Kündigen ohne neuen Job – Ja oder Nein?

Manchmal würden Sie als Arbeitnehmer Ihren Job am liebsten sofort hinschmeißen. Aber ist das eine gute Idee? Und wenn nicht, wie sollten Sie stattdessen vorgehen?

Schlechte Tage im Job dürfte jeder Berufstätige kennen. Manchmal läuft alles wie am Schnürchen und ein anderes Mal geht alles schief, der Chef hat Sie auf dem Kieker oder Sie fühlen sich komplett überfordert. Mit dem Gedanken an die Kündigung spielt daher wohl jeder Arbeitnehmer im Laufe seines Berufslebens nicht nur einmal. Doch in den meisten Fällen verwerfen Sie diesen ebenso schnell wieder und sind alles in allem mit dem Status Quo zufrieden. Wenn die Kündigung in Ihren Ohren aber auch nach Tagen, Wochen oder Monaten noch attraktiv klingt und Sie sich nichts sehnlicher wünschen, als diesen Job endlich hinter sich zu lassen, gibt es einige Gründe, die für eine Kündigung sprechen – manchmal sogar fristlos. Aber ist eine Kündigung ohne neuen Job, quasi ohne „Plan B“, überhaupt eine gute Idee? Welche Alternativen haben Sie?

Wann Sie Ihren Job sofort (!) kündigen sollten

Viele Arbeitnehmer sind sich nicht einmal bewusst, dass sie die Möglichkeit zur fristlosen Kündigung ihres Arbeitsvertrages haben. Das ist aber bei groben Pflichtverletzungen seitens des Arbeitgebers durchaus erlaubt – zu Ihrem eigenen Schutz. Wenn einer der folgenden Kündigungsgründe vorliegt, sollten Sie daher sofort Ihre Sachen packen und gehen, unabhängig davon, ob Sie bereits eine neue Anstellung in der Hinterhand haben oder nicht:

  • Gesundheitsgefährdende Umstände wie die ausbleibende Bereitstellung erforderlicher Sicherheitsbekleidung durch den Arbeitgeber
  • Verlangen einer Straftat
  • Sexuelle Belästigung
  • Wiederholtes Ausbleiben der Gehaltszahlung oder der Sozialversicherungsbeiträge

Vor allem der Punkt der psychischen sowie physischen Gesundheit sollte bei Ihrer Entscheidung eine tragende Rolle spielen. Wenn Ihr Körper im Job gefährdet wird oder Sie aufgrund von Mobbing, sexuellen Übergriffen & Co anschließend traumatisiert sind, setzen Sie damit nicht nur Ihre Karriere aufs Spiel. Ziehen Sie daher spätestens bei solchen Ereignissen die Notbremse – auch ohne „Plan B“. Gegebenenfalls sollten Sie zudem je nach individuellem Fall Strafanzeige bei der Polizei erstatten.

Wann Sie Ihren Job ohne Plan B kündigen können

Nicht immer ist eine fristlose Kündigung rechtlich möglich. Das bedeutet aber längst nicht, dass Sie in einem Job verharren müssen, in welchem Sie unglücklich sind. Es kann durchaus gute Gründe geben, eine Kündigung zu zücken, bevor Sie einen neuen Arbeitsplatz gefunden haben. Ist keine außerordentliche Kündigung möglich, müssen Sie zwar die entsprechende Frist einhalten, doch können Sie diese häufig mittels Urlaubstagen oder Überstundenabbau verkürzen. Sie können und sollten ohne Plan B ordentlich kündigen, wenn

  • der Job Ihre Gesundheit gefährdet. Dies mag weniger drastische Ursachen haben als bei der fristlosen Kündigung, doch wenn Sie sich Tag für Tag zur Arbeit schleppen, unter Bauchschmerzen, Migräne oder anderen Beschwerden leiden, die auf ein nahendes Burnout-Syndrom hindeuten, oder sogar unter Panikattacken, wenn Sie nur an den nächsten Arbeitstag denken, ist es Zeit für die Notbremse.
  • Sie sich eine Auszeit wünschen. Manche Arbeitnehmer kündigen schließlich bewusst ohne neuen Job in Aussicht, um sich eine Auszeit zu gönnen. Sie möchten wertvolle Zeit mit der Familie verbringen, sich beruflich neu orientieren oder sich selbstständig machen. Die Kündigung ohne Plan B kann also eine gewollte Entscheidung sein.
  • der Job Sie zeitlich so vereinnahmt, dass Sie überhaupt keine Freiräume mehr für die Stellensuche haben. Bewerbungen zu schreiben und zu Vorstellungsgesprächen zu gehen, erfordert schließlich ein Mindestmaß an Freizeit und Urlaubstagen, damit der bisherige Arbeitgeber nichts von Ihrer Stellensuche erfährt. Manchmal ist es dafür tatsächlich notwendig, sich aktiv für ein paar Wochen in die Arbeitslosigkeit zu begeben.

Wann Sie lieber erst einen neuen Job suchen sollten – und wie

Alles in allem ist es Ihre eigene Entscheidung, ob Sie kündigen möchten, wann und aus welcher Situation heraus. Aus finanzieller Sicht und im Sinne eines lückenlosen Lebenslaufes stellt es natürlich den Idealfall dar, wenn Sie nahtlos von einem Job in den nächsten übergehen. Das ist aber nicht immer möglich und – wie bereits erwähnt – vom Arbeitnehmer auch nicht immer so erwünscht. Wichtig ist, dass Sie dann genügend finanzielle Mittel auf der hohen Kante haben, um den Zeitraum ohne Einkommen zu überbrücken. Bei einer arbeitnehmerseitigen Kündigung erhalten Sie nämlich normalerweise kein Arbeitslosengeld. Um nicht finanziell in die Bredouille zu kommen, empfehlen Experten Ihnen daher das sogenannte „strategische Newplacement“. Sie sollten also einen klaren Plan haben, was Sie von Ihrem Stellenwechsel erwarten und wie Sie dabei vorgehen möchten. Hierbei gilt es, alle Faktoren wie die Finanzen, Ihre zeitlichen Ressourcen oder Ihre Bereitschaft zu einem Wohnortwechsel einzubeziehen. Identifizieren Sie eine kleine Auswahl an „Wunscharbeitgebern“, bei welchen Sie gerne arbeiten würden, und sprechen Sie diese aktiv an, zum Beispiel mittels Initiativbewerbung. Warten Sie also nicht, bis eine passende Stelle ausgeschrieben wird. So stehen Ihre Chancen auf dem verdeckten Stellenmarkt gut.

Was denken Sie: Ist eine Kündigung ohne Plan B eine gute Entscheidung oder eher nicht? Und wieso? Wie würden Sie stattdessen vorgehen?


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