Loyalität im Berufsleben: Erfolgsfaktor oder Auslaufmodell?

Je länger ein Mensch in einem Unternehmen arbeitet, desto loyaler ist er dem Betrieb gegenüber. Doch ist Loyalität überhaupt noch wichtig in Zeiten, in denen Menschen alle paar Jahre den Job wechseln?


Loyalität wird in der Berufswelt langsam zur Mangelwaren. Dabei wird das loyale Verhältnis zwischen Arbeitnehmer und Firma immer wieder als Faktor für den unternehmerischen Erfolg genannt. Generell gilt die Formel: Je kleiner ein Betrieb, desto wichtiger sind loyale Mitarbeiter. Doch wie gelingt es überhaupt, Loyalität zu schaffen und diese aufrecht zu erhalten? Und warum ist loyales Verhalten in der Arbeitswelt überhaupt so wichtig?

Was bedeutet Loyalität im Berufsleben?

Ein Mitarbeiter, der seinem Unternehmen gegenüber loyal ist, steht voll und ganz hinter diesem. Er ist bereit, sein Bestes zu geben und auch Verantwortung zu übernehmen. Da Loyalität Zufriedenheit impliziert, ist es außerdem im Interesse des Angestellten, seine Stelle nicht zu verlieren und viele Jahre im gleichen Unternehmen zu arbeiten. Loyalität bedeutet außerdem auch, dass man sich dem Unternehmen zugehörig fühlt und sich mit diesem identifiziert.

All diese Punkte unterstreichen eines ganz deutlich: Loyale Mitarbeiter sind ein Segen für jeden Betrieb und damit heiß begehrt. Doch warum werden sie trotzdem immer seltener? Sollte es nicht im Interesse des Arbeitnehmers sein, Loyalität zu beweisen und sich damit einen langfristigen Arbeitsplatz zu sichern?

Jobhopping als Loyalitäts-Killer

Schaut man sich die moderne Arbeitswelt an, so kann man eines ziemlich schnell feststellen: Eine sichere Festanstellung, die über Jahre hinweg das Geld aufs Konto bringt, ist nicht mehr zeitgemäß. Stattdessen wird die Stelle häufig und in immer kürzeren Abständen gewechselt. Im Fachjargon wird das Jobhopping genannt – ein Trend, der nicht nur für sogenannte Mosaik-Lebensläufe sorgt, sondern auch einen großen Einfluss auf die Loyalität gegenüber dem Arbeitgeber hat.

Feststeht nämlich, dass sich das Zugehörigkeitsgefühl erst im Laufe der Zeit entwickelt und nicht von Anfang an vorhanden ist. Arbeitnehmer, die häufig (gewollt) die Stelle wechseln, haben also unter Umständen gar nicht die Gelegenheit, ein loyales Verhältnis aufzubauen. Bedeutet das im Umkehrschluss, dass es sich bei der Loyalität um ein berufliches Auslaufmodell handelt?

Loyalität ist für beide Seiten wichtig

Jain. Natürlich sorgen Trends wie Jobhopping, aber auch steigende Unzufriedenheit am Arbeitsplatz dafür, dass es die Loyalität zunehmend schwerer hat. Das heißt jedoch nicht, dass es sich hierbei um einen Wert handelt, der nun eingemottet werden kann. Nach wie vor ist es nämlich so, dass beide Seiten – also sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer – von einem loyalen Verhältnis profitieren.

Die Vorteile für den Arbeitgeber

Ein loyaler Mitarbeiter ist der Traum eines jeden Arbeitgebers. Ein solches Verhältnis zum Job bedeutet nämlich in der Regel, dass die Angestellten bereit sind, viel Leistung zu erbringen und auch Verantwortung zu übernehmen. Sie bringen sich aktiv mit kreativen Ideen ein und sind darum bemüht, das Unternehmen nach vorn zu bringen. Im Gegenzug fehlen loyale Mitarbeiter seltener und haben auch weniger Probleme damit, auch mal Überstunden zu machen. Angestellte, die loyal sind, sind weiterhin zuverlässig und verschwiegen, wenn es um interne Informationen geht, die nicht an die Öffentlichkeit geraten sollen.

Die Vorteile für den Arbeitnehmer

Loyalität bedeutet für Arbeitnehmer in erster Linie Sicherheit – die Sicherheit, ein geregeltes Einkommen zu haben und sich nicht auf die Suche nach einem neuen Job machen zu müssen. Weiterhin spielt der Faktor der Identifikation eine sehr wichtige Rolle. Mitarbeiter, die loyal sind, können sich mit ihrem Unternehmen identifizieren und es auch guten Gewissens repräsentieren, was wiederum motiviert und für Zufriedenheit am Arbeitsplatz sorgt.

Wichtig: Loyalität bedeutet stets gegenseitiges Vertrauen. Oder anders formuliert: Wenn nur eine der beiden Seiten loyal ist, droht das Konstrukt ziemlich schnell in sich zusammenzustürzen.

Loyal sein ist nicht immer einfach

Loyalität gegenüber den Arbeitskollegen fällt den meisten Angestellten leicht. Anders verhält es sich hingegen, wenn es um den Vorgesetzten geht. Hier sorgt insbesondere das hierarchische Verhältnis für Schwierigkeiten. Während die Beziehungen zwischen Kollegen auf Augenhöhe stattfinden, müssen im Fall des Chefs immer mehrere Hürden überwunden werden.

Info: Gerade im Startup-Bereich fällt immer wieder das Schlüsselwort „flache Hierarchien“. Eine niederschwellige Unternehmensstruktur kann durchaus für mehr Loyalität zwischen Arbeitgeber und -nehmer sorgen.

Weiterhin begünstigen die folgenden Faktoren ein loyales Verhältnis zwischen Chef und Angestellten:

  • ein angenehmes Betriebsklima
  • laut ausgesprochenes Lob und Anerkennung
  • transparente Kommunikation auf Augenhöhe
  • ein faires und respektvolles Miteinander
  • Entwicklungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten
  • persönliche und individuelle Förderung
  • Vertrauen
  • Übertragung von Verantwortung
  • Benefits (zum Beispiel Urlaubsgeld, Betriebskindergarten und andere Maßnahmen für eine verbesserte Work-Life-Balance)

Loyalität am Arbeitsplatz ist ein kostbares Gut, das sowohl vom Arbeitgeber als auch vom Arbeitgeber gepflegt und gefördert werden muss. Nur so können beide Seiten davon profitieren.


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