreitet. Doch nun vereinfacht die fortschreitende Digitalisierung die Kommunikationsprozesse. Remote Work und das Homeoffice werden immer mehr zur Normalität in deutschen Unternehmen und plötzlich passt das Jobsharing als flexibles Arbeitsmodell da wieder hervorragend ins Bild. Denn via Smartphone, E-Mail, Skype & Co werden ganz einfach Informationen ausgetauscht, Fragen beantwortet, Konzepte verschickt, E-Mails weitergeleitet oder die „Jobsharer“ können mittels Cloud sogar gleichzeitig an demselben Projekt zusammenarbeiten – zum Beispiel eine Person im Büro und eine im Homeoffice.

Wird die „Gen Y“ die Generation der Arbeitsplatzteilung?

Und noch eine weitere Entwicklung bewirkt vermutlich einen zukünftigen Höhenflug des Jobsharings: Die Fachkräfte von morgen – die sogenannte Generation Y – messen Freizeit einen größeren Stellenwert bei. Sie streben weniger nach der steilen Karriere und hohen Gehältern als nach einer ausgewogenen Work-Life-Balance, Flexibilität und einer guten Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Kein Wunder also, dass das Jobsharing in ihren Ohren nach einem Arbeitsmodell mit Zukunft klingt, vor allem in Kombination mit der Remote Work. Das Zwischenfazit lautet also: Jobsharing? Ja! Für Arbeitgeber in Deutschland wird es allerhöchste Zeit, sich einmal intensiv mit diesem Thema auseinanderzusetzen und interne Strukturen dementsprechend zu reorganisieren.

Was müssen Sie beachten, damit das Jobsharing funktioniert?

Wie bereits erwähnt, benötigen die Mitarbeiter für eine erfolgreiche Arbeitsplatzteilung Organisationstalent sowie eine hohe Kommunikationsbereitschaft. Die Arbeitszeiten dürfen in Kombination zudem nicht den Rahmen für Vollzeitbeschäftigte sprengen, da der Arbeitsplatz rechtlich als solcher behandelt wird. Ein gutes Planungsvermögen sowie eine Sympathie zwischen den „Jobsharern“ sind ebenfalls erforderlich. Dann steht dem Modell Jobsharing eigentlich nichts mehr im Wege – welches Gesicht auch immer es in Ihrem individuellen Fall annehmen wird.

Haben Sie bereits Erfahrungen mit Jobsharing gemacht und wenn ja, welche? Vielen Dank für Ihre Denkanstöße in den Kommentaren!


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